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Grüne fordern: Doktortitel nicht mehr im Ausweis

Berlin. Ist es ein Stück deutscher „Kulturtradition“ – oder schlicht nur Titelhuberei und Eitelkeit? Anders als in fast allen anderen Industrienationen können sich in Deutschland und Österreich Besitzer eines Doktortitels den akademischen Grad in Personalausweis und Reisepass eintragen lassen. Und auf der Kreditkarte macht sich der kleine „Dr.“-Zusatz vor dem Namen auch nicht schlecht. Doch für die Grüne Krista Sager ist das ein alter Zopf, der schleunigst abgeschnitten werden sollte. „Offenkundig tut es der Wissenschaft nicht gut, wenn der Dr.-Grad zu oft für gesellschaftliche Eitelkeiten genutzt werden kann“, sagt die Wissenschaftspolitikerin der Grünen-Bundestagsfraktion mit Blick auf die jüngsten Plagiatsaffären in Union und FDP. Auch der SPD-Politiker Dieter Wiefelspütz argwöhnt, dass der Doktor heute „leider Gottes“ zu einer Art „Adelstitel für Bürgerliche“ geworden ist.

Etwa 25 000 Promotionsarbeiten werden pro Jahr an deutschen Unis akzeptiert. In der überwiegenden Mehrzahl verbirgt sich dahinter jahrelanger Fleiß. Gut zwei Prozent eines Altersjahrganges erwerben in Deutschland den Doktortitel – fast doppelt so viel wie im Schnitt der wichtigsten Industrienationen.



Mit Annahme der Arbeit und Verleihung der Doktorwürde bescheinigt die Hochschule dem Kandidaten die Fähigkeit zum selbstständigen wissenschaftlichen Arbeiten. Für die weitere Karriere in Lehre und Forschung ist die Promotion die Regelvoraussetzung.  Doch auch außerhalb von Hochschulen und Forschungsinstituten ist der Titel im Berufsleben als Statussymbol gefragt. In der Chemie galt bis zur Neuordnung der Studiengänge die Promotion nahezu als Standardabschluss und Voraussetzung für einen guten Job. Immer mehr Juristen, Betriebswirte, Wirtschaftsmanager – und Politiker – wollten da nicht nachstehen.

Mit der Tilgung des „Dr.“ aus Ausweis und Pass will Sager den Doktor nun „aus der Sphäre von Statuskonventionen“ herauslösen und ihn „auf seine wissenschaftliche Bedeutung konzentrieren“ – nämlich als einen Qualifikationsnachweis für Wissenschaftler. Schließlich stehe auch bei anderen Berufen dieser Nachweis – etwa der „Dipl.-Ing“ oder der Meistertitel – nicht im Ausweis.

Die Grünen-Politikerin ist mit ihrer Auffassung nicht allein. Als Bundesinnenminister wollte auch Wolfgang Schäuble (CDU) 2007 mit der Reform der Ausweis- und Passgesetze den Doktortitel aus den amtlichen Dokumenten verschwinden lassen. Bei Kontrollen im Ausland hatte die deutsche Sonderregelung häufig zu Irritationen geführt. Das Innenministerium begründete zudem die Streichung auch damit, dass der Eintrag in das Dokument zusätzlichen Verwaltungsaufwand erfordere. Doch im Bundesrat liefen damals vor allem Bayern und Thüringen Sturm – mit Erfolg. Es entspreche „der deutschsprachigen Kulturtradition“, dass die akademische Qualifikation auch in Personaldokumenten sichtbar werde. Schließlich sei ein Doktorgrad „nicht nur Ausdruck einer besonderen wissenschaftlichen Leistung; er ist vielmehr auch im täglichen Gebrauch zur höflichen Anrede üblich“, schrieb Bayerns damaliger Innenminister Günther Beckstein (CSU) an seinen Amtskollegen Schäuble. Beide sind promovierte Juristen.

Meinung

Ein Beitrag zum Sommerloch

Von SZ-Redakteur Daniel Kirch

Dass den Grünen als Reaktion auf die jüngsten Plagiatsaffären nichts anderes einfällt als der Ruf nach Streichung des Doktortitels aus dem Pass, ist erbärmlich. Sicher, Eitelkeit mag für viele eine wichtige Antriebsfeder zur Promotion sein. Aber dass jemand jahrelang herumdoktert, nur damit der „Dr.“ am Ende im Pass steht, ist abwegig. Wenn die Grünen es ernst meinen, müssten sie den Titel überall dort verbieten, wo er tatsächlich als Statussymbol wahrgenommen wird: auf Visitenkarten, Briefbögen oder Praxisschildern. Ob ein akademischer Grad in den Pass gehört, darüber lässt sich ja diskutieren; es gibt durchaus ernstzunehmende Gründe dagegen, etwa der Verwaltungsaufwand. Aber im Zusammenhang mit den Plagiatsfällen wirkt die Grünen-Forderung eher wie ein Beitrag zum politischen Sommerloch.
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