A6 Metz/Saarbrücken Richtung Kaiserslautern AS Rohrbach Bauarbeiten, Ausfahrt gesperrt, Einfahrt gesperrt bis 16.10.2017 06:00 Uhr (18.09.2017, 06:59)

A6

Priorität: Dringend

13°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
13°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Gedenken an Opfer des Unglücks von Luisenthal

Völklingen. Jedes Jahr am 7. Februar gedenken die Mitglieder des Bergmannsvereins „Glück auf“ Luisenthal öffentlich ihrer 299 Kameraden, die 1962 beim schwersten Grubenunglück in der Geschichte des Saarlandes ihr Leben verloren. Zuletzt, an den „ungeraden Gedenktagen“, kamen 100 bis 200 Besucher, Tendenz allenfalls gleichbleibend. So viel Anteilnahme wie am gestrigen Morgen gab es allerdings nie zuvor bei dieser Gedenkveranstaltung. Etwa 1000 Menschen, so die Schätzung der Polizei und des Veranstalters, strömten bei Temperaturen unter minus zehn Grad in den Völklinger Stadtteil, um den 50. Jahrestag der Katastrophe zu begehen. Unter den Gästen waren die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer, Landtagspräsident Hans Ley, die Minister Peter Jacoby und Andreas Storm, der SPD-Landesvorsitzende Heiko Maas, zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens, Abordnungen von annähernd 60 Bergmannsvereinen aus der gesamten Region Saar-Lor-Lux und dem Ruhrgebiet sowie nicht zuletzt Überlebende, Retter und Angehörige der Opfer.

Die Kraft zum Weitermachen

Die katholische Pfarrkirche Christ König konnte beim ökumenischen Gottesdienst um kurz nach 9 Uhr nicht einmal die Hälfte der angereisten Gäste fassen, und auch das daneben aufgebaute Zelt, in welches die Trauerfeier mittels einer Videoanlage übertragen wurde, war so klein bemessen, dass selbst Honoratioren eingepfercht saßen. So kam es, dass nicht alle dorthin gelangten, wo sie ihren angemessenen Platz sahen. So etwa der überlebende Völklinger Klaus Krämer, 76, der in der Minute des Unglücks als Lokführer unter Tage war und mithalf, die ersten Toten zu bergen. Er zeigte sich enttäuscht, dass er keinen Platz im Gotteshaus fand und dass man seinesgleichen nicht respektvoller behandelte. Wie gut hatten es da die vielen Saarländer, die ob der Kälte daheimblieben und die Ansprachen lieber gleich am Radiogerät in der warmen Stube verfolgten.

„Gott, wo bist du?“ – der Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters, geboren im Nachbarort Altenkessel, rückte das Ringen mit der Frage, warum ein als gütig geschätzter Gott solch ein Unglück überhaupt zulassen konnte, in den Mittelpunkt seiner Predigt. Das war ja gerade die eine Frage, die im Februar 1962 vor allem 222 Witwen und 366 Halbwaisen am heftigsten bewegt hatte. Wie sollten sie den Verlust ihrer Männer und Väter aushalten, ohne vom Glauben abzufallen? Superintendent Christian Weyer tröstete mit der Erinnerung an den geduldigen „Propheten des Glaubens“ Habakuk: Gottes Erscheinen könne herrlich sein, aber auch die Erde erbeben lassen. Wo dieser Gott am 7. Februar 1962 war, das entziehe sich der Logik, tröstete Weyer. Das müsse man aushalten und glauben statt begreifen wollen – „in allem Unheil ist Gott an unserer Seite“, so der Superintendent.

Saar-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer sprach von der „besonderen DNA“ (Erbgut) der Saarländer. Das Land habe die vielen persönlichen Luisenthaler Leidensgeschichten als Unglück der Gemeinschaft begriffen, sei darüber aber nicht in Trauer gestürzt, sondern habe Kraft fürs Weitermachen geschöpft.

Trauerzug mit Fahnen

Peter Schrimpf, Mitglied des Vorstands im Bergbau-Konzern RAG, erinnerte daran, dass das Grubenunglück von Luisenthal die letzte große Katastrophe im gesamten deutschen Steinkohlebergbau gewesen sei. Danach seien die Sicherheitsmaßnahmen überall massiv verstärkt worden, so dass „Luisenthal 1962“ den Weg in einen modernen, sicheren Steinkohlebergbau geebnet habe. Die Katastrophe habe auch gezeigt, wie viel Kameradschaft und Solidarität eine ganze Region aufbringen könne. Der Völklinger Oberbürgermeister Klaus Lorig wünschte sich, dass weder die Opfer noch das Erbe des Bergbaus und seine Bedeutung für den Wohlstand des Landes in Vergessenheit geraten. Er rief Zeitzeugen und Autoren auf, alles niederzuschreiben, um die Erinnerung wach zu halten.

Im Anschluss an den Gottesdienst bewegte sich der Trauerzug, angeführt von Bergmännern mit den Fahnen der Vereine, auf der vorübergehend gesperrten Bundesstraße 51 zum 400 Meter entfernten Barbara- Denkmal. Dort wurden zahlreiche Kränze niedergelegt.
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein