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Getriebehersteller ZF macht seinen Strom jetzt selbst

 Dieses VVS-Gaskraftwerk steht in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gelände des Getriebebauers ZF.

Dieses VVS-Gaskraftwerk steht in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gelände des Getriebebauers ZF.

Der Automatikgetriebe- Hersteller ZF wird zum Stromproduzenten für den Eigenbedarf. ZF hat das Heizkraftwerk des Saarbrücker Verkehrs- und Versorgungskonzerns VVS im Industriegebiet Süd zunächst für fünf Jahre gepachtet. Es produziert Strom und Fernwärme mit einer Gasturbine und steht in unmittelbarer Nachbarschaft zum ZF-Werk. Die Verträge wurden gestern unterschrieben.

Am 30. Dezember tritt die Vereinbarung in Kraft. „Mit der elektrischen Energie aus dem Kraftwerk können wir unseren gesamten Strombedarf decken“, erläutert Hermann Becker, Leiter des ZFStandortes Saarbrücken. Auch für die VVS ist die Verpachtung des Heizkraftwerks ein gutes Geschäft. Derzeit schreibt es rote Zahlen. Es ist zu selten am Netz, weil Strom aus erneuerbaren Energien (Wind, Sonne oder Biomasse) Vorfahrt haben. Außerdem sind die Strompreise im Keller. Schuld daran sind die Regelungen des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG). Jetzt erhält der Saarbrücker Versorger einen Pachtzins von ZF und verlässt mit seinem Heizkraftwerk wieder die Verlustzone, wie VVS-Geschäftsführer Peter Edlinger sagt.

Zur Höhe der Pacht wollte er sich nicht äußern. Ähnlich schweigsam war ZF-Werksleiter Becker bei der Frage, wie hoch die finanzielle Ersparnis des Getriebe-Herstellers bei der künftigen Eigenstrom- Erzeugung ist. Denn das Saarbrücker Werk ist damit von der EEG-Umlage befreit, die im kommenden Jahr mit fast 6,24 Cent pro Kilowattstunde zu Buche schlägt. Doch auch der Ausstoß an Kohlendioxid (CO2) soll um rund 30 Prozent sinken, weil das Kraftwerk „hochmodern ist“ wie Becker betont. Es ist erst vor zwei Jahren ans Netz gegangen. Die Investition belief sich seinerzeit auf 50 Millionen Euro.

Bislang versorgte die Energie Saar-Lor-Lux (ESLL) das Saarbrücker ZF-Werk mit Strom. Dieser Kunde ist jetzt weg. Aus Ärger darüber hatte die ESLL, an der die VVS mit 49 Prozent beteiligt ist und die Deutschland-Tochter des französischen Energie-Konzerns GDF Suez mit 51 Prozent, vor dem Landgericht Saarbrücken sogar eine einstweilige Verfügung erreicht, mit der die Verhandlungen zwischen VVS und ZF unterbunden werden sollten. Davon wollte ESLLVorstandschef Jochen Starke gestern nicht mehr viel wissen. ESLL vermarktet die Fernwärme, die das Heizkraftwerk produziert. Durch diesen Deal sieht er auch die ESLL wieder auf der Seite der Gewinner.




MEINUNG

Das irre EEG-System

Von SZ-Redakteur Lothar Warscheid

Mit der Verpachtung des verlustreichen Heizkraftwerks an den benachbarten Saarbrücker Getriebe-Bauer ZF hat sowohl der Saarbrücker Versorger VVS als auch ZF selbst ein gutes Geschäft gemacht. Denn die VVS verdient mit dem Kraftwerk wieder Geld und ZF spart sich durch die Strom-Eigenerzeugung die EEG-Abgabe. Beide Akteure handeln ökonomisch rational und korrekt. Irre ist das EEGSystem, das die Stromkosten für alle anderen, die sich nicht auf diese Weise zu helfen wissen, in die Höhe jagt. Und: kein Ende in Sicht.
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