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Große Freude über Preise beim Filmfestival

Das große Finale beim 32. Filmfestival Max Ophüls Preis: Am Samstag sind die Preise des Saarbrücker Nachwuchsfilmfestivals vergeben worden.

Das große Finale beim 32. Filmfestival Max Ophüls Preis: Am Samstag sind die Preise des Saarbrücker Nachwuchsfilmfestivals vergeben worden.

Saarbrücken. Eine Schande sei das, fand der Ophüls-Preisträger Johannes Naber. Den Hauptpreis für seinen Film „Der Albaner“ meinte er natürlich nicht, sondern die Tatsache, dass der junge deutsche Film einfach nicht sein Publikum fände, mangels Unterstützung der Medien und mangels (kostspieliger) Werbung. „Da muss sich vieles ändern!“ Gemäßigt kämpferisch also ging die Preisverleihung am Samstagabend in der vollen Congresshalle zu Ende.

Jochen Schropp, bisher nur Eröffnungs-erprobt, moderierte mit charmantem Witz und roten Schuhen, die so hell leuchteten wie Bremslichter in einer mondlosen Nacht – kein Wunder, dass Laudator Christopher Buchholz, auf die Knie ging, um sie andächtig zu berühren. Die Preisverleihung dauerte ungewohnt kurze anderthalb Stunden – beschleunigt leider durch das Fehlen von Trailern und Ausschnitten: Es haperte an der Technik. Statt Filmszenen auf der Videowand liefen ein paar Tränen: die von Regisseurin Barbara Eder, als die Grand Jury ihrem Film „Inside America“ eine lobende Erwähnung zuteil werden ließ. Von denen gab es noch einige mehr, dazu einen Spezial-Preis (siehe Kommentar); überhaupt schien die Jury hart und lange mit sich gerungen zu haben, um dann ein paar Preise mehr zu kredenzen für einen Jahrgang, von denen viele Filme in ihrer Qualität auf einem Niveau lagen. Regisseur Dani Levy von der Grand Jury erklärte das Prozedere, das angesichts „so vieler starker Filme“ mehrere und hitzig diskutierte Runden gedauert habe. Zur Inspiration habe man zu sechst neun Flaschen Wein konsumiert (was erklären mag, dass Jury-Mitglied Cosma Shiva Hagen, der Levy eine „schizophrene weibliche Perspektive“ bescheinigte, vor der Preisverleihung schon abgereist war, „aus Gesundheitsgründen“, wie es hieß). Levys Anmerkung, man habe der Jury ja ansonsten wenig Verpflegung kredenzt, rief Kulturminister Karl Rauber zwar nicht auf die Bühne (da stand er nämlich schon), aber auf den Plan: Darum wolle er sich 2012 persönlich kümmern – auch wenn es gerade Kritik an hohen Restaurantrechnungen des einen oder anderen Saarbrücker Kulturschaffenden gebe.

Viele Dankesreden zeugten von ehrlicher Überraschung, gewonnen zu haben: Samira Radsi etwa, mit „Anduni – Fremde Heimat“ von der Defa-Stiftung ausgezeichnet, sei „schon längst am Bahnhof“ gewesen, als man ihr signalisiert habe, vielleicht doch noch nicht in den Zug zu steigen. Große Freude auch bei Peter Luisi, der mit seiner Komödie „Der Sandmann“ den Publikumspreis holte – schließlich war der Schweizer schon zum dritten und damit letzten Mal im Ophüls-Wettbewerb. Bei der Darstellerpreisträgerin Sarah Horváth (siehe unten) musste man zeitweise eine freudige Ohnmacht befürchten, sie bedankte sich schließlich „bei allen Leuten, die mich kennen“. Selbiges tat Martin Busker, Jungfilmer mit Krawatte (ein seltener Anblick), ausdrücklich nicht: An seinem prämierten mittellangen Film „Halbe Portionen“ an der Filmakademie Baden-Württemberg hätten Dozenten bis zuletzt herumgemäkelt und ihn als „völlig misslungen“ bezeichnet. „Wir mussten viel einstecken“. Das geht Dokumentarfilmern oft genauso. Deshalb mahnte Doku-Juror und Regisseur Uli Gaulke: „Lasst Euch von Redaktionen, die Euer Stoff nicht interessiert, nicht abwimmeln. Macht einfach immer weiter.“ Und, etwas weniger ermutigend: „So ein Preis allein hilft da auch nicht viel.“

Dass indes der Name von Ministerpräsidenten-Preisträgerin Güzin Kar (für „Fliegende Fische müssen ins Meer“) nicht ganz korrekt ausgesprochen wurde, nahm sie gelassen. „Immerhin wurde ich als Frau angekündigt – meine Krankenkasse schreibt mich seit Jahren als ‚Herr Kar’ an.“ Überraschend wurde der SR-/ZDF-Drehbuchpreis für zwei Produktionen geteilt – so überraschend, dass eine Trophäe noch nachgeliefert werden muss.
Viel Jubel gab es insgesamt an diesem gelungenen Abend – der lauteste galt den Hausherren, den Festivalleitern Gabriella Bandel und Philipp Bräuer.

