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Gießerei Sakthi arbeitet weiter



Von SZ-Redakteur
Lothar Warscheid


Neunkirchen. Die insolvente Neunkircher Gießerei Sakthi (vormals Intermet) mit Standorten in Neunkirchen und in Ueckermünde (Mecklenburg-Vorpommern) wird mit kleinerer Belegschaft weiterarbeiten können. Das sagte der Insolvenzverwalter des Unternehmens Udo Gröner gestern auf einer Betriebsversammlung. „Im Juli hatten wir erstmals einen Auftragseingang, der über den Planzahlen lag“, erläuterte Gröner gegenüber unserer Zeitung. Allerdings „gehen die Planzahlen von einem 20-prozentigen Rückgang gegenüber dem Jahr 2008 aus“, machte er deutlich. Grund sei die nach wie vor andauernde Krise in der Automobil-Industrie. Vor allem die Flaute bei den Nutzfahrzeugen (Lkw, Busse oder Baumaschinen) mache dem Unternehmen nach wie vor zu schaffen.

Seitdem der Insolvenzantrag für das Unternehmen Ende Januar eingereicht wurde, haben rund 230 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verloren. 70 von ihnen haben gegen die Entlassung vor dem Arbeitsgericht geklagt, die übrigen werden in einer Transfergesellschaft weiterbeschäftigt. Trotz des Arbeitsplatz-Abbaus habe man dennoch zeitweise Kurzarbeit fahren müssen. Insgesamt arbeiten bei Sakthi noch 650 Mitarbeiter, davon knapp 450 in Neunkirchen und etwa 210 in Ueckermünde.

Den Mitarbeitern bescheinigt Udo Gröner, dass sie „sich richtig reinhängen“. In den Monaten der Insolvenz sei bei den Kunden „sehr gute Qualität abgeliefert worden. Die Kunden sind mit unserer Arbeit zufrieden.“ Der Krankenstand sei der niedrigste seit zwei Jahren. In den vergangenen zwei Monaten habe es keinen Arbeitsunfall mehr gegeben. Gröner will jedoch erreichen, dass die Beschäftigten zur 40-Stunden-Woche zurückkehren – allerdings ohne Lohnausgleich. Derzeit werden 35 Stunden pro Woche gearbeitet. Außerdem sollen sie auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten.

Die IG Metall hält dagegen. „Wir geben nichts“, sagt Jörg Caspar, 1. Bevollmächtigter IG-Metall-Verwaltungsstelle Neunkirchen. Zunächst werde der Betrieb noch einmal von dem Saarbrücker Info-Institut durchforstet, ob diese Forderung betriebswirtschaftlich berechtigt ist. Außerdem will man erreichen, dass die Mitarbeiter künftig an dem Unternehmen beteiligt werden, wenn die Insolvenz beendet ist. In der Belegschaft gibt es allerdings auch Widerstände dagegen, das Info-Institut einzuschalten, wie unsere Zeitung erfuhr. Das bringe nichts, so die Begründung. Leiter dieses Instituts ist der wirtschaftspolitische Sprecher der Saar-Linken, Professor Heinz Bierbaum.

Die beiden Betriebe in Neunkirchen und Ueckermünde seien inzwischen aus dem früheren Unternehmensverbund, der indischen Sakthi Auto Component Limited herausgebrochen, sagt der Insolvenzverwalter. „Wir sind unserer eigener Herr.“ Gröner will noch mindestens bis zu Frühjahr 2010 die Verwaltung weiterführen. Man sucht zwar nach einem Investor – „aber wir haben keine Eile“.

Meinung: Ein seltsamer Geschmack


Eine insolvente Firma wieder auf ein zukunftsträchtiges Gleis zu bringen ist schwer genug. In der Krise ist dies umso schwerer. Wenn solche Vorhaben noch in den Sog eines Wahlkampfes hineingezogen werden, erleichtert dies die eher diskrete Arbeit der Insolvenzverwalter keineswegs. In saarländischen Gewerkschaftskreisen scheint es Mode zu werden, den Verwaltern ins Lenkrad zu greifen und sich mit Sachverstand von außen zu munitionieren. Problematisch ist, dass dabei stets der Name des Saarbrücker Info-Instituts fällt, dessen Chef Professor Heinz Bierbaum wirtschaftspolitischer Sprecher der Saar-Linken ist. Nichts gegen den Sachverstand des Instituts. Doch wenn unter dem Deckmantel einer Beratung politische Süppchen gekocht werden sollten, schmeckt das seltsam und gar nicht gut.(Von Lothar Warscheid)
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