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Gewaltopfer hintergangen und um viel Geld gebracht: Betrügerin muss hinter Gitter

Bleibt einer Nonnweilerin nicht erspart: Sie muss ihre Wohnung gegen eine Gefängniszelle eintauschen. Symbolfoto: dpa/Daniel Naupold

Bleibt einer Nonnweilerin nicht erspart: Sie muss ihre Wohnung gegen eine Gefängniszelle eintauschen. Symbolfoto: dpa/Daniel Naupold

Menschen zu hintergehen, das scheint ihr im Blut zu liegen. Denn die Liste ähnlich gelagerter Vorstrafen ist erheblich. So verurteilten Richter eine Nonnweilerin zuletzt im Oktober, weil sie Menschen um ihren Lohn gebracht und Urkunden gefälscht hat.

 

Hervorstechend ist aber der besonders perfide Fall, als sich die Bauzeichnerin am Spendengeld eines Gewaltopfers bereichert hatte. Dafür war der jetzt Mittdreißigerin bereits drei Monate früher ebenfalls am Neunkircher Amtsgericht der Prozess gemacht und sie zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

 

Dann aber folgte der Schlag für die Betrügerin: Aus beiden Verhandlungen ergab sich im Oktober zuerst abermals eine zweijährige Bewährungsstrafe. Dagegen legte der Staatsanwalt Berufung ein. Er hielt den Richterspruch für zu milde. Das Landgericht in Saarbrücken verhandelte im Januar und setzte das Strafmaß auf zwei Jahre und vier Monate herauf, das laut Gesetz nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

 

Eine Gefängnisstrafe, die die Verurteilte mit allen rechtlichen Mitteln abzuwenden versuchte. Vergebens: Ihre Revision beim Oberlandesgericht wurde abgelehnt. Sie muss folglich in den Knast. Ob sie bereits einsitzt, konnte der Staatsanwalt nicht sagen.

 

Doch damit nicht genug: Denn mittlerweile ist sie abermals angeklagt. Der neue Vorwurf: gewerbsmäßiger Betrug übers Internet. Entsprechende Informationen unserer Zeitung bestätigt Staatsanwaltssprecher Christoph Rebmann in Saarbrücken.

 

Die Anschuldigungen im Einzelnen: Mit zehn Fällen müssen sich Richter am Neunkircher Amtsgericht demnächst befassen. So soll die Geschäftsfrau zwischen Mitte September und Anfang März immer wieder von ihrer Wohnung aus Waren über die Internet-Plattform Ebay zum Verkauf angeboten haben. Die Opfer überwiesen, wie vereinbart, auf ihr Konto. Allerdings kam dann die böse Überraschung: Sie erhielten nichts dafür, die Nonnweilerin habe kein einziges angepriesenes Stück geliefert. Der Anklagevertreter wirft ihr dabei Kalkül vor. Von Anfang an habe sie den Plan gehabt, zu kassieren, ohne jemals in der Lage gewesen zu sein, etwas dafür zu leisten.

 

Bundesweit seien Staatsanwälte ihr deshalb auf den Fersen gewesen. So hagelte es laut Rebmann Anzeigen aus Siegen, Aachen, Kassel, Hagen, Landau, Wuppertal, Krefeld, Gießen, Mönchengladbach und Konstanz. Die Sammelanklageschrift liegt in Neunkirchen vor, ein Verhandlungstermin steht noch aus.

 

Britta Schug freute sich über jede angebotene Hilfe, die ihr Leben nach dem widerfahrenen Leid erleichtert und verbessert. So bot auch eine Nonnweiler Bauzeichnerin ihre Unterstützung an, wollte dem Gewaltopfer unentgeltlich beim behindertengerechten Umbau des Wohnhauses behilflich sein.

 

Denn Britta ist auf den Rollstuhl angewiesen, seitdem sie ein Bekannter im August 2012 nach dem Besuch der Kirmes in Hasborn-Dautweiler vergewaltigt, gewürgt und anschließend geknebelt im Kofferraum eines Autos zurückgelassen hat. Erst nach 20 Stunden wurde die heute 29-Jährige befreit. Mit gravierenden Lähmungen muss die Frau bis heute leben. Der Täter erhielt lebenslang.

 

Um Britta zu unterstützen, kamen durch Aktionen 58 000 Euro Spenden zusammen – und die vergiftete Hilfe der besagten Bauzeichnerin ins Spiel. Sie versandte Rechnungen an Brittas Mama Regina Backes über diverse Umbauten. Allerdings leitete die Nonnweilerin das Geld nicht an die Unternehmer weiter, sondern strich es selbst ein. Das summierte sich letztlich auf 30 000 Euro, bis eine misstrauische Backes die Notbremse zog. Richter am Neunkircher Amtsgericht verurteilten die Betrügerin im Juli 2015 zu zwei Jahren auf Bewährung. Auflage: Sie muss die Schadenssumme in Monatsraten à 500 Euro abstottern. „Wir haben davon so gut wie nichts gesehen“, berichtet Brittas Mutter. Eine erste Tranche sei überwiesen worden, die zweite schon nicht mehr. „Nach langem Hin und Herr“ habe dann die Mutter der Täterin weitere 500 Euro flüssig gemacht. Backes: „Seitdem kam nichts mehr.“
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