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Gondwana: Investor will aussteigen

Matthias Michael Kuhl (62) wirkt müde. Und er ist es auch. Rund vier Jahre lang musste der Rechtsanwalt aus Dresden mit Wohnsitz in der Nähe von Bonn pendeln, hat vor Ort in Reden geackert, um die Erweiterung des Gondwana-Prähistoriums zu stemmen. War Ideengeber, Hallen-Architekt, Drehbuchschreiber für die Dino-Show, kurz Mädchen für alles. Zusätzlich fungierte Kuhl nicht erst seit der Eröffnung von Gondwana II im Mai 2013 als Geschäftsführer für den laufenden Betrieb. „Das alles ist auf die Dauer nicht befriedigend“, sagt Kuhl der SZ. Und, noch deutlicher: „Ich hab’s dicke.“ Damit meint er nicht nur seine Arbeitsüberlastung, sondern auch die kaum berauschenden Besucherzahlen – er beziffert sie auf 120 000 bis 160 000 jährlich. Nahezu das Doppelte – ein Massentourismus-Ziel – hatten er und die damalige CDU-Landesregierung vor Augen, als Kuhl 2006 auftauchte. Er sollte Lockvogel sein für weitere Investoren auf der zum „Zukunftsstandort“ erklärten Grubenbrache. Doch immer noch, sagt Kuhl, übernehme Gondwana dort als Bildungs- und Entertainment- Anbieter eine Solistenrolle. Kuhl stört die seiner Meinung nach triste, unfertige Anmutung in Reden: „Die Landesregierung hat mir etwas ganz anderes versprochen. Ich komme mir verloren und verlassen vor.“ Frust. Und das, obwohl laut Kuhl die zweite Halle samt Dino-Show (Gondwana II) die Besucherzahlen wieder nach oben geführt habe, nach der Flaute durch die Negativschlagzeilen eines Untersuchungsausschusses 2010/2011. Damals drohte Kuhl mit Schließung, wenn Gondwana nicht wachsen und dadurch wieder spannend werden könne. Das Land sprang als Vorfinanzierer für Gondwana II mit 9,2 Millionen Euro in die Bresche, beauftragte Kuhls Firma Gondwana Invest als Generalunternehmer. Gondwana II, beteuerte Kuhl, würde Stabilisierung und Rettung bringen.

Jetzt kommt die Kehrtwende, die Flucht aus dem Gondwana-Abenteuer. Kuhls Anwalt Guido Britz formuliert es so: „Mein Mandant kann sich einen Komplettrückzug vorstellen. Wir verhandeln mit dem Wirtschaftsministerium über ein Ausstiegsszenario.“ Dies bestätigt Wirtschafts-Staatssekretär Jürgen Barke (SPD) der SZ. Kuhl habe unter anderem ein Stiftungsmodell vorgeschlagen, in das er Gondwana I sowie das von ihm sanierte Zechenhaus samt Grundstücken einbringen wolle.

Unklarheit bei den Verträgen

Das Land denke ebenfalls bereits länger über eine neue, eine öffentlich-rechtliche Trägerstruktur für den Gesamtstandort nach. Gedacht werde an die Zusammenführung von Land, Landkreis und Gemeinde Schiffweiler, möglichst „unter Beteiligung von Kuhl“. Jedoch sei, so Barke, die Voraussetzung dafür, dass Kuhl seinen Verpflichtungen aus der Vergangenheit nachkomme: „Wir bestehen auf der Einhaltung der Verträge.“

Was heißt das? Für Gondwana II wurde ein „Bau-Pacht-Betriebsvertrag“ mit Gondwana Invest vereinbart. Er sieht vor, dass Kuhl auf 25 Jahre eine Pacht von 31 000 Euro monatlich für die Halle Gondwana II zahlt. Wie Barke und Kuhls Anwalt gegenüber der SZ erläutern, ist strittig, ab wann diese Pacht fällig ist: ab Inbetriebnahme der Halle (Mai 2013) oder erst seit der formalen Bauabnahme (Dezember 2013)?

Zugleich – und dies scheint der zentrale, heikle Punkt – sucht man eine Lösung für einen finanziellen Engpass Kuhls in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro. Laut Anwalt Britz bestehen Verbindlichkeiten gegenüber Handwerkern und Lieferanten. Diese Finanzlücke sei entstanden, weil der Bau von Gondwana II teurer wurde als vorgesehen. Statt 9,2 Millionen Euro habe Kuhl als Generalunternehmer elf Millionen investiert. Die Lücke habe Kuhl allerdings mit rund 550 000 Euro privatem Geld schon wieder partiell geschlossen. Freilich zielten die Verhandlungen mit dem Wirtschaftsministerium nun darauf, dass Kuhl die Restlasten los werde. „Wir streiten nicht, wir suchen nach einem Modus, wie das gestaltet werden kann“, sagt Britz. Was darauf schließen lässt, dass das Land nicht bereit ist, die Schatulle noch einmal einfach so zu öffnen. Staatssekretär Barke sagt der SZ: „Das Problem der Kostensteigerung liegt allein beim Generalunternehmer.“

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