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Gegen Altersarmut: Saarbrücker Uwe Hein im Hungerstreik

Der Magen schmerzt. Aber noch viel mehr tue weh, sagt Uwe Hein, dass sich niemand wirklich dafür interessiert, warum das so ist. Uwe Hein ist 57 Jahre alt, bezieht, wie er erklärt, eine Erwerbsminderungsrente, die früher mal Erwerbsunfähigkeitsrente hieß. Knapp 800 Euro hat er im Monat zur Verfügung. Das sei zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben. Wobei er schon manchmal denke, dass es für die Behörden, denen er seit Jahren auf den Wecker geht, das Einfachste wäre, wenn er endlich sterben würde.

In den Streitereien Heins mit diversen Ämtern geht es unter anderem darum, dass seine kleine Wohnung am Rand von Fechingen immer noch zu groß ist, als dass er einen Zuschuss oder Grundsicherung, also das, was früher mal Sozialhilfe hieß, bekommen könnte.

Aber darum gehe es ihm nicht mehr, sagt Uwe Hein. Zwischen Weihnachten und Neujahr habe er kaum etwas gegessen, weil – wie oft am Monatsende – das Geld alle war. Nun ernähre er sich seit Sonntagabend nur von Wasser und Früchtetee, weil er will, dass der Landtag sich endlich ernsthaft und in einer großen öffentlichen Diskussion mit dem „armseligen Leben“ beschäftigen soll, dass viele Rentnerinnen und Rentner führen. Deshalb hat er an CDU , SPD und die Linke geschrieben und mitgeteilt, dass er im Hungerstreik sei.

Bei den Linken renne Hein offene Türen ein, sagt die Pressesprecherin von deren Landtagsfraktion, Claudia Kohde-Kilsch . Die Rentenformel müsse geändert werden. Die Rente mit 67 sei der falsche Weg. Der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde sei zu niedrig, um zu erreichen, dass Menschen am Ende genug Rente zustehe. Und dass man die volle Rente nur mit 45 Beitragsjahren bekomme, sei auch albern. „45 Jahre, das schafft doch kaum jemand“, sagt Kohde-Kilsch.

CDU und SPD sagen: Die Nachricht, die Hein geschickt hat, wird an den Petitionsausschuss weitergeleitet. „Ach, der Petitionsausschuss“, winkt Hein ab. An den habe er auch schon geschrieben. Hilfe gab es keine. Es helfe auch nicht, einen Armutsbericht vorzulegen oder armen Menschen zu raten, am Heiligabend zur Feier der Kirchen für Bedürftige ins E-Werk nach Burbach zu gehen. Das löse doch die Probleme nicht. Es sei genug Geld da, die Politik müsse sich nur endlich ernsthaft darüber unterhalten, was man damit macht. Wenn der Landtag das nicht tue, dann bleibe es dabei: „Ich esse nix. Auch wenn es wehtut.“

 

Meinung:
 

Die Würde des Menschen…

Von Martin Rolshausen

Ein armer Mensch hungert, sein Magen schmerzt. Es ist schwer zu ertragen, was sich da gerade in einer Wohnung in Fechingen abspielt. Vor allem deshalb, weil eigentlich andere heftige Magenkrämpfe haben müssten – jeden Tag, so lange, bis sie ein Problem gelöst haben, das Problem vieler alter Menschen, die ihren Lebensabend in Armut verbringen. Und das Problem vieler junger Menschen, die nach jetziger Gesetzeslage sehenden Auges in die Altersarmut geschickt werden.

Die Armut , in der in Deutschland nicht nur alte Menschen leben, sondern auch nicht wenige Kinder, müsste denen, die im Staat Verantwortung tragen, doch so schwer im Magen liegen und auf der Seele lasten, dass sie nicht ruhen, bis sie das Geld zusammenhaben, dass die, die in der Armut gefangen sind, befreit, und denen, die auf sie zusteuern, doch noch eine würdige Altersversorgung sichert.

Würde – das ist der Begriff, den unsere Verfassung, das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland ganz an den Anfang stellt. Würde, das ist das Wichtigste. Mit der Würde beginnt unser Grundgesetz in Artikel eins: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

Was kann also wichtiger sein für die Politik, als für die Verbesserung des Lebens der Menschen zu arbeiten, die krank werden durch Armut , die durch Armut an den Rand der Gesellschaft gedrängt sind? Was kann wichtiger sein, als Menschen die Würde zurückzugeben?

 

Zum Thema:

Altersarmut ist ein Thema, das in Politik und Gesellschaft durchaus bekannt ist: In seiner Rede zum Haushalt des Regionalverbands teilt zum Beispiel Regionalverbandsdirektor Peter Gillo ( SPD ) Mitte Dezember mit: „Bei einem derzeitigen Netto-Zuwachs von über 20 Personen monatlich seit Beginn des Jahres, werden Ende 2015 über 6.100 Personen Grundsicherungsleistungen beziehen.“ „Wir steuern eindeutig auf eine steigende Altersarmut zu“, sagte der Saarbrücker Creditreform-Chef Carsten Uthoff Mitte November vergangenen Jahres. Diese Prognose stützte er auf Zahlen seines Unternehmens: 96 036 Menschen im Saarland konnten 2015 ihre Schulden nicht mehr tilgen, waren also überschuldet. Einen Monat zuvor hat die saarländische Sozialministerin Monika Bachmann ( CDU ) bei der Vorstellung ihres „Armuts- und Reichtumsberichts“ festgestellt, dass das Armutsrisiko im Saarland in den vergangenen drei Jahren leicht gestiegen ist. Von Armut betroffen seien vor allem Erwerbslose und Alleinerziehende. Fast jeder sechste Saarländer sei von Armut bedroht.Im Februar 2015 kam eine Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands zu dem Ergebnis, dass es in Deutschland 12,5 Millionen Arme gibt. Dem Bericht zufolge hat die Armut am stärksten in Hamburg, Bremen und im Saarland zugenommen. Der Verband warnte zudem vor einer „rasant steigenden“ Altersarmut . ols
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