Saarland: Saarbrücken St. Johann: Im Bereich des Meerwiesertalwegs kommt es zu Verkehrsbehinderungen durch Sanierungsarbeiten; Vollsperrung zwischen Einmündung Waldhausweg und Einmüdung Landessportschule. Voraussichtlich bis zum 05.05.2017 (20.04.2017, 13:23)

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Grube Velsen soll Industriekultur-Ort werden

Das Erlebnisbergwerk soll als Industriekultur-Ort für die Öffentlichkeit erhalten bleiben.

Das Erlebnisbergwerk soll als Industriekultur-Ort für die Öffentlichkeit erhalten bleiben.

Velsen. „Glückauf!“: Der Bergmannsgruß ist hier selbstverständlich. Aber irritierend. Führt doch der Weg zu diesem Ort, wo alles aussieht wie am Bergmanns-Arbeitsplatz unter Tage, nicht per Fahrkorb in die Tiefe, sondern einfach durch eine Tür geradeaus. Deckenlampen leuchten, sogar Heizung gibt es im Stollen. Das Gasmeldesystem ist in Betrieb, hat aber nichts zu messen; die kohlenschwarzen Brocken hinterm Streckenausbau sind aus Kunststoff, Schein statt Sein. „Wir sind hier im Buntsandstein“, sagt Christoph Engel: Im Erlebnisbergwerk Velsen, neben der alten Grube, schult die RAG Bildung junge Leute für die Tätigkeit unter Tage.

Die kennt Engel, Jahrgang 1965, selbst aus 16 Steiger-Jahren in Göttelborn. Als die Grube 1999 schloss, bildete er sich weiter, absolvierte ein Ingenieursstudium. Seit 2003 ist er bei der RAG Bildung Standortkoordinator für Velsen. Logistik, Hydraulik, Pneumatik, Automatisierungstechnik lernen Auszubildende dort. Und eben Untertage-Arbeit. Das Lehrbergwerk, sagt Engel sei in Deutschland einmalig, „in Europa zählt es mit zur Spitze“.

Aber seine Zukunft ist ungewiss: Wenn 2012 der Saar-Bergbau endet, wird Untertage-Ausbildung hierzulande nicht mehr gebraucht. Was der Eigentümer, der RAG-Konzern, dann tun wird mit dem Erlebnisbergwerk, ist offen. Der schlimmste Fall wäre für Engel, wenn die Stollen verfüllt würden. Er sähe sie am liebsten „als Industriekultur-Objekt“. Schon jetzt, berichtet er, „nutzen wir das Erlebnisbergwerk, um der Öffentlichkeit den Bergbau näherzubringen“: Gruppen können nach Anmeldung hinein.

Zwei bis drei Stunden lang bekommen die Gäste, zünftig mit Fahrmantel und Helm angetan, dann alles Mögliche über die Gewinnung des „Schwarzen Goldes“ zu sehen und erklärt, vom historischen Streckenausbau mit Holzstempeln bis zum Hydraulikschild, vom Sprengloch-Bohren (die Wand, an der die Lehrlinge es üben, sieht aus wie ein Schweizer Käse) bis zum funktionsfähigen Schrämlader, der, als er neu war, mal zwei Millionen Mark gekostet hat.

Der Tatort-Krimi „Das schwarze Grab“ ist hier gedreht worden. Zwei Drahtgeflecht-Kisten haben voriges Jahr 750 „Stollen im Stollen“ eines Saarbrücker Bäckers beherbergt, nach 100 Tagen bei völlig gleichmäßiger Temperatur und Luftfeuchtigkeit als „Grand cru“-Produkt preisgekrönt. Pläne, einen Stollenabschnitt als ungewöhnlichen Kulturort zu nutzen – Bänke, Vorhang, Scheinwerfer, Garderobenspiegel zeugen von ersten Versuchen, die Akustik ist phänomenal – hat das Bergamt durchkreuzt, der Sicherheit wegen: Es gibt nur einen Zugang. „Schade“, sagen Engel und sein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständiger Kollege Christian Böhmer bedauernd. Doch auch im Illusionsbergwerk gilt halt das Bergrecht.

Auf einen Blick

Das Erlebnisbergwerk Velsen wurde im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzbunker angelegt. Seit 1945 wird es für die Ausbildung genutzt. Heute ist es als realistisches Abbild eines Untertage-Betriebs ausgebaut: drei Sohlen, 700 Meter Strecken und Strebe, komplette Maschinerie.

Gruppenführungen (Kosten 7,40 Euro pro Person) sind nach Vereinbarung möglich, Kontakt: Tel. (06 81) 4 05-19 70, E-Mail erlebnisbergwerk@ragbildung.de dd

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