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Gebühren-Chaos: Saar-Hochschulen bemühen sich um Gleichklang

Saarbrücken. Die Hochschulen im Saarland dürfen ab sofort von ihren Studenten, die die Regelstudienzeit überschritten haben oder ein Zweitstudium aufnehmen, eine Gebühr von höchstens 400 Euro pro Semester kassieren. Das hat die schwarz-gelb-grüne Landesregierung im Hochschulgebührengesetz klar geregelt. Die Hochschulen haben sich nun darauf geeinigt, dass sie eventuelle Gebühren nur gemeinsam einführen wollen. Die Übereinkunft, eine einheitliche Gebührenregelung zu schaffen, sei auch im Sinne der Jamaika-Koalition, sagt Uni-Präsident Volker Linneweber.

Das Gesetz bereitet den Hochschulleitern erhebliches Kopfzerbrechen. Sie fragen sich, ob sie den Schritt „Gebühren einführen“ überhaupt gehen wollen. „Klar ist, es würde Ärger geben“, sagt Wolfgang Cornetz, Rektor der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Er zielt auf die vielen Ausnahmeregelungen, die das Gesetz gerade in Bezug auf Langzeitstudiengebühren zulässt. „Wir müssten jeden Fall einzeln überprüfen, prüfen, wer Gebühren zahlen muss und wer nicht. Das ist unattraktiv.“
Cornetz lehnt beide Gebühren ab. Wenn er durch ein mehrheitliches Votum der vier Leiter dennoch eine Gebühr einführen müsste, würde er die Maut fürs Langzeitstudium vorziehen, auch wenn die Einnahmen an der HTW sehr klein wären. Das Studium sei hier straff reguliert, so der Rektor. Wer länger als vier Semester überziehen würde, könne einen Anteil an den Kosten fürs Studium tragen, meint Cornetz.

Heinz Scherber, Kanzler der Hochschule der Bildenden Künste, spricht sich auch gegen Gebühren aus. „Es kämen bei uns nicht mal fünf Prozent, eher drei Prozent der Studierenden überhaupt für Langzeitstudiengebühren infrage.“ Bei rund 340 immatrikulierten Studenten wären das weniger als 15 Studenten. Da wären die Kosten für den Verwaltungsapparat größer als die zu erwartenden Einnahmen durch Langzeitgebühren. Beim Thema Zweitstudiengebühren läge zwar noch keine formale Entscheidung des Senats vor. Doch ginge dort die Tendenz wohl in die Richtung, die Option Zweitstudiengebühr nicht zu ziehen, sagt Scherber.
Anders sieht es Thomas Duis, Rektor der Hochschule für Musik Saar (HFM). „Meines Erachtens ist die Einführung von Beiträgen zur Teilfinanzierung eines Zweitstudiums sinnvoll.“ Er verspricht sich davon eine Aufwertung des Studienangebots. Ob die HFM von Langzeitgebühren mehr Nutzen als Aufwand habe, wisse er nicht. Es gebe „bislang maximal eine Handvoll Studierende“, die ihre Regelstudienzeit „signifikant“ überschritten hätte.

Professor Linneweber lehnt Langzeitstudiengebühren ab. Auch er fürchtet einen Nachweis-Marathon für die Hochschule und jeden Studenten, der enorme Verwaltungskosten nach sich ziehen würden.

Beim Thema Zweitstudiengebühren sei er „diskussionsbereit“. Kostenpflichtige Aufbaustudiengänge gebe es ja bereits. Endgültig positionieren will er sich aber nicht, da er die Entscheidung des Senats und des Uni-Rats noch abwarten will. Die treffen diese wohl im September. Linneweber gibt „lediglich zu bedenken, dass die Einnahmen durch Zweitstudiengebühren in der bisherigen Form maximal 200.000 Euro pro Jahr bringen“ würden. Den Einnahmen würden Verwaltungskosten in Höhe von 120.000 Euro gegenüberstehen. Die Uni geht davon aus, dass maximal 200 der 15.500 Studenten Gebühren zahlen müssten. 

Die Hochschulleiter wollen sich in den kommenden Wochen entscheiden, wie es mit den Hochschulgebühren weitergehen wird. Gebühren könnten sie erst im Sommersemester 2011 erheben.



„Es trifft immer die Schwachen": Studenten nennen Gründe für ihr Langzeitstudium

Rund 1500 Studenten der Saar-Universität könnten von der Einführung der Langzeitstudiengebühren betroffen sein. Die SZ-Hochschulredaktion wollte von einigen wissen, warum sie ihre Regelstudienzeit um mindestens vier Semester überschritten haben. Beispielsweise von Fabio Angulo Contreras. Er studiert im 14. Semester Deutsch und Spanisch für Lehramt am Gymnasium. Um sein Studium zu finanzieren, arbeitet er ungefähr 20 Stunden die Woche. Deshalb konnte er weniger Veranstaltungen als vorgesehen belegen, weniger Scheine machen und braucht deshalb länger für den Hochschulabschluss. „Es trifft immer die Schwachen, die die sowieso wenig Geld haben“, lehnt er mögliche Langzeitstudiengebühren ab.

Auch Sandra Schopper (18. Semester) spricht sich gegen die Uni-Maut aus. Sie hat die hohe Semesterzahl zusammenbekommen, weil sei ihren Studiengang gewechselt hatte und ihr Studium selbst fianzieren musste. Hinzu kämen familiäre Probleme. „Der Tod eines Menschen oder eine Trennung können einen ein paar Wochen aus der Bahn werfen“, gibt sie zu bedenken.

„Manchmal hatte ich drei Jobs gleichzeitig, um mein Studium zu finanzieren“, begründet Jan Mertens (13. Semester) die hohe Semesterzahl. Hinzu kämen freiwilliges Engagement in verschiedenen Gremien der Uni. „Außerdem habe ich noch Praktika gemacht und freiwillig ein Semester BWL-Vorlesungen besucht“, sagt Mertens.

Ramona Servatius (12. Semester) hat trotz Nebenjob lediglich 400 Euro zur Verfügung. Deshalb seien Langzeitstudiengebühren für sie nicht bezahlbar. Doch bis zum Abschluss brauche sie noch mindestens zwei Jahre. Sie klagt, dass sie einige Seminare wegen zu großer Nachfrage nicht belegen konnte.
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