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Gemeinsam neues Lebensgefühl entdecken: Anonyme Alkoholiker bei Aktionstag

Nicht nur mit Hochprozentigem wie Schnaps haben Alkoholsüchtige zu kämpfen. Auch leicht alkoholische Getränke wie beispielsweise Bier macht ihnen zu schaffen.                            Foto: Matthias Zimmermann

Nicht nur mit Hochprozentigem wie Schnaps haben Alkoholsüchtige zu kämpfen. Auch leicht alkoholische Getränke wie beispielsweise Bier macht ihnen zu schaffen. Foto: Matthias Zimmermann

Selbsthilfegruppen gibt es viele. Doch keine davon ist so bekannt und medial präsent wie die Anonymen Alkoholiker . Seit der Gründung 1953 in Akron, im amerikanischen Bundesstaat Ohio, wird das Engagement der Gruppe in Berichten, Filmen, Serien und Büchern thematisiert.

 

Auch in St. Wendel trifft sich jeden Donnerstag, jeweils um 19.30 Uhr, eine Gruppe der Anonymen Alkoholiker . Im Unternehmer- und Technologiezentrum (UTZ), Raum 2.13, kommen Menschen jeden Alters und Geschlechts zusammen, um über ihr gemeinsames Problem zu sprechen: den Alkoholismus. Wer möchte, kann daran teilnehmen, zuhören, erste Eindrücke sammeln. Man begegnet in St. Wendel überwiegend positiv gestimmten Menschen, die einander aufmerksam zuhören und füreinander da sind. „Es geht mir sehr gut“, beginnt Bernd (Name geändert, Anmerkung der Redaktion) seine Ausführungen, während Alexander stolz von seinem Sohn erzählt und Silke berichtet, dass sie das gute Gefühl hat, auf relativ festem Grund zu stehen.

 

Auch Probleme werden bei den Treffen angesprochen, denn die Abhängigkeit von der Alltagsdroge belastet nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch ihre Familie und Freunde. „Jeder darf bei uns über das sprechen, was ihn bewegt“, erklärt Gruppenleiter Bernd. „Auch vermeintlich kleine Probleme werden respektiert und finden Beachtung.“ Regeln, worüber man sprechen soll und worüber nicht, gibt es nicht. „Die einzige Regel, die wir haben, ist die Anonymität“, so Bernd. Das verdeutlicht auch ein Aufsteller auf dem Tisch. Darauf ist zu lesen: „Wen Du hier siehst, was du hier hörst, wenn du gehst – bitte, lass es hier!“ „Das ist wichtig. Zum einen, damit wir selbst geschützt sind, zum anderen, damit wir unser Ego ausbremsen können.“

 

Das erklärte Ziel der Anonymen Alkoholiker ist es, den Teilnehmern durch die Treffen Kraft, Hoffnung und Selbstverantwortung für die Genesung zu geben. Direkte Ratschläge erfolgen nicht. „Wir zeigen nur Lösungswege auf. Was die Leute damit anfangen, ist ihre Sache“, erklärt Bernd. Am Ende, so hofft er, lassen die Teilnehmer nicht einfach nur den Alkohol weg, sondern haben ein neues Lebensgefühl entdeckt. „Nichts mehr trinken ist die eine Sache, aber auch geistig trocken zu sein, ist die andere“, beschreibt es Stefan. Aus diesem Grund gibt es neben den Treffen auch Veranstaltungen. Der Gruppenleiter berichtet von Wanderungen oder dem alljährlichen Ländertreffen, bei dem drei Tage lang Menschen aus ganz Deutschland zusammenkommen. „Außerdem haben wir eine Telefonliste, so dass die Mitglieder sich auch anrufen können, wenn sie mal Hilfe brauchen.“

 

Neue Mitglieder sind der Gruppe in St. Wendel immer willkommen. „Wir sind froh über jeden, der seinen Weg zu uns findet“, sagt Bernd. Wer es möchte, kann einfach bei einem Treffen vorbeikommen. Erste Informationen gibt es auch beim Selbsthilfetag am Samstag, 3. September, auf dem Schlossplatz in St. Wendel . Auch dort werden die Anonymen Alkoholiker vertreten sein. Alkoholmissbrauch ist nicht nur eine Last, die Unannehmlichkeiten für den Betroffenen und seine Umgebung mit sich bringt. Er kann auch schwere Erkrankungen hervorrufen, die unter Umständen sogar zum Tod führen. Entsprechende statistische Erhebungen der saarländischen Landesregierung untermauern dies mit Fakten.

 

So starben 2013 im Saarland 167 Menschen an den Folgen übermäßigen Alkoholkonsums. Dies geht aus einer Antwort auf eine Anfrage der Piraten im Saarbrücker Landtag hervor (Stand: 2015).

 

Neben den Todesfällen sind auch einige Krankheiten benannt. An erster Stelle: Leberkrankheiten, die auf Alkoholkonsum zurückzuführen sind. Laut Statistik zählten Ärzte 93 derartige Fälle. Weit abgeschlagen rangieren auf dem zweiten Platz psychische und Verhaltensstörungen mit 62 Fällen. Patienten mit Alkoholvergiftungen zählten Mediziner gerade mal sechs binnen zwölf Monaten.

 

bit.ly/2bGY2nG

 

 

Zum Thema:

 

Auf einen Blick Im Zwei-Jahres-Rhythmus veranstaltet der Landkreis St. Wendel den Selbsthilfetag. So auch am Samstag, 3. September, 10 bis 15 Uhr. Unter dem Motto „In der Selbsthilfegruppe Lebensfreude teilen“ präsentieren sich 20 Gruppen aus der Region auf dem St. Wendeler Schlossplatz. Neben Informationen gibt's auch Mitmachangebote wie Bewegungsspiele, einen Sinnesparcours oder einen Stimmungstest. Wie ein Betrunkener seine Umgebung wahrnimmt, soll die Rauschbrille simulieren. red
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