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Großrosseler bekommt keine Pakete mehr von DHL zugestellt




Großrosseln. „60 Jahre lang hat es geklappt“, sagt Nikola Grepo am Telefon, „und jetzt plötzlich nicht mehr“ – der Großrosseler versteht die Welt nicht mehr. Genauer: die Deutsche Post. Deren Paket-Dienstleister DHL, berichtet Grepo, stelle seit Herbst 2012 keine Pakete mehr an seine Wohnadresse zu. Er habe hartnäckig nachgefragt. Beim Unternehmen selbst. Bei der Mairie im benachbarten Petite Rosselle, wo man aus allen Wolken gefallen sei: „Wir wissen von nichts, Monsieur!“ Im Großrosseler Rathaus. Dort, sagt Grepo, habe DHL jüngst Bescheid gegeben, dass es bei der Nicht-Belieferung bleibe. Nachdem er davon gehört hatte, rief Grepo bei der SZ an. Halb zornig, halb ratlos: „Wir haben doch Europa!“

„Europa“, das ist Voraussetzung für Grepos ungewöhnliche Wohnlage. Am Schafbach, so lautet seine Adresse – das liegt auf Großrosseler Bann. Doch keine Großrosseler Straße führt hin: Grepos Haus und das seiner Nachbarin Margit Rupp sind mit dem Auto nur von Frankreich aus zu erreichen, über die zu Petite Rosselle gehörende Rue de Fleurs. Wer die Bewohner der beiden Häuser besuchen will, muss über die Grenze. Wer sie beliefern will, muss es auch, ob es um Briefe oder Zeitungen oder eben um Pakete geht. Und da liegt das Problem: Die Paketzusteller, so hat DHL kurz und knapp der Gemeinde Großrosseln mitgeteilt, dürfen jetzt die Grenze nicht mehr überfahren.

Warum? „Wir könnten dadurch enormen Ärger kriegen“, sagt Unternehmenssprecher Heinz-Jürgen Thomeczek, „denn wir wissen ja nicht, was in den Paketen drin ist.“ Diana Weis, beim Hauptzollamt Saarbrücken zuständig für die Presse-und Öffentlichkeitsarbeit, präzisiert, wo der Hase im Pfeffer liegt. Grundsätzlich, sagt sie, sei der Warenverkehr innerhalb der EU zwar frei. Aber bestimmte Waren seien nationalen Abgaben unterworfen, den so genannten Verbrauchsteuern (siehe „Stichwort“). Und sobald bei solchen Waren ein Paket-Dienstleister ins Spiel komme, gelte der Transport als gewerbliche Angelegenheit, auch wenn das Paket von Privat an Privat gesendet werde.

Dann seien bei jedem Grenzübertritt der Waren Verbrauchsteuern fällig. Rolle das DHL-Zustellauto von Deutschland nach Frankreich, schulde DHL den Franzosen Abgaben – auf alle verbrauchsteuerpflichtigen Güter im Wagen, nicht nur aufs Paket für die Schafbach-Anwohner. Sobald das Auto wieder deutsches Hoheitsgebiet erreiche, habe Deutschland Anspruch auf Verbrauchsteuern. Rolle der Wagen dann von der deutschen Adresse Am Schafbach retour auf die französische Rue des Fleurs und von dort zurück auf deutsche Straßen, ändere die Ware jedes Mal ihren Status, sprich: eine neue Steuerpflicht entstehe – im speziellen Fall, bei dem das Zustellauto bei einer einzigen Tour x-mal die Grenze überquert, eine geradezu absurde Rechtslage.

Neu? Nein, sagt Thomeczek, es habe bisher nur niemand gemerkt. Und jetzt, da man drüber gestolpert sei, „können wir doch nicht tun, als wüssten wir's nicht“. Sein Rat: Nikola Grepo möge seine Pakete an die nächste Postfiliale liefern lassen. Dazu rät auch Diana Weis. Denn wenn eine Privatperson Waren für den eigenen Bedarf selbst über die Grenze karrt, dann ist die Sache steuerfrei.


Stichwort

Verbrauchsteuern sind, so kann man es auf der Internetseite des deutschen Zolls nachlesen, „Abgaben, die den Verbrauch oder Gebrauch bestimmter Waren belasten“. Es handelt sich dabei um nationale Abgaben, für die in den Ländern der Europäischen Union unterschiedliche Regelungen gelten. Mit Verbrauchsteuern belegt sind zum Beispiel alkoholische Getränke aller Art (von Bier über Wein und Schaumwein bis hin zu Hochprozentigem), Kaffee, Tabakwaren, Mineralöl, Strom und Energie. dd
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