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Gehört die Stadt bald den Alten?

„Neue Lebensqualität“ – das ist das erklärte Ziel der großen Saarbrücker Stadtentwicklungsprojekte wie der „Stadtmitte am Fluss“ oder der „Grünen Insel Kirchberg“. Dabei geht es darum, den öffentlichen Raum so umzugestalten, dass er ein lebendiges und attraktives Lebensumfeld ist. Doch wie das umsetzen angesichts der klammen Kassen? Und wie können Saarbrücker da mitgestalten?

Diese Fragen wurden an diesem Abend mit Experten in einer sogenannten Fishbowl(Goldfischglas)-Diskussion besprochen, bei der Experten in der Mitte sitzen und die Zuschauer drumherum. Wer etwas zu einem Thema fragen oder sagen will, kommt einfach in die Mitte und setzt sich dazu. Als Experten waren Stefan Ochs, Professor für Architektur und Bauingenieurwesen an der Hochschule für Technik und Wissenschaft (HTW) geladen, Sven Uhrhan, Leiter der Regionalentwicklung und Planung des Regionalverbands Saarbrücken und Professor Kai Tobias von der Technischen Universität Kaiserslautern (Freiraumentwicklung).

Die Stadt von morgen wird nach Meinung der Experten vor allem auch ein Spannungsfeld zwischen Alt und Jung sein. Der demografische Wandel führe dazu, dass viele ältere Menschen die Stadt für sich entdecken. „Der Rollator wird zum Mobilitätstool der Zukunft“, so lautet die überspitzte These des Architekturprofessors Stefan Ochs. Viele Menschen, die jetzt in den Vororten der Stadt, in großen Häusern leben, wollen näher am kulturellen Leben der Stadt sein und ihre Häuser für eine Wohnung in der Stadt eintauschen. Dafür müsse natürlich die Infrastruktur angepasst werden, wie zum Beispiel die Barrierefreiheit gesichert sein. Sven Uhrhan aus dem Bereich Regionalentwicklung warf dazu ein, dass aber oft verschiedene Ansprüche an Wohnviertel gestellt würden, wie zum Beispiel im Nauwieser Viertel: Hier gäbe es bereits ein Spannungsfeld zwischen Ereignisraum und Erholungs- und Ruheraum.

Die Experten fordern daher besonders von jungen Menschen und Familien, sich in die Stadtentwicklung einzumischen: „Wir sind eine weichgespülte Generation. Wir sind es nicht mehr gewohnt, für unsere Rechte und Bedürfnisse zu streiten“, sagt Uhrhan. Das bestätigte auch die Leiterin des Stadtplanungsamtes Monika Kunz: „Es fehlt die Beteiligung der jungen Generation. Für den Verkehrsentwicklungsplan finden wir zum Beispiel keine jungen Menschen“. Diese Pauschalkritik wollten sich einige Gäste nicht gefallen lassen. Ein Gast warf ein, dass junge Menschen sehr wohl Stadtentwicklung betreiben würden, wie zum Beispiel im Ostviertel. Oder beim Urban Gardening oder den sogenannten Zwischennutzungsräumen, bei denen Leerstände bespielt werden, bis neue Mieter da seien.

Eine Besucherin berichtet, dass ihr Sohn in der Schweiz in alternativen Wohnkonzepten glücklich lebt, bei der es zwar private Räume gäbe, aber Gärten und Gemeinschaftsräume von Vielen genutzt würden. Das klassische Einfamilienhaus erfülle immer weniger die Bedürfnisse einer mobilen und grenzenlosen Jugend, bestätigt Stefan Ochs. Die demografische Realität sei gerade im ländlichen Raum nicht mehr in Einklang mit den wirtschaftlichen Vorstellungen der Anbieter. Die Grundstückspreise seien dort zu hoch. Junge Familien könnten sich kaum Wohnraum weder in der Stadt und noch in den Kommunen leisten.

Die bundesweite Diskussionsreihe „Wissenschaft kontrovers“ stellt aktuelle Fragen zum Leben in der Stadt von morgen. Bürger diskutieren auf Augenhöhe mit den Experten und geben ihr Feedback direkt an die Forschung weiter.
 
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