Auf einen Blick
Alle Preise des Abends:
- Max Ophüls Preis 2011: „Der Albaner“ von Johannes Naber.
- Spezialpreis der Jury für „Inside America“ von Barbara Eder.
- Lobende Erwähnungen für „Tage die bleiben“ von Pia Strietmann und „180°“ von Cihan Inan.
- Preis des Saarländischen Ministerpräsidenten: „Fliegende Fische müssen ins Meer“ von Güzin Kar.
- Bester Kurzfilm: „Zwischen Himmel und Erde“ von York-Fabian Raabe.
- Lobende Erwähnung im Kurzfilm-Wettbewerb: „Armadingen“ von Philipp Käßbohrer.
- Der SR/ZDF-Drehbuchpreis geht zu gleichen Teilen an „Abgebrannt“, geschrieben von Verena S. Freytag und „Der Mann, der über Autos sprang“ von Nick Baker Monteys.
- Förderpreis der Defa-Stiftung: „Anduni“ von Samira Radsi.
- Bester Dokumentarfilm: „The other Chelsea“ von Jakob Preuss.
- Lobende Erwähnung im Doku-Wettbewerb: „Hüllen“ von Maria Müller.
- Preis für den Mittellangen Film (Publikumspreis): „Halbe Portionen“ von Martin Busker.
- Beste Nachwuchsdarstellerin: Sarah Horváth aus „Songs of love and hate“.
- Bester Nachwuchsdarsteller: Burak Yigit aus „Gurbet – Fremde Heimat“.
- Publikumspreis: „Der Sandmann“ von Regisseur/Autor Peter Luisi.
- Preis der Schülerjury: „Stationspiraten“ von Michael Schaerer.
- Interfilmpreis: „Silberwald“ von Christine Repond. red

Die Jurybegründungen sind zu finden unter: www.max-ophuels-preis.de


Meinung
Das Dilemma der Jury
Von SZ-Redakteur Thomas Reinhardt


Es war ein guter Wettbewerbs-Jahrgang. Solide bis starke Filme, handwerklich auf hohem Niveau. Aber es fehlten die überragenden Arbeiten, ein, zwei oder drei Filme, die so richtig begeisterten, fesselten oder auch schockierten. So wie 2010 „Schwerkraft“ oder „Picco“. So stand die Grand Jury vor einer schwierigen Aufgabe. Sie lobte, „mit wie viel Leidenschaft und starkem Anliegen die Filme gemacht wurden“, gab aber auch zu, dass der Weg zur Entscheidung „komplex, langwierig und emotional war“.

Die Juroren Cosma Shiva Hagen, Maximilian Erlenwein, Gottfried John, Dani Levy, Benedict Neuenfels und Heio von Stetten steckten sichtlich in einem Dilemma, ihre Entscheidung sieht nach einem Kompromiss aus. Der verständlich ist, aber nicht überzeugt. Denn die Jury vergab neben dem Hauptpreis an das starke, dokumentarisch anmutende Drama „Der Albaner“ von Johannes Naber noch drei (!) zusätzliche, nicht ausgelobte Preise: einen „Spezialpreis der Jury“ an „Inside America“ und zwei „Lobende Erwähnungen“ für „Tage die bleiben“ und „180°“. Anscheinend konnten sich die sechs Juroren nur so einigen. Johannes Naber, mit Jahrgang 1971 nicht gerade im Nachwuchsalter, hatte mit „Der Albaner“ schon beim Festival in Moskau zwei Preise geholt, und sein Film hat auch bereits einen Verleih (Kinowelt). Da hätte der Ophüls-Preis einem anderen Film weitaus mehr helfen können.

Hoch verdient ist der „Preis des Saarländischen Ministerpräsidenten“ für „Fliegende Fische müssen ins Meer“ von Güzin Kar. „Das poetische Märchen erzählt mit cineastischer Fantasie und Anarchie die berührende Geschichte einer dysfunktionalen Familie“, urteilt die Jury – und liegt damit goldrichtig. Das kann man auch der Schülerjury bescheinigen, die mit „Stationspiraten“ einen der packendsten Spielfilme auszeichnete.

Wenig Sinn macht es dagegen, die besten Nachwuchsdarsteller aus Filmen von Nebenreihen auszusuchen, wie in diesem Jahr Sarah Horváth („Songs Of Love And Hate“) aus dem Spektrum und Burak Yigit („Gurbet – Fremde Heimat“) aus dem Wettbewerb der mittellangen Filme. Diese Filme haben nur ein kleiner Teil der Zuschauer und Medienvertreter sehen können, der Aufmerksamkeitswert für diese Preise tendiert gegen Null.







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