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Gericht: Keine Abzocke bei Gewinnspielen mehr

Luxemburg. „Sie haben gewonnen“ – solche irreführende Werbung dürften Europäer in Zukunft seltener in ihren Briefkästen finden. Werbefirmen dürfen Gewinnspielgewinnern keine Kosten oder Gebühren auferlegen, um den Preis zu erlangen. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) gestern beschlossen. Darunter fallen auch verhältnismäßig geringe Kosten wie Anrufgebühren oder Kosten für eine Briefmarke.

In dem Rechtsstreit standen sich mehrere britische Unternehmen und die britische Wettbewerbsbehörde gegenüber. Diese war gegen ein Unternehmen vorgegangen, das Verbrauchern in Briefen, Werbebeilagen oder mit Rubbelkarten Gewinne verkündet hatte. Darunter waren Mittelmeerkreuzfahrten, für die Gewinner zusätzlich umgerechnet etwa 490 Euro pro Person draufzahlen mussten.

In anderen Fällen mussten die „Gewinner“ kostenpflichtige Telefonnummern anrufen oder SMS verschicken. Teilweise wurden auch zusätzliche Gebühren für den Versand verlangt. Was ihnen dabei verschwiegen wurde: Die Werbefirma sackte einen Großteil der hohen Telefonkosten sowie einen Teil der Versandkosten ein, um den Gewinn zu finanzieren. Der Preis, oft Billigware, kostete letztendlich in etwa so viel wie die vom „Gewinner“ erbrachten Kosten.

Ein Nullsummenspiel? Keineswegs: Den Firmen ging es um die Daten der Teilnehmer. Diese konnten sie an andere Firmen weiterverkaufen oder dazu verwenden, gezielte Werbung zu verschicken. Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft verwies auf unterschiedliche Werbemethoden in Europa. „Großbritannien ist nicht Deutschland“, sagte Sprecher Volker Nickel der Deutschen Presseagentur. „Wenn sich Kosten oder Tricks in Angeboten verbergen, ist das schon heute nicht erlaubt.“ Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verbiete diese Methoden hierzulande. Dennoch werden angebliche Gewinner heute noch oft reingelegt. „Wir haben fast jeden Tag einen neuen Fall“, sagt Désirée Fuchs, Juristin in der Verbraucherzentrale Saarland. Oftmals sei es kaum möglich, die Drahtzieher hinter den Werbeaktionen zu ermitteln, da als Absender bloß Postfächer angegeben sind. Der klassische Fall ist immer noch die Einladung zur „Kaffeefahrt“ in entlegene Gaststätten, auf der angebliche hohe Gewinne vergebenwerden sollen – der Teilnehmer jedoch zum Kauf teurer Produkte gedrängt wird. In einem Fall wurde eine Matratze für 8000 Euro verkauft. Ein Gewinn ist meist nicht in Sicht. Besonders älteren Menschen werden solche „Gewinnfahrten“ angeboten. Verbraucher sollten darauf achten, dass in der Adresse des Absenders Straße und Hausnummer angegeben sind.

Désirée Fuchs bezeichnet das Urteil des EuGH als „wunderbar“: „Die Rechte der Verbraucher werden deutlich gestärkt“. Bei Unklarheiten in kleineren Fällen sei das Gesetz ein Wegweiser. Auch die europaweite Gesetzgebung sei wichtig, da gewinnversprechende Werbefirmen auch im Ausland angesiedelt seien.

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