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Google fotografiert Saarlands Straßen fürs Internet

Während für die einen Googles digitaler Kartendienst „Street View“ ein Paradies zum Stöbern ist, sorgen sich Datenschützer um die Wahrung von Persönlichkeitsrechten. Google nimmt die Kritik gelassen.

Von SZ-Redaktionsmitglied Fabian Bosse

Saarbrücken. Ein seltsames Gefährt dreht in diesen Tagen im Saarland seine Runden, auf dem Dach ein großes Gestell, dass wie ein Hubschrauber-Rotor aussieht, nur dass die Rotorblätter fehlen. Das Auto gehört zum Internet-Unternehmen Google und macht alle zwei Sekunden mit einem 360-Grad-Objektiv Aufnahmen von Straßenzügen für dessen neuen Dienst „Street View“. Damit können Nutzer nicht nur in Googles digitale Landkarte „Google Maps“ hineinzoomen, sondern Einblicke in eine Straße nehmen, als würden sie selbst die Straße entlangfahren. Eine Spazierfahrt durch New York, Tokyo, Sydney oder Zürich machen, ohne vom Schreibtisch aufzustehen. Schon heute sind viele Städte und Orte weltweit auf diese Weise einsehbar.

Doch der Dienst ist umstritten. Wer nämlich gerade auf der Straße stand, als das Kamera-Auto seine Bilder machte, wird mitfotografiert. Auch das eigene Haus- oder Grundstück ist für jedermann mit Internetzugang sichtbar, weltweit. Stefan Keuchel, Sprecher von Google Deutschland, preist natürlich den Nutzen von „Street View“: „Stellen sie sich vor, sie planen einen Umzug und können vorher das Haus ansehen und schauen, wo sind Schulen, Kindergärten und Einkaufsmöglichkeiten.“ Nach dem schweren Erdbeben in Italien, hätten Rettungsgruppen im zerstörten L’Aquila „Street View“ genutzt, um Hauseingänge zu lokalisieren, sagt Keuchel.
Doch Datenschützer kritisieren den neuen Dienst: „Eine der Absprachen mit Google war, dass auf seiner Internetseite ankündigt wird, wo in nächster Zeit Straßen fotografiert werden. Beschwerden aus Rheinland-Pfalz zeigten jedoch, dass Google auch in Gegenden unterwegs war, die nicht angekündigt wurden“ klagt Hamburgs Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit, Johannes Caspar. Weil Google seinen Firmensitz in Hamburg hat, überwacht er alle Aktivitäten des Unternehmens in Deutschland.

Spionieren einfach gemacht

Ein weiteres Problem sei die Erhebung personenbezogener Daten. Haus- und Grundstücksansichten beschreiben das persönliche Umfeld eines Einzelnen. Ein Arbeitgeber könnte sich zum Beispiel über die Wohnverhältnisse seiner Arbeiter informieren, sagt Caspar. Zwar könne er auch die Orte persönlich aufsuchen, nur stelle Googles Dienst eine Art automatisiertes Verfahren dar, eine Arbeitserleichterung zum Spionieren. Schon jetzt suchen 28 Prozent der Unternehmen im Internet bei sozialen Netzwerken wie Facebook oder StudiVZ Informationen über Job-Bewerber, so eine Studie im Auftrag des Bundesverbraucherschutzministeriums. Caspar fordert, jeder Einzelne müsse selbst über die Preisgabe seiner Daten bestimmen können.

Johannes Caspar erklärt, dass hier zwei Grundrechte aufeinandertreffen, die so genannte Informationelle Selbstbestimmung, auf die sich Nutzer berufen können und die Informationsfreiheit, die Google für sich in Anspruch nimmt. Die Daten, die Google erhebt, sind eigentlich öffentlich. Schließlich dringt Google nicht in die Intimssphäre der Bürger vor. Die Bilder zeigen nur den Ausschnitt, den jeder von der Straße aus sehen könnte. Damit beruft sich Google auf die so genannte Panoramafreiheit, oder Straßenbildfreiheit. Stefan Keuchel weist die Kritik zurück. „Street View zeigt Schnappschüsse. Jeder kann diese Orte zu jeder Zeit selbst fotografieren“, sagt Keuchel. Google hat auf die Kritik reagiert. Gesichter und Autokennzeichen werden von einer eigens entwickelten Software automatisch unkenntlich gemacht. Erkennt sich jemand auf einem Bild und möchte nicht, dass er, sein Haus oder sein Auto zu sehen sind, könne er auf der Seite ein Problem direkt an Google melden, sagt Keuchel.

Widerspruch ist möglich

Auf Druck der Datenschützer können Nutzerbereits im Vorfeld, bevor die deutschen Straßenansichten online gehen, Google unter der Adresse streetview-deutschland@google.com anschreiben. So können auch Häuser unkenntlich gemacht werden, verspricht Keuchel. Der rheinland-pfälzische Datenschutzbeauftragte stellt vorsorglich auf seiner Internetseite eine schriftliche Widerspruchsvorlage zur Verfügung.
In der Schweiz, wo der Dienst seit wenigen Wochen online ist, berichtet die „Neue Züricher Zeitung“ in ihrer Online-Ausgabe, dass der eidgenössische Datenschutzbeauftragte Hanspeter Thür nun fordere, „Street View“ wegen Verletzungen der Privatsphäre sofort vom Netz zu nehmen. Es gäbe Fälle, dass Gesichter und Nummernschilder nicht richtig verpixelt seien. In Rheinland-Pfalz lässt die Landesregierung gerade die zivil- und urheberrechtliche Fragen von Experten klären.

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