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G8/G9: Eltern wehren sich gegen Turbo-Abitur

Die Anhörung gestern im Bildungsausschuss des Landtags haben 6000 Unterzeichner der Volksinitiative „G 9 jetzt!“ gesetzlich erzwungen: Bevor das Landtagsplenum am 13. Oktober höchstwahrscheinlich mit breiter Mehrheit eine Rückkehr zum Gymnasium in neun Jahren ablehnen wird, wurden im Ausschuss Vertreter aller Lobbygruppen des Bildungssektors gehört. Dabei war die Haltung von Lehrer-, Eltern- und Schülervertretern einhellig: Eine Abschaffung des „Turbo-Abiturs“ in acht Jahren (G 8), das die CDU-Regierung 2001 auf starken Wunsch der Saar-Wirtschaft eingeführt hatte, will keiner.

„Es gibt keinen Rückhalt durch bildungsrelevante Organisationen für die G 9-Initiative. Man kann keine Schulreform aufs Gleis setzen gegen den breiten Willen der Mehrheit der gesellschaftlichen Gruppierungen“, sagte Klaus Kessler , Ex-Schulminister der Jamaika-Koalition (2009-2012) und jetziger Grünen-Fraktionsvize, der SZ. Kessler verneinte zwar die Frage, ob er seinen Frieden mit dem Turbo-Abitur gemacht habe. Doch der Vater der Gemeinschaftsschule, an der ein Abi in neun Jahren möglich ist, erklärte: „Es geht um die Vielfalt der Wege, zum Abitur zu kommen. Und die ist vorhanden.“

Damit liegt er auf der Linie der CDU /SPD-Koalition, die mitteilte, dass es um die „Wahrung des Schulfriedens“ gehe. Dabei seien die Stärkung der Gemeinschaftsschulen und qualitätsverbessernde Maßnahmen in den Gymnasien zielführend. Die Bildungsexpertinnen Gisela Rink ( CDU ) und Gisela Kolb ( SPD ) hoben das „Projekt für die Individuelle Lernbegleitung (Profil)“ an Gymnasien hervor. Dadurch sei die Zahl der Sitzenbleiber und Abbrecher an Gymnasien gesunken. Schulminister Ulrich Commerçon ( SPD ) hatte sich im Mai gegen eine Rückkehr zu G 9 ausgesprochen, da es die Wahlmöglichkeit schon gebe. Die Piraten sagten, sie wollten G 9 zurück, die Linke will die G 9-Initiative ernstnehmen.

Katja Oltmanns, Sprecherin der Elterninitiative „G 9 jetzt!“, erklärte der SZ: „Keiner der Interessenvertreter und der Politiker hat heute erklären können, worin der Mehrwert von G 8 liegt.“ Nach der erwartbaren Ablehnung der G 9-Initiative im Landtag in der Oktober-Sitzung werde die Initiative 2016 ein Volksbegehren starten und einen Gesetzentwurf formulieren. Dazu werden zunächst erneut 5000 Unterschriften, im nächsten Schritt dann 56 000 benötigt. „Dann haben wir es Ende 2016. Und dann werden wir das Thema G 9 in den Landtagswahlkampf tragen“, kündigte Oltmanns an.

Dabei weiß die Initiative nicht, mit welcher Stoßrichtung das Volksbegehren gestartet werden soll. Eine Entscheidung darüber, ob man eine Rückkehr aller Gymnasien zum Abitur in neun Jahren fordern soll oder eine Wahlmöglichkeit für die Gymnasien selbst, auf G 9 zurückzustellen, werde Anfang 2016 fallen, sagte Oltmanns. Vorher wolle man die Erfahrungen anderer Bundesländer, die bereits G 9 wieder eingeführt haben, vergleichen.


Meinung:

Frieden auf Kosten der Schüler

Von SZ-Redakteur Dietmar Klostermann

Der nach 14 Jahren Turbo-Abi im Saarland gestartete Versuch einer Eltern-Initiative, den Schülern ein Jahr mehr Zeit im Gymnasium zu ermöglichen, darf als gescheitert angesehen werden. Denn es wäre ein Wunder, wenn das Volksbegehren Erfolg hätte, da der Wille der Lobbygruppen und der Landtagsmehrheit lautet: Nur nicht am Schulfrieden rütteln. Doch dies ist ein Frieden auf Kosten der Schüler: Es wird an den Gymnasien unter Hochdruck gepaukt und gebüffelt, nur der Notenschnitt zählt. Soziales Lernen: Fehlanzeige. Wenn 17-Jährige die Unis bevölkern und sich mit 20 Bachelor nennen, ist die Wirtschaft aber auch nicht zufrieden und nörgelt an deren Qualitäten herum. Doch dieser G 8-Kater wird mit Pillen aus Commerçons Reformhaus kuriert. Frei nach dem Motto der SPD im Wahlkampf 2009 „Schluss mit dem G 8-Murks!“ Von murksen spricht jetzt keiner mehr.
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