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Gibts im Saarland bald keine Ein-Euro-Jobs mehr?

Saarbrücken. Der Rotstift, den die Bundesregierung für alle Eingliederungsmaßnahmen in den Arbeitsmarkt angesetzt hat, „kommt einem Kahlschlag in der Arbeitsmarktpolitik gleich“. Diese Auffassung vertritt der Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Beschäftigung & Qualifizierung Saarland. Der Bund will allein in diesem Jahr die Eingliederungsmaßnahmen in den Arbeitsmarkt von 6,2 auf 4,6 Milliarden Euro zurückzufahren. In der LAG sind 24 freie und gemeinnützige Träger organisiert, die sich zum Ziel gesetzt haben, „die berufliche und soziale Integration von Erwerbslosen sowie besonders benachteiligten Menschen zu fördern“

Vor allem die so genannten Ein-Euro-Jobs „kommen gewaltig unter die Räder“, ist die LAG-Vorsitzende Bärbel Heil-Trapp (Diakonisches Werk an der Saar) überzeugt. Sie und ihre Vorstandskollegen rechnen damit, dass von den 4700 Ein-Euro-Jobs im Saarland rund 1300 verloren gehen. „Damit wird zahlreichen Menschen die Lebensperspektive geraubt“, sagt Harry Heintz, Geschäftsführer der Neuen Arbeit Saar. „Mit den Ein-Euro-Jobs haben viele Leute, die lange Jahre arbeitslos waren, überhaupt noch einmal die Möglichkeit, ein geregeltes Leben zu führen und sich ein wenig Geld dazu zu verdienen“, weiß Heintz aus Erfahrung. „Sie entwickeln wieder ein Selbstwert-Gefühl“, pflichtet ihm Kai Frisch (Landesverband Saarland der Arbeiterwohlfahrt) bei.

Der LAG-Vorstand widerspricht außerdem der These, dass durch die verbesserte Situation am Arbeitsmarkt auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen schwindet. „Es wird weiter eine Vielzahl von Menschen geben, die in den ersten Arbeitsmarkt nicht zu vermitteln sind“, sagt Heil-Trapp.

Wenn die Ein-Euro-Jobs massiv zurückgefahren werden, „sind außerdem viele soziale Projekte bedroht“, erinnert Albrecht Scherer (SOS Kinderdorf). Das reiche von Einrichtungen wie Tafeln, bei denen bedürftige Menschen eine Mahlzeit einnehmen können, über Sozialkaufhäuser und Gebrauchtmöbel-Läger. Auch Arbeiten im Natur- und Umweltschutz wie zum Beispiel die Pflege von Rad- und Wanderwegen „sind dann nicht mehr möglich“, ist der LAG-Vorstand überzeugt. „Viele Langzeitarbeitslose sind dann wieder ohne Perspektiven.“

Bedroht seien auch Arbeitsplätze in den gemeinnützigen Einrichtungen selbst, die Ein-Euro-Tätigkeiten organisieren. Von den rund 250 Betreuern, die in diesem Bereich tätig sind, „könnten mehr als 80 ihren Arbeitsplatz verlieren“, rechnet die LAG-Vertretung vor. Wenn das Spardiktat des Bundes greift, „werden unweigerlich Betreuungs-Strukturen zerschlagen“, sagt Dieter Schumann (Gemeinnützige Gesellschaft für Arbeitslosenberatung und Beschäftigung Burbach). Diese Infrastruktur lasse sich nicht wieder aufbauen.

„Wir müssen die Mittel, die uns noch zur Verfügung stehen, darauf konzentrieren, dass die Menschen wieder den Weg in den ersten Arbeitsmarkt finden“, sagt ein Sprecher der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA). Er erinnert außerdem an die Kritik des Bundesrechnungshofs, dass Ein-Euro-Jobs vielfach reguläre Arbeit verdrängen. Das Handwerk habe aus diesem Grund sogar gefordert, diese Art der Beschäftigung gänzlich abzuschaffen.

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