A8 Saarlouis Richtung Neunkirchen Zwischen AS Heusweiler und Kreuz Saarbrücken Gefahr durch Gegenstände auf der Fahrbahn, Gefahr durch defektes Fahrzeug totes Tier auf der Überholspur (21.11.2017, 23:34)

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Futuristisch: Firma in Lothringen bietet QR-Codes auf Gräbern an

Bisher kennt man sie nur von Werbeplakaten: schwarz-weiße Pixel-Quadrate, sogenannte QR-Codes (Englisch „Quick Response“ für schnelle Antwort). Künftig könnten sie auch auf Grabsteinen saarländischer Friedhöfe zu sehen sein. Im lothringischen Sarraltroff (Département Moselle) bietet das Unternehmen BLM Distribution das bereits an.

„Die Idee dahinter ist, den Friedhofsbesuchern auf einfachem Weg Informationen über den Verstorbenen zu liefern“, erklärt Alain Ott von BLM Distribution. Wer den Code mit einem Smartphone oder Tablet-PC scannt, wird auf eine Internetseite weitergeleitet, auf der Fotos, Texte oder auch Links zu Videos stehen, die mehr über den Verstorbenen preisgeben. Auf der Seite findet man nur das, was die Familie, oder der Verstorbene selbst vor seinem Tod, dort eingestellt hat. „Die Besucher haben auch die Möglichkeit, eine Nachricht in einem virtuellen Kondolenzbuch zu hinterlassen“, ergänzt Ott. Er und sein Partner Francis Duval wollen auf diese Weise die Verstorbenen „aus der Anonymität holen und das Gedenken an sie lebendig halten“. Derzeit werben die beiden bei Bestattern für ihre Idee und stoßen, nach eigenen Angaben, durchaus auf Interesse. Sie überlegen, ihr Produkt auch in Deutschland anzubieten, allerdings fehlt ihnen dazu noch ein deutscher Mitarbeiter, der bei der Übersetzung hilft.

In Deutschland steckt diese neue Form des Trauerrituals noch in den Kinderschuhen. Hierzulande war der Kölner Steinbildhauer Andreas Rosenkranz der Erste, der die Idee umsetzte. Er meißelt die Codes sogar als kunstvolle Reliefs direkt in die Grabsteine. In Lothringen setzt man auf eine dezente kleine Plakette am Grab. Die Kunden können bei der Gestaltung der Webseite zwischen Modellen mit Namen wie „Engelchen“, „Vogel“, „Gedanken“, aber auch „Kitsch“ oder „Moslem“ wählen. Wollen sie sich eine individuelle Internetseite entwerfen lassen, kostet das etwas mehr.

Im Saarland sind QR-Codes auf Gräbern bislang noch unbekannt. Allerdings gibt es in Bestatterkreisen laut Michael Peter, Geschäftsführer der saarländischen Bestatterinnung, Überlegungen, solche Codes in Traueranzeigen aufzunehmen. Auch Holger Kopp, Landesinnungsmeister des Steinmetzhandwerks im Saarland, ist der neue Trend schon zu Ohren gekommen: „Das wird bundesweit gerade sehr kontrovers diskutiert.“ Er selbst glaubt nicht an die Zukunft der Idee: „Es wird einfach nicht viele Leute geben, die über den Friedhof laufen und diese QR-Codes scannen.“

Die evangelische Kirche zeigt sich offen für die neue Trauerform. „Grundsätzlich widerspricht das nicht dem christlichen Totengedenken“, erklärt Helmut Paulus, Pressesprecher der Evangelischen Kirchenkreise an der Saar. Allerdings dürfe auf der Internetseite nichts enthalten sein, was im Widerspruch zum christlichen Glauben stehe. „Es darf kein Missbrauch getrieben werden“, betont Paulus. „Das Totengedenken muss gewährleistet sein. Es darf nicht zu einem Voyeurismus führen.“

Auch die katholische Kirche zeigt sich der Idee nicht abgeneigt. Sie liege „ganz im Trend der Zeit“, erklärt André Uzulis, Sprecher des Bistums Trier. Angesichts der hohen Bedeutung der Internet-Kommunikation könnten QR-Codes durchaus eine angemessene Form der Erinnerung werden, auch wenn dies vielleicht auf den ersten Blick überrasche.
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