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General Electric schließt Werk Bexbach zum Jahresende

Der Eingang des Werks von General Electric in Mannheim (Baden-Württemberg). Die Niederlassung in Bexbach soll geschlossen werden.

Der Eingang des Werks von General Electric in Mannheim (Baden-Württemberg). Die Niederlassung in Bexbach soll geschlossen werden.

Fassungsloses Entsetzen spiegelt sich in den Gesichtern der Mitarbeiter des Bexbacher Werks von General Electric. Viele blicken ins Leere, andere kämpfen gegen Tränen, einer macht seinem Frust laut Luft: „Was soll ich sagen? Ich habe gerade meine Arbeit verloren. Nach 30 Jahren. Ich könnte durchdrehen.“ Kollegen versuchen ihn zu beruhigen. Zuvor hat die Werksleitung auf einer Betriebsversammlung den endgültigen Schließungsbeschluss zum Jahresende verkündet. Dies trotz eines über einjährigen erbitterten Kampfes der Belegschaft um ihre Arbeitsplätze inklusive Vorschlägen, wie man das Werk mit neuen Produkten auf dem Markt für Flugzeugturbinen positionieren könnte. Vorschläge, die bis zur Landesregierung und sogar Sigmar Gabriel in Berlin gelangten. Vergebens.

Als die Werkleitung den Standort verlässt, wird sie mit lauten Rufen „heim zu Mama“ geschickt. Nichts habe sie getan, nichts unternommen, um die Produktion von Turbinenschaufeln für die Kraftwerkswirtschaft zu retten. Thomas Mayer, der hier seit 38 Jahren als Systembetreiber arbeitet, fällt ein vernichtendes Urteil: „So verarscht und belogen wurden wir noch nie.“ Rund 85 Prozent der Belegschaft, die jetzt noch da ist, arbeite schon sehr lange hier, teilweise über mehrere Jahrzehnte hinweg. „Wo will man mit 53 oder 55 Jahren noch einen Arbeitsplatz finden?“, gibt Mayer zu bedenken.

Offensichtlich hat es das Management eilig mit der Schließung. Wer sofort geht, bekommt eine Abfindung, andere können in eine Transfergesellschaft wechseln, die mit einer Weiterqualifizierung die Übergangschancen in einen anderen Betrieb verbessern soll. Wer keines der beiden Angebote annimmt, muss noch im laufenden Quartal mit einer betriebsbedingten Kündigung rechnen.

Betriebsratschef Kai Müller weiß seit dem 4. Januar 2016 vom Schließungsbeschluss, denn er gehört auch dem europäischen Betriebsrat von General Electric an. Über 100 Sitzungen mit dem Management habe es seitdem gegeben inklusive massiver Erpressungsversuche, auch auf die Beschäftigten in Bexbach, so Müller. Die Amerikaner hätten damit gedroht, kein Geld für einen Sozialplan zur Verfügung zu stellen, sollte es Widerstand gegen eine Schließung schon Mitte 2017 geben. Erst der Gang zur Einigungsstelle habe die jetzige Lösung gebracht – mit laut Müller „guten Abfindungen“. Das Unternehmen selbst teilt mit: „Wir sind sehr froh, dass wir diesen Kompromiss erzielen konnten“, sagt ein Sprecher. „Der Sozialplan federt die Härten gut ab.“ Auch am Schwesterstandort Mannheim fallen 600 Stellen weg, 700 bleiben erhalten. Theoretisch sei der Verkauf in Bexbach an einen Investor immer noch möglich. „Momentan gibt es aber keinen Investor am Horizont.“ Die Investoren, die bisher Interesse signalisiert haben, „genügten nicht unseren Ansprüchen für einen seriösen Businessplan“, sagt der Sprecher. Betriebsrat Müller wird dagegen den Verdacht nicht los, dass General Electric das Werk nur von Alstom gekauft habe, um einen lästigen Konkurrenten zu beseitigen.

Wie gespenstisch sich die Lage darstellt, zeigt sich vor dem Werk. Dort stehen Kreuze, die blaue Werkskleidung tragen. Die Kreuze stehen für Kollegen. Auf einem Grabstein daneben ist zu lesen: „Die Hoffnung war von kurzer Dauer.“ Weiter heißt es: „Die Verbrecher sind nun bekannt. Sie haben uns verraten und verkauft.“

 
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