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Gescheitertes Comeback: Oskar schweigt

Bild aus besseren Tagen: Oskar Lafontaine Mitte März mit Gregor Gysi und Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht.

Bild aus besseren Tagen: Oskar Lafontaine Mitte März mit Gregor Gysi und Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht.

Nein, das Jahr 2012 ist bisher nicht gut gelaufen für Oskar Lafontaine. Zwar hat er privat keinen Stress mehr, seit sich das klammheimliche Techtelmechtel mit der deutschen Parade-Sozialistin Sahra Wagenknecht in eine feste Liaison verwandelt hat; seit er zudem genesen ist nach seiner bösen Krebserkrankung. Doch dafür ist jetzt politisch der Wurm drin: Neuwahl im Saarland, mit Verlusten für die Linkspartei; Absturz der Linken in Schleswig- Holstein und Nordrhein-Westfalen; gallige Ablehnung vieler ostdeutscher Parteifreunde auf seine nach langem Zögern geäußerte Bereitschaft, wieder als Parteichef und Spitzenkandidat zur Verfügung zu stehen. Kein Wunder, dass „Oskar“ sauer ist. Zu seinen Beweggründen, warum er sich jetzt abermals spektakulär aus der Bundespolitik verabschiedet und einen „schmachvollen Rückzug“ (Deutschlandfunk) in Kauf genommen hat, wollte er gestern nichts sagen. Die Auster Oskar.

Brav tauchte er zwar im Saar- Landtag auf, wo er normales Business demonstrieren wollte. Doch in ihm brodelt der Ärger über ein wahrlich nicht glanzvolles Ende einer bundespolitischen Karriere, die ihresgleichen sucht. Und Wut über „Parteifreunde“, die ihn seiner Meinung nach im Regen stehen ließen. Gut möglich, dass in dieser Woche eine weitere denkwürdige Freundschaft zerbrochen ist.

Gregor Gysi, der Bruder im Geiste und alte Kumpel schon aus Bonner Tagen, spielt dabei eine besondere Rolle. Seit es mit den Linken in Umfragen bergab ging, hat er nach Auskunft von Leuten, die es wissen müssen, „nahezu jeden zweiten Tag“ angerufen und Oskar angebettelt, wieder als Chef nach Berlin zu kommen. Mit der üblichen Begründung: „Ohne dich geht’s nicht! Nur du kannst den Laden zusammenhalten! Du musst uns helfen!“ Dem Vernehmen nach hat der Umworbene gezögert, er wollte eigentlich nicht mehr in den Berliner Ring steigen, wo sein Parteifeind Dietmar Bartsch schon seit Monaten tänzelte. Den Ausschlag, es trotz aller Skepsis doch noch mal zu wagen, gab offenbar jemand, den er nicht enttäuschen konnte: die seelenverwandte Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht. Auch sie drängte „Oskar“, die Pole-Position in Berlin wieder anzustreben. Es sollte eine verhängnisvolle Entscheidung werden.

Ursprünglich hatte Lafontaine vor, nach der Saar-Wahl am 25. März die Chancen für einen Neustart in Berlin auszuloten. In Gesprächen mit Gysi, Lothar Bisky, Klaus Ernst und sogar Bartsch sondierte er die Bereitschaft, auf seine „Bedingungen“ einzugehen. Die klangen zwar anmaßend, waren aber durchaus nachvollziehbar: „Ich stehe zur Verfügung, wenn ich mit einem Team arbeiten kann, das nicht ins eigene Tor schießt, sondern loyal ist und mich unterstützt.“ Das zielte gegen Bartsch, der angeblich ständig gegen Lafontaine und dessen kompromisslose Linie stichelte. Einem Vorsitzenden müsse es gestattet sein, mit Personen seines Vertrauens zusammenzuarbeiten, sonst funktioniere das nicht, begründete Lafontaine seine Ablehnung für Bartsch. Doch die ostdeutsche „Reformer“- Fraktion bewegte sich nicht. Sie wollte die Chance, das zwar respektierte, aber ungeliebte Alphatier loszuwerden, nutzen. Lafontaine spürte das, wie Freunde registrierten, „und suchte nach Wegen, aus dem Berliner Abenteuer wieder raus zu kommen“. Als ausgebuffter Profi wusste er zudem, dass er ein halbtotes Pferd besteigen sollte, mit der Linkspartei ging es ja seit Jahren bergab. Doch Gysi, Bisky und Freundin Sahra ließen nicht locker. Und so stimmte Lafontaine wie bei Goethe – halb zog es ihn, halb sank er hin – einer Entscheidung zu, die er schon bei der Veröffentlichung und dem prompt einsetzenden Protestchor wieder bereuen sollte.

Doch da war es zu spät. Schlichtungsversuche Gysis, der zwischen Bartsch und Lafontaine vermitteln wollte, fruchteten ebenso wenig wie ein gemeinsames Abendessen mit dem Vorsitzenden Klaus Ernst im „Dressler“ Unter den Linden. Lafontaine argumentierte, er brauche „breite Unterstützung“, wenn er die Partei retten solle, da reichten nicht „52 Prozent nach einer Kampfabstimmung“.

Als sich Gysi dann auch noch offen von Freund Oskar abwandte und auf Bartsch umschwenkte, setzte Lafontaine einen Schlussstrich unter den missratenen Comeback-Versuch. Schwer enttäuscht vom alten Gregor, der sich auch noch geweigert hatte, als Konsenslösung wenigstens Wagenknecht als Co- Fraktionsvorsitzende im Bundestag zu akzeptieren (nach Ansicht von Lafontaines Umfeld „aus Furcht, dass Sahra ihm die Show stiehlt“), beschloss Lafontaine den Rückzug ins Saarland. Hier fühlt er sich wohl, hier hat er sein neues Haus in Merzig und seinen Job als Fraktionschef der Linken.

Wie es jetzt aber weitergehen soll, weiß er vermutlich nicht mal selbst. Gleichwohl kann als sicher gelten: Von dem Politiker Oskar Lafontaine wird man weiterhin hören – als Polemiker, Talkshow- Gast oder Welterklärer.

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