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Graffiti-Künstler verwandeln Saarbrücken in Freiluft-Museum

Urban Art als echter Hingucker: Diese skurrile Variante des Abendmals von Leonardo Da Vinci der Künstlergruppe The Weird entstand 2012 beim Urban Art Meeting am Saar-Ufer.

Urban Art als echter Hingucker: Diese skurrile Variante des Abendmals von Leonardo Da Vinci der Künstlergruppe The Weird entstand 2012 beim Urban Art Meeting am Saar-Ufer.

Potsdam hat's – ein städtisches Graffitikonzept. Augsburg wollte, traute sich dann aber nicht – das Blumenmotiv eines Sprayers zum Stadt-Werbemotiv zu machen. Und München engagierte ihn, allerdings nur sehr kurz – einen Graffiiti-Beauftragten.

In die Aufzählung lässt sich ab Sommer 2017 auch die Landeshauptstadt Saarbrücken aufnehmen. Dann werden internationale und saarländische Urban-Art-Künstler die Innenstadt – vorrangig das Quartier zwischen Eurobahnhof/Kaiserstraße und Nauwieser Viertel/St. Johanner Markt – in ein Freiluft-Museum verwandeln.

 

Mit dem Segen des Ministers

Nicht illegal, wie zu Beginn der Sprayer-Bewegung, die in den 1980er-Jahren zunächst als anarchistische Subkultur in den Metropolen auftauchte und als Sachbeschädigung galt. Nein, in Saarbrücken werden die Künstler im Namen des saarländischen Kultusministers unterwegs sein.

 

Denn Ulrich Commerçon ( SPD ) hat das „Artwalk“-Projekt, das der Galerist Benjamin Knur (Galerie Neuheisel) und der Saarbrücker Graffiti-Künstler und Galerist Reso (Patrick Jungfleisch, Galerie Zimmerling & Jungfleisch) entwickelt haben, an sein Pop-Festival „Colours of Pop“ angedockt. Es wird ebenfalls 2017 erstmals an den Start gehen als beispielhafte Prestige-Unternehmung der von Commerçon aufgesetzten urbanen, jungen Kulturpolitik.

Knur und Jungfleisch zählen zu den Männern der ersten Urban-Art-Stunden im Saarland, initiierten 2010 die Urban-Art-Schau in der Möllerhalle des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, die sich als Biennale etabliert hat und bis dato rund 250 000 Besucher fand. „Die Graffiti-Kunst ist in den vergangenen Jahren immer stärker in Galerien und Museen hineingewandert. Wir bringen sie wieder an ihren originären Ort zurück, in die Straßen“, sagt Knur. „Mehr Demokratisierung geht nicht“, ergänzt Jungfleisch, „das Museum bewegt sich zu den Menschen.“ Beide sprechen von einem „Leuchtturmprojekt“, das die Stadt touristisch nutzen könne, auch für neue Zielgruppen. Insbesondere Paris mit seiner vitalen Urban-Art-Szene sehen sie als Werbemarkt.

Die riesigen Wandgemälde sollen mit der Stadt-Architektur verschmelzen. „Das wird ein Quantensprung für manches Quartier“, meint Reso. Wenn, ja wenn die Hauseigentümer mitziehen. Sie müssen ihre Hauswände zur Verfügung stellen, 15 sollen es zunächst sein. Für die Teilnehmer entstehen keinerlei Kosten. Und: „Die Künstler werden auf Urheberrechte verzichten. Die Hauseigentümer sind nach der Aktion auch Eigentümer des Kunstwerks und können frei darüber verfügen“, so Knur.

Es geht um die Senkung von Mitmach-Hürden; selbst Überstreichen ist erlaubt. Die Gestaltung mitbestimmen können die Immobilieneigentümer freilich nicht. Allerdings, so Knur und Jungfleisch, bemühe man sich um passende „Wahlverwandtschaften“ zwischen Künstlern und Eigentümern, damit es gar nicht erst zu Frust komme.

Der Zeitplan: Gestaltung der Wände zwischen Mai und September, Eröffnung der kompletten Kunstwander-Meile am 12. Oktober im Rahmen von „Colours of Pop“. Bereits jetzt haben die Artwalk-Intendanten 25 Wände als geeignet definiert, die Immobilieneigentümer wurden laut Knur angeschrieben, hätten in der Mehrzahl interessiert, nicht ablehnend reagiert.

Das Budget für „Artwalk“ liegt bei 300 000 Euro, wie viel davon das Kultusministerium zuschießt, ist offen. Gesucht werden neben begeisterungsfähigen Hauseigentümern noch Sponsoren.

Damit der Funke überspringen kann, zeigt die Sparkasse Saarbrücken im Finanzcenter Neumarkt ab 15. November Fotos von spektakulären Hauswänden, die Reso auf der ganzen Welt aufgenommen hat.

Kontakt: Galerie Neuheisel, Tel. (06 81) 3 90 44 60 und Galerie Zimmerling&Jungfleisch, Tel. (06 81) 38 37 89 88.

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