L108 Sankt Ingbert Richtung Fechingen Zwischen Einmündung Sengscheid und Einmündung Flughafen Saarbrücken Gefahr durch ungesicherte Unfallstelle, Gefahr durch Personen auf der Fahrbahn (19:40)

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Gefahr für Kröten und Frösche - NABU hilft

Quierschied. „Haben Sie gerade gesehen, wie schnell das Auto an uns vorbeigerast ist?“ Eva Rabanus Augen funkeln vor Wut, ihre rechte Hand umklammert fest den Henkel eines Eimers – im Moment wohl der sicherste Aufenthaltsort für Frösche, Kröten und Lurche, die Eva liebevoll „Schleimis“ getauft hat. „So was regt mich auf“, klagt die 50-jährige Helferin des Naturschutzbundes (Nabu). Zum vierten Mal hilft sie nun den „Hüpfern“ über die Straße, dennoch ist jeder Tod für Eva eine Tragödie. „Die sind so zart und klein, schon der Fahrwind kann so einem Frosch das Leben kosten.“



Schon Fahrtwind kann feingliedrige Amphibien töten

Bereits bei einer Geschwindigkeit von 70 Stundenkilometern entsteht durch die Autoräder im Umkreis von zwei Metern genug Fahrtwind, um die sensiblen Organe der feingliedrigen Amphibien im Radius zu verletzen, im schlimmsten Falle sogar zu töten. Motivation genug, um jeden Tag zwei Mal Frösche einsammeln beziehungsweise retten zu gehen: Morgens, in der Dämmerung, und abends um 20.30 Uhr laufen dann zwei Mitglieder der insgesamt elfköpfigen Nabu-Gruppe eine etwa drei Kilometer lange Strecke an der L 127 in Richtung Rußhütte ab. Mit Taschenlampe und Gummistiefeln ausgerüstet, kämpfen sie sich durch die engen, rutschigen und von Brombeersträuchern zugewucherten Pfade entlang der Fangzäune, die links und rechts der Fahrbahn aufgestellt sind. Die Zäune werden vom Saarforst Landesbetrieb aufgebaut. Die Sammelaktion dauert ihre Zeit. Drei bis vier Stunden muss die studierte Bio-Geographin Eva einplanen, um die Strecke abzulaufen.


Tiere wollen in Fischbach oder Tümpel laichen

Warum müssen die Tiere überhaupt auf die andere Straßenseite? „Eigentlich müssten sie das ja gar nicht. Es waren wir, die Menschen, die ihre uralten Wanderwege durch den Straßenbau gekreuzt haben“, sagt Eva. „Jetzt kommen sie aus dem Wald und überqueren die Straße, um auf der anderen Seite den Fischbach aufzusuchen. Oder einen Tümpel. Hauptsache es ist feucht und moosig. Dort laichen sie dann ab und kehren wieder zurück.“ In der Ferne leuchtet eine Taschenlampe auf. Auch Wega Kling, pensionierte Nabu-Vorsitzende, hat sich an diesem Abend aufgemacht, den Fröschen zu helfen. Die 76-jährige Wega Kling ist ein echter Profi, was Krötenwanderungen angeht. Seit 20 Jahren ist sie schon beim Nabu dabei und läuft diese Strecke seit zwölf Jahren ab. „Ich würde mir mehr junge Mitglieder wünschen“, sagt Wega. „Vor Kurzem erst musste ein Paar aufgrund seines Alters aufhören.“ Die Arbeit hier, sie sei anstrengend und gehe einem in die Knie.

Hintergrund

Um das Überleben der leicht abnehmenden Populationen von Kröten, Fröschen, Salamandern und Lurchen zu sichern, fordert der Nabu ein Nachtfahrverbot auf der Straße am Netzbachweiher: im März und April von 20 Uhr abends bis 8 Uhr morgens. Umweltministerium und Verkehrsbehörde haben diesen Plänen bislang nicht zugestimmt, aber der Naturschutzbund zeigt sich zuversichtlich. red

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