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Gequält, gejagt und hingerichtet

Speyer. Wer Gundel Gaukeley und Bibi Blocksberg erwartet hatte, wird enttäuscht: Die Ausstellung „Hexen – Mythos und Wirklichkeit“ im Historischen Museum der Pfalz Speyer will erklären, in welcher gesellschaftlichen Lage der Glauben an Hexen und deren Verfolgung entstanden.

Zugleich will die Schau mit hartnäckigen Vorurteilen aufräumen. Denn entgegen dem Volksglauben ist der Hexenmythos kein Phänomen des Mittelalters, sondern eines der frühen Neuzeit. Entsprechend versetzt die Ausstellung die Besucher in einer Art Studierstube in das 15. und 16. Jahrhundert. Filme, Zeittafeln und Grafiken bringen die Melange von damals näher: die mit der Reformation Martin Luthers verbundenen religiösen Konflikte und vor allem die so genannte kleine Eiszeit um 1570, als deren Folge die Menschen unter schweren Hungersnöten und Krankheiten litten.

Weil es bekanntlich gut ist, für alles einen Schuldigen zu haben, und Magie und Aberglauben in allen sozialen Schichten eine große Rolle spielten, entstand eine Hexenlehre mit theologisch-wissenschaftlichem Anspruch. Das bekannteste Werk in diesem Zusammenhang ist der 1486 veröffentlichte „Hexenhammer“ des Dominikanerpaters Heinrich Kramer. Das zufälligerweise ebenfalls in Speyer gedruckte Buch ist eines der rund 600 Exponate, die die Ausstellungsmacher aus zahlreichen europäischen Museen zusammengetragen haben.

In vier Kerkerzellen lassen sich die Schicksale von vier Einzelfällen nachvollziehen. Originale Hexenprozessakten und aus der Haft geschmuggelte Botschaften geben einen Einblick in die Praktiken, die meist die Konsequenz von Gerüchten und Verleumdungen waren. Beinschrauben, Daumenschrauben und eine Folterstreckbank erklären anschaulich die vielen Geständnisse. Auch die letzte Station vieler vermeintlicher Hexen wird präsentiert. Fast zehn Quadratmeter groß ist der Scheiterhaufen, in dessen Mitte der Richtpfahl steht. Drumherum Reisig und darauf zwei Meter hoch sauber gestapelt Holzscheite. Auf den Wänden gegenüber zeigen Filme auf großen Bildschirmen die Reaktionen der Umwelt. Fassungslosigkeit, Trauer, Freude und staatstragende Neutralität der Obrigkeit spiegeln sich in den feuerbeschienenen Gesichtern wider.

Von insgesamt rund 60000 Hexenprozessen zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert geht die Wissenschaft heute aus. Die letzte Hexenhinrichtung ist datiert auf das Jahr 1795. Die bis heute oft genannte Zahl von neun Millionen ist ebenso ein Mythos wie die wirre These von Heinrich Himmler, der in den verfolgten Hexen die Vertreter eines alten germanischen Brauches sah. Juden und Katholiken, so seine Überzeugung, wollten diese Kultur gemeinsam vernichten.

Die Speyerer Hexenausstellung ist noch bis zum 2. Mai 2010, dienstags bis sonntags, von zehn bis 18 Uhr geöffnet. 
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