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Gen-Wein: Streit im Elsass spitzt sich zu

Weil auf einem Versuchsgelände genmanipulierte Weinstöcke gezogen werden, sind Aktivisten in die Anlage eingedrungen und haben Pflanzen zerstört. Die französische Regierung will aber an dem Versuch festhalten.
  
Colmar.
Der Streit um einen Freilandversuch mit genmanipulierten Rebstöcken spitzt sich im Elsass zu. Am frühen Morgen des 15. August haben 61 Aktivisten trotz Überwachung mit Videokamera und hoher Umzäunung ein Versuchsfeld mit genmanipulierten Weinstöcken zerstört und die Pflanzen aus dem Boden gerissen. Nun reisten Forschungsministerin Valérie Pécresse und Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire an, um den Willen der Regierung zu unterstreichen, dass dieser Versuch auf den Feldern des Nationalen Instituts für Landwirtschaftliche Forschung (INRA) in Colmar mit allen Mitteln fortgeführt werden soll. Für weiteren Ärger ist also gesorgt.
Bei der ganzen aufgeregt geführten Debatte geht es um die Erlaubnis aus Paris, in Colmar auf einer Versuchsfläche des INRA-Geländes, nicht im Weinberg, genmanipulierte Reben zu testen, die gegen einen Fadenwurm namens „Xiphinema Index“ resistent sein sollen. Der Befall mit diesem Schädling führt zunächst zu Verknotungen in den Blättern, später stirbt der Weinstock ab. Bisher gibt es eigentlich kein Mittel gegen den Fadenwurm, durch dessen Befall die Erträge der Rebstöcke erheblich reduziert werden. Lediglich der Bio-Weinbau bietet ein Radikal-Rezept an: Aus dem betroffenen Weinfeld die Rebstöcke zu entfernen und die Fläche für mehrere Jahre mit dem Anbau anderer Feldfrüchte zu nutzen. Dann sterbe der Fadenwurm ab – und der Weinbau könne weitergeführt werden.
Allerdings ist der Versuch mit den genmanipulierten Rebstöcken, der bereits im Jahr 2003 beginnen sollte und bisher immer wieder die Anti-Gen-Aktivisten auf den Plan gerufen hat, auch bei den Winzern selbst umstritten. So sagte ein Winzer aus Ammerschwihr, in der besten Weinbaugegend des Elsass, im Mai, als der Versuch endlich in das Stadium der wissenschaftlichen Beobachtung treten sollte: „Ich denke nicht, dass die Genmanipulation die Lösung für den Weinbau ist. Niemand will sie, kein Weinliebhaber und kein Winzer.“ Und wenn man nun, so hieß es weiter, mit einer genmanipulierten Pflanze den Befall von Fadenwürmern ausschließe, sei dieser Rebstock ja noch lange nicht gegen andere Schädlinge resistent. Insofern befürchte er, so der Winzer, „dass dieses Experiment eher ein Vorurteil gegen die elsässischen Weine schüren könnte“, die doch in den letzten 20 Jahren erheblich an Qualität gewonnen hätten.
Edwin Schrank, der rheinland-pfälzische Winzerpräsident, konnte der Idee, gegen Fadenwürmer resistente Rebstöcke zu ziehen, im Gespräch mit unserer Zeitung eigentlich nur positive Aspekte abgewinnen. Er sagte: „Ich sehe hier Parallelen zum Befall mit der Reblaus, die vor 150 Jahren zu schweren Ausfällen im Weinbau führte. Damals hat man sich mit der amerikanischen Wildrebe geholfen, die gegen die Reblaus resistent ist, und auf dieser Unterlage unsere bekannten Rebsorten gezüchtet.“ Wenn man mit den Gen-Rebstöcken ähnlich vorginge, sie also praktisch nur als Wurzelstock benutzen würde, könnten diese Pflanzen ja nicht blühen und auch keine Frucht bringen. Insofern wäre auch keine genmanipulierte Auswilderung möglich, meinte Winzerpräsident Schrank.

 


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