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Für mehr Sicherheit: Unfallforscher untersuchen alle Motorradunfälle im Land

Saarbrücken. Sie kommen mit Martinshorn und Blaulicht an die Einsatzstelle und sammeln Daten und Informationen im Dienste der Forschung: Alle Motorradunfälle im Saarland werden seit Mai systematisch von Unfallforschern untersucht. Beteiligt sind KFZ-Sachverständige, Rechtsmediziner, Unfallchirurgen und die Polizei. Bisher wurden 60 Unfälle untersucht, eine erste Bilanz kann bereits heute gezogen werden. „Wir untersuchen die Unfallursachen, die technischen Details der Unfallmaschinen und die Verletzungen der Fahrer“, sagt Professor Tim Pohlemann, Direktor der Klinik für Unfallchirurgie der Universitätsklinik in Homburg. Das ermögliche, wichtige Rückschlüsse zu ziehen. So erkennen die Experten beispielsweise, dass Motorradfahrer, die mit ihrer Maschine stürzen und daraufhin weiterrutschen, in der Regel schwerer verletzt sind, als diejenigen, die durch die Luft geschleudert werden. Bestimmte Formen von Benzintanks seien für schwere Beckenverletzungen verantwortlich, Tankdeckel ebenso.

„Ohne Unfallforschung gäbe es heute noch keinen Sicherheitsgurt“

Die Analysen hätten zum Ziel, solche Zusammenhänge zu erkennen, sicher zu belegen und den Politikern, der Zweiradindustrie aber auch Fahrern aufzuzeigen. „Ohne Unfallforschung gäbe es heute noch keinen Sicherheitsgurt“, so Pohlemann, der das Saarland für ein ideales Untersuchungsgebiet hält. Seit Mai hat die Landespolizeidirektion die Forschungsarbeit für 18 Monate genehmigt, die Kosten trägt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Neben der Polizei und der Uniklinik sind die Rechtsmediziner am Klinikum Saarbrücken und das Ingenieurbüro von Dr. Johannes Priester in die Arbeit eingebunden. Ein Gutachterteam besteht dabei immer aus einem technischen und einem ärztlichen Fachmann, meist aus einem KfZ-Sachverständigen und einem Doktoranden der Uniklinik. Vor Ort interessieren sich die Teams für die Unfallspuren, die Verletzungen der Opfer und die Schäden an den Fahrzeugen. Alles wird erfasst, fotografiert, vermessen und bewertet.

Für viele Hersteller gilt ABS als "uncool"

Für Rechtsmediziner Dr. Andreas Schuff ist die Kleidung der Motorradfahrer wichtig: „Wir sehen jetzt schon, dass in den kleineren Zweiradklassen die Schutzkleidung der Motorradfahrer nicht verbreitet ist.“ Auch technisch sei die Unfallsicherheit leicht zu steigern. Der Unfallsachverständige Sascha Rohrmüller: „Das überbremste Vorderrad ist beim Motorradunfall fatal. Der Fahrer bremst und stürzt. ABS könnte das vermeiden, ist aber in Motorradfahrerkreisen nicht angesagt.“ Einige Hersteller würden ABS nicht einmal anbieten. Es gelte wohl als „uncool“. Rohrmüller glaubt jetzt schon, dass das Projekt belegen wird, wie sinnvoll Bremsassistenzsysteme im Zweiradbereich sein könnten.

Nach den 18 Monaten soll die Untersuchung fortgesetzt werden. Pohlemann: „Noch nie sind Unfälle in solch einer Gründlichkeit aufgenommen worden. Daher kommen die Teams auch mit Blaulicht, um die Verletzten noch zu sehen oder gar zu sprechen und kein Detail zu übersehen.“ Zur Zeit wird rund um die Uhr eine Bereitschaft aufrechterhalten, um keinen Unfall mit Verletzten zu verpassen. Die Ergebnisse werden in mehrere Doktor- und Masterarbeiten einfließen und in Fachzeitschriften veröffentlicht werden. Pohlemann glaubt fest daran, dass das Saarland damit als Pilotregion für die Verkehrssicherheitsarbeit gelten und bundesweit auf sich aufmerksam machen wird.

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