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Grundschule zieht positive Zwischenbilanz des Inklusions-Projekts

  „Viel-leicht“, diktiert Sophie, und Annabelle schreibt langsam jeden Buchstaben auf. Gemeinsam üben die Mädchen die Rechtschreibung. Dabei ist Annabelle ein Jahr älter. Doch Deutsch lernt die Neunjährige derzeit mit den Zweitklässlern. Sie ist eines von vier Inklusionskindern in der Fledermausklasse der Maria-Montessori-Grundschule in Saarbrücken-Rußhütte und hat Trisomie 21, umgangssprachlich Downsyndrom genannt. Am Nachbartisch übt Förderschullehrerin Moni Görke-Strauß mit Leonie (9) das Nachzeichnen von Buchstaben, andere Kinder rechnen. In der Klasse lernen 23 Schüler von der ersten bis zur vierten Klasse gemeinsam.

Die Schule ist eine von elf im Saarland, die am Modellversuch Inklusion teilnimmt. Ihnen wurde ein um 25 Prozent erhöhtes Förderstundenkontingent sowie bis zu fünf zusätzliche Planungsstunden zugewiesen. Frontalunterricht ist in Rußhütte ein Fremdwort, freie Arbeit heißt das Montessori-Konzept. Klassenlehrerin Petra Stracke hilft bei Fragen und kontrolliert erledigte Aufgaben. „Das jahrgangsübergreifende Lernen eignet sich unserer Erfahrung nach gut für die Inklusion“, sagt sie. Es falle nicht so stark auf, wenn Förderkinder andere Lernziele hätten, da es ohnehin verschiedene Niveaus gebe. „Nach fast drei Jahren zeigt unsere Erfahrung: Inklusion tut allen gut, wenn die Ressourcen stimmen.“



Die behinderten Kinder würden von ihrem Umfeld angeregt und sie selbst profitiere von dem Wissen der Förderschullehrer. Aber auch nicht-behinderte Kinder hätten einen Nutzen: „Ihr Sozialverhalten hat sich verbessert. Sie akzeptieren leichter die Schwächen der anderen und ihre eigenen.“ Bereits vor dem Modellversuch gab es an der Schule Förderkinder. „Damals wurden jedoch die Förderschullehrer einem Kind zugeteilt. Jetzt sind sie Ansprechpartner für alle“, sagt Schulleiterin Marie Christine Jost. Positiv sei auch, dass die Förderschullehrer nun fest zum Kollegium gehörten und nicht mehr zwischen den Schulen pendeln müssten.

In Rußhütte hat sich das Konzept des Team-Teaching, also des gemeinsamen Unterrichtens von Regel- und Förderschullehrer, bewährt. Daher stehen die Lehrerinnen der Idee des Bildungsministeriums, Förderschullehrer künftig eher beratend einzusetzen, skeptisch gegenüber. „Wir müssen die Kinder kennen und im Unterricht erleben, um Empfehlungen aussprechen zu können“, sagt Förderschullehrerin Kristin Klein.Grenzen seien erreicht, wenn Gefahr für die Mitschüler bestehe. Daher sei die Inklusion von Kindern mit emotional-sozialer Behinderung am schwierigsten. Die Ausstattung der Schulen müsse verbessert werden. „Wir bräuchten zusätzliche Räume, wo wir mit den Kindern, wenn sie im Unterricht stören, mal kurz rausgehen könnten“, sagt Klein. Doch baulich darf an dem Gebäude nichts verändert werden, also auch kein Aufzug für körperbehinderte Kinder eingebaut werden.

Das Pilotprojekt läuft Ende des Schuljahres aus. Wie es an der Schule weitergeht, sei offen. Sie fürchten, dass es bei den vom Ministerium angekündigten 105 Förderlehrern für die 162 Grundschulen bleiben wird, und sie künftig weniger Förderstunden erhalten. „Dann würde die Qualität unserer Arbeit massiv leiden“, meint Petra Stracke.
Die Einführung der Inklusion kommt nach Meinung der Lehrerinnen zu schnell. Ihrer Ansicht nach wäre es besser, den Modellversuch schrittweise auszuweiten und die begrenzten Ressourcen konzentriert einzusetzen. Aktuell gebe es schlicht zu wenig Förderlehrer, selbst wenn das Land ausreichend viele einstellen wollte. „Man kann von Lehrern an Regelschulen, die bislang keine Erfahrung mit Inklusion gemacht haben, nicht erwarten, dass sie es jetzt einfach von heute auf morgen machen. Das braucht Zeit“, sagt Stracke.
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