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Genmanipulierter Wein: Elsässer Winzer befürchen Imageverluste

Weinreben vor der Hoch-Königsburg im Elsass.

Weinreben vor der Hoch-Königsburg im Elsass.

Saarbrücken. Im elsässischen Weinbau ist die Empörung groß. Der Wirbel wurde ausgelöst, als jetzt bekannt wurde, dass Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire dem Nationalen Institut für Landwirtschaftliche Forschung (Inra) in Colmar erlaubt hat, genmanipulierte Rebstöcke anzupflanzen.

Winzer fürchten um Absatz

Nun fürchten elsässische Winzer um ihren Absatz. Denn sie haben die berechtigte Sorge, dass ihre ökologisch bewusste Kundschaft genetische Manipulationen im Weinbau grundsätzlich ablehnt. Ihre Anstrengungen zur Verbesserung der Qualität elsässischer Weine könnten umsonst gewesen sein, wenn der Weinfreund in Zukunft auf burgundische oder aquitanische Tropfen ausweichen sollte, weil ihm die Gewächse aus dem Elsass nicht mehr geheuer sind.

So weit denkt man diesseits der französischen Grenze noch lange nicht. Dem Chef des saarländischen Winzerverbandes, Helmut Herber, sind die Vorgänge im Elsass überhaupt noch nicht geläufig. Und seinem Nachbarn, dem Präsidenten des Bauern- und Winzerverbandes in Rheinland-Pfalz/Süd, Edwin Schrank, fallen bei dem Gedanken an schädlings-resistente Rebstöcke eigentlich nur positive Assoziationen ein. Er findet nicht, dass dies dem Weinabsatz schaden könnte.

Als die Metzer Zeitung "Républicain Lorrain" das Thema aufgriff, zitierte sie einen Winzer aus Ammerschwihr, der besten Weinbaugegend: "Ich denke nicht, dass die Genmanipulation die Lösung für den Weinbau ist. [Trenner] Niemand will sie, kein Weinliebhaber und kein Winzer." Und wenn man nun, so hieß es weiter, mit einer genmanipulierten Pflanze den Befall von Fadenwürmern ausschließe, sei dieser Rebstock ja noch lange nicht gegen andere Schädlinge resistent. Insofern befürchte er, so der Winzer, "dass dieses Experiment eher ein Vorurteil gegen die elsässischen Weine schüren könnte", die doch in den letzten 20 Jahren erheblich an Qualität gewonnen hätten.

Bei der ganzen aufgeregten Debatte geht es um die Erlaubnis aus Paris, in Colmar auf einer Versuchsfläche des Inra-Geländes, nicht im Weinberg, genmanipulierte Reben zu testen, die gegen einen Fadenwurm beziehungsweise eine Nematode namens "Xiphinema Index" resistent sein sollen. Der Befall mit dieser Nematode führt zunächst zu Verknotungen in den Blättern, später stirbt der Weinstock ab. Aber auf die Frage, wie groß die Gefahr sei, die von den Nematoden im konkreten Fall ausgehe, wusste Winzerpräsident Schrank keine Antwort.

Auch sein Winzerkollege aus dem elsässischen Kaysersberg, Bürgermeister und Generalrat für die Grünen, Henri Stoll, kann mit der Nematoden-Problematik wenig anfangen, dennoch meint er: "Das ist eine Provokation. Ich zum Beispiel verehre den Wein aus dem Ort Collioure. Aber wenn ich hörte, dass da was mit genmanipulierten Rebstöcken wäre, würde ich ihn nicht mehr trinken."

Positive Signale aus der Pfalz

Edwin Schrank, der rheinland-pfälzische Winzerpräsident, der die Debatte nicht aus eigener Anschauung kennt, gewinnt der Idee, gegen Fadenwürmer resistente Rebstöcke zu ziehen, eigentlich nur positive Aspekte ab. Er sagte unserer Zeitung: "Ich sehe hier Parallelen zum Befall mit der Reblaus, die vor 150 Jahren zu schweren Ausfällen im Weinbau führte. Damals hat man sich mit der amerikanischen Wildrebe geholfen, die gegen die Reblaus resistent ist, und auf dieser Unterlage unsere bekannten Rebsorten gezüchtet." Wenn man mit den Gen-Rebstöcken ähnlich vorginge, sie also praktisch nur als Wurzelstock benutzen würde, könnten diese Pflanzen ja nicht blühen und auch keine Frucht bringen. Insofern wäre auch keine genmanipulierte Auswilderung möglich, meinte Schrank.
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