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Greesen reißen Macht an sich

In Saarwellingen haben gestern die Greesen das närrische Treiben fest im Griff gehabt.

In Saarwellingen haben gestern die Greesen das närrische Treiben fest im Griff gehabt.

Saarwellingen. Wehe, wenn sie losgelassen werden! Mit der „Plätsch“ (ein großer Fächer) in der Hand, den Kapotthut auf dem Kopf, der typischen Backenmaske im Gesicht und natürlich in allerbester Laune starteten die Greesen aus Saarwellingen gestern Morgen in ihren höchsten Feiertag. Das, was vergleichbar in anderen Regionen die Weiberfastnacht ist, nennt sich in Saarwellingen „Greesentag“, eine uralte Tradition, die dem alemannischen Brauchtum ähnelt. Gemeinsam mit den Karnevalsvereinen Gold-Blaue Funken und Rot-Weiße Funken sorgten die Greesen am Schlossplatz mächtig für Stimmung und kündigten die Entmachtung des Gemeindeoberhauptes an. Zwar zeigte sich Bürgermeister Michael Philippi gewohnt siegessicher, aber seine Stunden waren gezählt, daran ließ das närrische Volk keinen Zweifel.

Der Vormittag in Saarwellingen stand im Zeichen des Faasendnachwuchses. Der Greesentag startete mit einem Umzug, gestaltet von Kindern und Jugendlichen, begleitet von Karnevalisten und Musikvereinen und natürlich von den Greesen selbst. Nachwuchssorgen machen sich die „alten Weiber“ nicht, wie Marie-Louise Schüfer erklärte. Sie ist Vorsitzende des „Wellinger Greesen-Clubs“, der rund 100 Mitglieder zählt. „Zu uns kommen wieder mehr junge Leute, die Spaß daran haben, unser Brauchtum zu pflegen“, sagte sie. Eine „Grees“ lässt sich sprachlich mit einer „Greisin“ in Verbindung bringen, einem uralten Mütterchen. Und dementsprechend gekleidet sind die waschechten Greesen. Dass sich unter die „alten Weiber“ auch Männer trauen dürfen, geht auf eine der vielen Legenden um den Greesentag zurück. Im Mittelalter, als Saarwellingen ein Dorf des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation war und direkt an der Grenze zu Frankreich lag, waren es die einheimischen Männer, die sich als altes Mütterchen verkleideten, um dann Waren unter ihren Gewändern über die Grenze schmuggeln zu können. „Und ich bin einer von denen, die iwwerich gebliew sinn“, erklärte Roland, ein Mann zwischen den Greesen, augenzwinkernd. Für ihn ist es etwas Besonderes, dieses Brauchtum zu pflegen. Spaß an der Brauchtumspflege hat auch Walli. Sie ist seit 43 Jahren beim großen Saarwellinger Feiertag mit von der Partie. Warum? Das versteht sich von selbst: „Als echtes Wellinger Mädchen muss man Grees sinn“, sagte sie.
Und die Greesen feierten gestern tüchtig mit der Saarwellinger Narrenschar den Endspurt in der fünften Jahreszeit. Auf der Bühne versammelten sich am Morgen die Abordnungen der Karnevalsvereine, darunter das saarländische Prinzenpaar des Jahres, Prinz Thomas I. und Prinzessin Sarah I. von den Gold-Blauen Funken. „Ihr dürft Dummheiten machen, tanzen, singen und lachen. Der Platz ist für Euch reserviert, heut’ Abend wird der Bürgermeister abserviert“, rief die Prinzessin der Narrenschar zu. Auf Worte folgten Taten. Der Greesentag endete mit einer Riesenfete.
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