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Gilbert Kallenborn soll aus Links-Partei ausgeschlossen werden

Von SZ-Redakteur Patrick Griesser

Saarbrücken. Sieben Tage könnten zwischen Sieg und Niederlage für Gilbert Kallenborn liegen. Vor einer Woche war der 56-Jährige noch Sieger vor der höchsten parteirechtlichen Instanz der Linken, der Bundesschiedskommission in der Berliner Parteizentrale, die im Karl-Liebknecht-Haus eine Verfassungsänderung der Linken kassierte. Am heutigen Samstag droht Kallenborn der Parteiausschluss – im Gasthaus „Zur wilden Ente“ in Güdingen. „Das Verfahren hat nichts damit zu tun, dass in Berlin verhandelt worden ist“, sagt Landesverbandschef Rolf Linsler. Das Ausschlussverfahren vor der Landesschiedskommission gegen Kallenborn laufe seit über vier Monaten. Der Termin? Nicht absichtlich so gelegt. Viel will Linsler über das Mitglied aus Wallerfangen nicht sagen, dann legt er doch vor: „Es gibt kein Verhältnis der Parteispitze zu Kallenborn.“ Der habe sich selbst isoliert. Und: „Man kann ihn als Querulanten bezeichnen.“ Über 40 Verfahren sollen bei der Schiedskommission anhängig sein.

„Ich weiß nicht genau, wieviele Verfahren es sind“, sagt Gilbert Kallenborn, der sich in einem Saarbrücker Café treffen will. 40 anhängige Verfahren? „Eine falsche Zahl.“ Von den Akten und Schriftsätzen aus dem Streit mit den Linken hat er nur einen dünnen Stapel dabei. Ein Wegbegleiter berichtet von Ordnerstapeln in der Wohnung. Das Faxgerät ist für Kallenborn eine Verbindung zur Welt. Linsler hat die Verbindung zu Kallenborn gekappt, dessen Nummer gesperrt.  Anderswo kommen die Papiere an, die zuletzt oft von der Sitzung in Berlin berichteten, wo Kallenborn unter anderem eine umstrittene Satzung der Linken zu Fall gebracht hatte. Mit Ausschluss war bedroht, wer über die Medien Parteimitglieder diffamiere.


Kallenborns Konflikt mit seiner Partei ist älter. 2008 will er das erste Mal die Landesschiedskommission angerufen haben. Wegen Plakaten von Oskar Lafontaine, die in einer Mülltonne gelandet sein sollen. Vom Plakatekleben für Oskar ist er heute weit entfernt. Dabei wäre er gerne nah dran gewesen: In Lafontaines Gemeindeverband Wallerfangen hatte er sich Ende März 2010 zur Wahl als Vorsitzender stellen wollen. Kurz nachdem sein Parteichef in Ensdorf als Bundesdelegierter für den Parteitag in Rostock bestimmt worden war. Kallenborn hatte die Wahl von Ensdorf angefochten – und vor sieben Tagen gab ihm die Bundesschiedskommission auch in dieser Sache Recht. Bei der Wahl im Gemeindeverband im März sei er aber schon nicht mehr zugelassen worden. Der Beginn eines monatelangen Streits.

„Wenn man Scheiße gebaut, muss man Verantwortung übernehmen“, sagt Kallenborn im Saarbrücker Café. Er erwartet das von seiner Parteiführung und sagt es 38 Jahre nachdem er – kurz vor dem Abitur – eine Bank überfallen hat. Fünf Jahre saß er in Haft, erzählt er, und dass er Beschwerdeschreiber für 800 Häftlinge gewesen sei. Danach folgten ein paar Semester Jura, ein Sprachstudium und eine Zeit im israelischen Kibbuz, einer Landkommune. 2005 der Eintritt bei den Linken. Jetzt: Wallerfangen, Berlin, Güdingen. „Ich weiß wo mein Problem liegt: im extremen Verlauf meines Lebens“, sagt Kallenborn, wenn er sich selbst beschreiben soll. „Hoffnung“ treibe ihn an. Womöglich ruht ein Teil dieser Hoffnung auf Berlin – sollte er heute aus der Partei ausgeschlossen werden, zieht es ihn erneut ins Karl-Liebknecht-Haus.

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