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Geitschirmfliegen in Ensdorf: Vom Warten auf den richtigen Wind

Saarlouis-Ensdorf. Ohne Motor, aber auch kein Fallschirm. Mehr Schweben als Fliegen. Entspannung statt Geschwindigkeit. Gleitschirmfliegen ist ein ruhiger, aber konzentrierter Sport.

Die Bergehalde ist als Flugplatz seit 2005 offiziell zugelassen, etwa 20 Gleitschirm-Fans aus der näheren und weiteren Umgebung heben hier regelmäßig ab. Sie nennen sich selbst "Die Haldenflieger". Sie kommen aus der näheren und weiteren Umgebung, aus Überherrn, St. Avold, Losheim, Riegelsberg. Der Vorteil: Dass es "nur ein paar Minuten zum Startplatz" sind, sagt Stefan Neuhäuser aus Berus. "So kann man auch mal spontan nach Feierabend abheben, wenn das Wetter stimmt."

Überhaupt, das Wetter: Die Flieger bezeichnen ihren Sport auch gerne mal als "Para-Waiting" statt "Para-Gliding": Denn man verbringt viel Zeit mit Warten statt mit Fliegen. Oft geht man auch umsonst auf den Berg. "Die Angler warten auf die Fische, wir warten auf den richtigen Wind", witzelt Horst Hert aus Ensdorf.

Voraussetzung für das Fliegen eines Gleitschirms ist eine Flug-Haftpflichtversicherung und der beschränkte Luftfahrtschein. Zu dessen Inhalten gehören Gebiete wie Meterologie, Technik, Gerätekunde, Aerodynamik oder Luftrecht. Die Flug-Ausbildung kostet etwa 1000 Euro, eine komplette Ausrüstung mit Schirm, Rettungsfallschirm und Sitz rund 3500 Euro.

Körperlich gibt es keine Voraussetzungen. Das Fliegen selbst ist ohne hohen Kraftaufwand möglich, gelenkt wird mit zwei Steuerleinen. Sogar Rollstuhlfahrer können Gleitschirm fliegen, wird berichtet.  Fit sollte man wohl sein, wobei Flugprofi Hert Fitness so definiert: "Wer es packt, seine Ausrüstung den Berg hochzuschleppen, der kann auch fliegen."

Im Saarland gibt es für Gleitschirmflieger nur zwei Möglichkeiten, abzuheben: Die Bergehalde mit Südhang und der Losheimer Galgenberg mit Nordhang. Zwei Vereine sind hier aktiv, die Gleitschirmfreunde Hochwald und die Drachenflieger-Club Trier (DFC).

Ein beliebter Startplatz liegt bei Volmerange an der luxemburgisch-französischen Grenze. Als "Eldorado für Gleitschirmflieger" bezeichnet Hert die Hänge entlang der Mosel: "Ein fantastisches Fluggelände!" Beliebtetes Fluggebiet sind natürlich die Alpen.

Gleitschirmfliegen ist eine noch recht junge Sportart. Ausgehend von Frankreich verbreitete sich der Freizeittrend seit etwa 25 Jahren in Europa. Dort wird der Sport auch lockerer gehandhabt: "In Deutschland darf nur von zugelassenen Plätzen aus geflogen werden. In Frankreich überall dort, wo es nicht ausdrücklich verboten ist", fasst es Michael Andre aus Hülzweiler augenzwinkernd zusammen. "Aber es ist ein leiser Sport und er ist umweltfreundlich."

Soaring nennt man das Fliegen an der windzugewandten Hangseite. Dabei darf der Wind nicht zu stark wehen, zwischen 15 und 25 Stundenkilometer sind ideal. "Wie lange man oben bleibt, hängt von der Wetterlage ab", erläuert Hert. "Die Temperatur ist im Prinzip egal." Entscheidend ist die Thermik, also die aufsteigende Luft durch die Sonneneinstrahlung und die Erwärmung des Erdbodens. In einer als Schlauch oder Blase bezeichneten Luftmasse soaren dann die Gleitschirme.  Letztendlich gibt es hier etwa fünfzig bis sechzig gute Flug-Tage im Jahr.

"Es ist ein wunderbarer Sport, wenn er richtig betrieben wird", beschreibt Neuhäuser diesen Traum vom Fliegen - oder eher vom Schweben. "Eine Mischung aus Adrenalin und Dankbarkeit bringt es auf den Punkt."

Die Starthöhe liegt auf der Ensdorfer Bergehalde bei 330 Metern über Normalnull, das bedeutet hier 130 Meter Höhendifferenz zwischen Start- und Landepunkt. Der Landeplatz, eine Wiese am Fuß des Hanges, ist sehr anspruchsvoll, gesäumt von Laternenmasten, zwei Straßen und etlichen Bäumen, und damit nicht unbedingt geeignet für ungeübte Flieger. "Abachtern" nennt man das Landen, sehr bildlich gesprochen.

Je weiter man vom Hang wegfliegt, desto eher sinkt man ab, weil der Auftrieb geringer ist.

Das Risiko sei ähnlich hoch wie beim Motorrad fahren, sagen die Flieger - nur dass in der Luft eine weniger hohe Verkehrsdichte herrscht. Aber auch in der Luft gibt es eine Verkehrsordnung: Ein motorisierter Flieger muss einem nicht-motorisiertem ausweichen, lautet eine wichtige Regel. Eine andere, dass nach rechts ausgewichen wird.

"Nicht selten fliegen wir in einer Höhe von 1000 bis 1800 Metern über dem Startplatz", schildert Hert. Ab etwa 3500 Metern Höhe wird es gefährlich - der so genannte Höhenrausch kann auch erfahrene Flieger ereilen. Die größte Gefahr sei immer die Selbstüberschätzung. "Fliegen ist halt ein Extremsport", sagt Stefan Neuhäuser. "Man sollte den Respekt davor nie verlieren."

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