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Getäuscht, bedroht, verprügelt

Saarbrücken. Vor der großen Wirtschaftsstrafkammer des Saarbrücker Landgerichts hat gestern ein Prozess wegen Straftaten aus dem Rotlichtmilieu begonnen. Angeklagt ist ein Paar aus Rumänien, beide 23 Jahre alt. Der Oberstaatsanwalt geht von Menschenhandel, Zuhälterei, Körperverletzung und Steuerhinterziehung aus. Die Straftaten sollen sich von Oktober 2006 bis September 2008 ereignet haben. Seither sind beide in Untersuchungshaft: Der Mann sitzt in der Saarbrücker Justizvollzugsanstalt Lerchesflur, die Frau im Frauengefängnis Zweibrücken.

Dem Mann wird „Anwerbung von Frauen“ vorgeworfen. Er soll einer 18-Jährigen, die in einem Kinderheim in Bukarest aufgewachsen ist, wahre Liebe vorgespiegelt und sie nach Deutschland gelockt haben. Mit dem Bus soll er sie in die Bundesrepublik gebracht haben, wo er sie bei seinem im Rotlichtmilieu tätigen Bruder ablieferte. Schon am nächsten Tag wurde sie mit „Arbeitskleidung für Prostituierte“ ausstaffiert. Das Paar soll Bordelle im hessischen Bürstadt, in Ludwigshafen und in Saarbrücken betrieben haben – hier das „Rosa Haus“ an der Camphauser Straße.

Das Geschäftsmodell war in allen Betrieben gleich. Die Frauen sollten die Hälfte ihrer Einnahmen an die Betreiber abführen, zusätzlich Geld für Miete und Essen. Doch für viele Frauen dürften die Bedingungen deutlich härter gewesen sein: Die Preise wurden ihnen vorgeschrieben, sie durften die Freier nicht selbst wählen, und ihr Anteil war deutlich geringer. Frauen die aussteigen wollten, wurden verprügelt und bedroht, etwa mit „Ich verkaufe Dich an einen bulgarischen Zuhälter“. Einer Prostituierten auf der Flucht soll gedroht worden sein, dass ihr Kind umgebracht werde. Im Fall der Steuerhinterziehung geht es nur um das Saarbrücker Bordell. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass rund 71 000 Euro Steuern hinterzogen wurden. Der Verteidiger sagte, dass sein Mandant vorerst die Aussage verweigere. Seine Partnerin gab dagegen zu, als Bordellbetreiberin tätig gewesen zu sein.
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