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Gestank vom Chemiewerk Carling: Saar-Bürgerinitiative fordert Aufklärung

Die Fackel der Chemieanlage in Carling. (Archivfoto)

Die Fackel der Chemieanlage in Carling. (Archivfoto)

Ob das Fußballtraining stattfindet, hängt öfter mal in der Luft. Genauer daran, „ob es stinkt“, sagt Adriano Pitillo. Im Winter, wenn in der Halle trainiert wird, sei das ja kein Problem, aber jetzt falle das Training für seinen achtjährigen Sohn schon mal aus. Denn ausgerechnet am späten Nachmittag läge über Friedrichsweiler immer wieder ein stinkender Geruch. „Das ist der typische Carling-Duft“, ergänzt der 65-jährige Rainer Küntzer aus Wadgassen.

Zwischen den französischen Orten Carling und Saint Avold, direkt an der deutschen Grenze, steht seit den 1960er-Jahre ein riesiger Chemiekomplex. Mit derzeit über 500 Mitarbeitern ist dort die Total Petrochemicals France (TPF) das größte Unternehmen. Und die Tochterfirma des französischen Mineralölkonzerns Total will weiter wachsen: 160 Millionen Euro für neue Produktionslinien sollen Carling künftig zu einem „führenden europäischen Zentrum auf dem Markt der Kohlenwasserstoffharze und Polymere“ machen.

Wenn auf der Plattform abgefackelt wird, zieht der Gestank , je nach Windrichtung, häufig über die Saar-Gemeinden Großrosseln, Überherrn, Wadgassen bis nach Völklingen. Anfang des Jahres hat sich nun eine Bürgerinitiative „BI Saubere Luft“ gegründet, mit inzwischen gut 60 Mitgliedern. Bei Versammlungen kommen schon mal 300 Besucher.

„Da zieht man in den Warndtwald, ins Grüne, weg von der Industrie im Saartal, und erlebt dann Chemie vor der eigenen Haustür“, wettert ein Anwohner erbost. Was den Bürgern stinkt, ist aber nicht nur der „typische Carling-Duft“, sondern vor allem die Informationspolitik. Was stinkt da eigentlich, hätten sie gerne mal gewusst.

Nach Betreiberangaben werden gasförmige Kohlenwasserstoffe abgefackelt, Propan, Propylen, Butan, Methan und aromatische Verbindungen. Europäische Grenzwerte werden laut Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Grünen nicht überschritten. Das hätten auch Messungen des saarländischen Immissionsnetzes Immesa ergeben und gelte auch für Benzol. Das Unternehmen war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die Bürgerinitiative widerspricht: Für Benzol gebe es nur Mittelwerte. „Solange man Mittelwerte bildet, werden alle Spitzenergebnisse abgewertet und genullt“, kritisiert Küntzer. In Frankreich gemessene Spitzenwerte lägen deutlich über den Grenzwerten. Notwendig sei also, dass auch auf deutscher Seite „zeitnah und an mehreren Stellen“ gemessen werde.

Umweltminister Reinhold Jost (SPD) hat zugesagt, die unterschiedlichen Werte in einem Datenbanksystem neu aufzubereiten. Zudem will er die stickige Luft nun mit einer neuen Gas-Sensortechnik messen.

Transparentere Informationen scheinen dringend geboten. Denn auch das Ministerium musste einräumen, vom Total- Konzern zwar Informationen über voraussichtliche Dauer von Fackelaktivitäten zu erhalten. Über die dann erfolgte tatsächliche Aktivität wird das Ministerium nicht informiert.

Ähnlich wie die BI sieht auch Jost Besserungsbedarf bei der Kommunikation: Es könne nicht sein, dass auf französischer Seite die Behörden unter Umständen Warnung bekämen, man solle sich nicht im Freien aufhalten und keinen Sport treiben, „und wir im Saarland davon nichts mitbekommen“.
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