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Geständnis und Schweigen im Kaiserslauterer Rocker-Mordprozess

Kaiserslautern. Im Kaiserslauterer Rocker-Mordprozess hat ein Angeklagter die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft eingeräumt. Eine Mordabsicht bestritt der 42-Jährige am Donnerstag vor dem Landgericht aber. Er habe mit seinen beiden Komplizen einem Mitglied der rivalisierenden Outlaws aus Rache eine „Tracht Prügel“ verpassen wollen, sagte der Nordpfälzer. Dass seine beiden Begleiter den Outlaw umbringen würden, habe er nicht geahnt. „Ich habe das nicht gewusst und nicht gewollt“, sagte er. Der zweite Angeklagte schwieg zu den Vorwürfen. Die beiden Hells Angels sind unter anderem wegen gemeinschaftlich begangenen Mordes angeklagt. Sie sollen im Juni den Regionalchef der Outlaws im Donnersbergkreis getötet haben.

Angeklagter fürchtet um sein Leben

Der 42-Jährige hat mit den Hells Angels gebrochen, bei denen er den Rang eines sogenannten Supporters (Unterstützers) hatte. Er stehe unter extremem Druck, sagte er vor Beginn seiner zweistündigen Aussage. Von dem Dutzend Hells Angels im Zuschauerraum erntete er dafür Gelächter. Der 42-Jährige fürchtet nach eigenen Angaben um sein Leben. Etwas pathetisch sagte er vor seiner Aussage: „Und wenn es das Letzte ist, was ich tue - ich werde das tun.“ Der 29 Jahre alte Angeklagte aus Mannheim, mit einem Hells-Angels-Kapuzenpulli gekleidet, starrte den 42-Jährigen während dessen Aussage an.

Der 42-Jährige schob die Tat seinem Mitangeklagten und dem dritten, noch flüchtigen Tatverdächtigen, in die Schuhe. Mit einem gemieteten Auto hatte das Trio am 26. Juni an einem Outlaw-Treffpunkt gelauert und auf ein Opfer gewartet. Sie folgten mehreren Outlaws und warteten, bis einer von ihnen allein unterwegs war. Auf einer Landstraße bei Stetten bremsten sie den 45-jährigen Motorradfahrer aus.

Dann soll der 29-Jährige mit eine Teleskopschlagstock auf das Opfer eingeschlagen haben. Der noch flüchtige Beteiligte soll dann sieben Mal mit einem Messer auf den Outlaw eingestochen haben. Das Opfer sei „arg- und wehrlos“ gewesen, sagte Oberstaatsanwalt Hans Bachmann. Der 42-Jährige will das aus dem Auto beobachtet haben. „Ich hätte mein eigenes Leben aufs Spiel setzen müssen, um das zu verhindern. Und dazu war ich zu feige, das geb' ich zu.“

Der 29-Jährige habe die Kutte des Opfers als „Trophäe“ mitgenommen, sagte Bachmann. Mit der „Vergeltungsaktion“ habe sich das Trio in der Hierarchie der Hells Angels nach oben bringen wollen, sagte der Ankläger.

Mord aus Rache?

Auslöser für die Rachetat war ein Ereignis wenige Tage zuvor. Der 42-Jährige war nach Bad Kreuznach gefahren und damit in Outlaw-Gebiet. Dort war er nach eigenen Angaben von einem Outlaw geschlagen und getreten worden. Deshalb habe er eine Vergeltungsaktion geplant. Es gibt aber auch Zeugen, die behaupten, der 42-Jährige habe in Bad Kreuznach Outlaws provoziert.

Feststeht: Das spätere Mordopfer war an der Auseinandersetzung in Bad Kreuznach nicht beteiligt, wurde also zufällig Opfer der Racheaktion. Der 45-Jährige wird von einem Szenekenner als „ein absolut netter, höflicher und ruhiger Mann“ beschrieben.

Weniger Polizei und weniger Rocker

Zum zweiten Verhandlungstag waren nur noch wenige Rocker nach Kaiserslautern gekommen, nachdem es zum Auftakt noch 1000 waren. Dementsprechend reduzierte die Polizei die Sicherheitsvorkehrungen. Am Eingang des Gerichts gab es aber erneut scharfe Kontrollen. Wer im Gericht auf die Toilette wollte, musste Polizeibegleitung in Kauf nehmen.

Der große Aufwand hat seine Gründe: Der 42-Jährige befindet sich in einem Zeugenschutzprogramm, als vermeintlicher Verräter muss er um sein Leben befürchten. Ihm dürfte im Falle einer Verurteilung auch im Gefängnis ein besonderer Schutz gewährt werden, denn der Nordpfälzer weiß über seine ehemaligen Club-Kameraden: „Es gibt kein Gefängnis, wo die nicht drinhocken.“
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