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Guildo Horn suchte beim Konzert in St. Wendel die Nähe zum Publikum

„Summer in the City“: Hochbetrieb herrschte auf dem Schlossplatz beim Guildo-Horn-Konzert. Fotos: B&K

„Summer in the City“: Hochbetrieb herrschte auf dem Schlossplatz beim Guildo-Horn-Konzert. Fotos: B&K

„Ich bin von Wahnsinnigen umgeben.“ Diese SMS tippt eine junge Frau am Mittwochabend in ihr Handy. Da ist es 20.30 Uhr, Guildo Horn steht gerade eine Viertelstunde auf der Bühne. Tatsächlich sieht der Wiederbeleber des deutschen Schlager die Aussage „Der spinnt“ als Kompliment, wie er im Vorfeld der Veranstaltung „Summer in the City“ der Saarbrücker Zeitung verraten hatte. „Wahnsinnig“ dürfte ihm wohl auch gefallen. Es scheint so, als hagelt es an diesem Abend Komplimente. Denn die mehr als 5000 Besucher schätzen zum großen Teil die schrillen Kostüme, die extrovertierte Art des Trierers und die übertriebenen Bewegungen. Guildo Horn ist ein Original. Und seine Musik ist mehr als Schlager . Zum einen, weil er sie derart rockig präsentiert, dass an kitschige Liebesschwüre und Föhnfrisuren nicht zu denken ist. Zum anderen, weil er auch immer wieder internationale Elemente einbringt. Mal sind Teile von „Hey Jude“ zu hören, mal von „New York, New York“.

 

Und dann immer wieder Schlager , die er „die Sprache der Liebe“ nennt; eben neu interpretiert. „Betrachtet Euer Leben durch die Horn-Brille“, spornt der „Meister“, wie er von seinen Fans genannt wird, das Publikum an. Da ist er noch nicht zu sehen, nur zu hören. Und bevor er loslegt, stellt er die „vielleicht romantischste Kapelle Deutschlands“ vor: die Orthopädischen Strümpfe, die ebenso wie Horn für den 70er-Jahre-Look steht. In Blümchenhemd und Cord-Hose betritt Horn die Bühne. „Ich find' Schlager toll“, singt er zur Melodie von Joan Jetts „I love Rock'n' Roll“. Die Menge geht sofort darauf ein, singt lautstark mit. Innerhalb weniger Minuten hat Guildo Horn das Publikum im Griff. Mitsingen allein ist nicht gefragt, Horn bringt die Männer und Frauen gar dazu, auf ihrem Kopf mit den Händen einen Tannenbaum zu formen oder wie ein Häschen in die Luft zu springen.

 

In Bademantel und Nachthemd

„Griechischer Wein“, „Hier ist ein Mensch“, „Mendocino“, „Wunder gibt es immer wieder“, „Café Oriental“, „Dschinghis Khan“ , „Tränen lügen nicht“– die Liste seiner Lieder ist lang. Zwischendrin zieht er eine gelbe Leder-Imitat-Jacke an und macht auf Peter Maffay : „So bist Du“ steht auf dem Programm. Oder er lässt mit Kuhglocken – platziert auf einem Bügelbrett – „Er gehört zu mir“ erklingen. Er kommt im Bademantel à la Udo Jürgens auf die Bühne oder zu „La Le Lu“ im Nachthemd.

 

Fast zwei Stunden lang steht Horn auf der Bühne – oder auch mal davor, mischt sich ins Publikum, schüttelt Hände und klettert auf einen Tisch. Immer wieder spricht er die Behinderten der Lebenshilfe , die in einem abgesperrten Bereich vor der Bühne stehen, direkt an, lässt sie ins Mikro singen. Viele von ihnen in der „VIP-Lounge“, wie es Horn ausdrückt, sind sichtlich erfreut, dem Sänger so nah zu sein, herzen ihn. Schließlich ist er „einer von ihnen“, wie es Hermann Scharf, einer der beiden Lebenshilfe-Geschäftsführer, im Vorfeld der Veranstaltung ausdrückte. Das verdankt Horn seiner Sendung „Guildo und seine Gäste“, die sich mit dem Alltag der Behinderten beschäftigte. Daher bezeichnet ihn Peter Schön, ebenfalls Geschäftsführer bei der Lebenshilfe , als „Botschafter unserer Sache“. Er sei absoluter Wunschkandidat für das Konzert im Jubiläumsjahr – die Lebenshilfe wird 50 – gewesen. Schön zeigt sich dankbar, dass die Schlossplatzwirte von Manin und Journal „diese Idee mitgetragen haben“. Denn gefeiert werden solle so, wie man es in St. Wendel gewohnt sei: „Jung mit Alt, Groß mit Klein, Menschen mit und ohne Behinderung.“ Für Guildo Horn geht Inklusion noch einen Schritt weiter: „Meine Inklusion wäre, wenn es diese Barriere nicht gäbe und wir alle hier gemeinsam stehen würden – vielleicht das nächste Mal.“

 

Was sich viele Fans fürs nächste Mal mit Sicherheit auch wünschen: eine präzise Angabe der Anfangszeit. Kommunizierter Veranstaltungsbeginn war 19 Uhr. Allerdings standen die Massen, die sich zum Teil schon deutlich früher ihren Platz vor der Bühne gesichert hatten, sich die Beine in den Bauch. Sie dachten, mit Veranstaltungsbeginn kommt auch Guildo Horn . Aber erst um 20 Uhr betrat Peter Schön, eine Viertelstunde später Guildo Horn die Bühne. Das sorgte für Unruhe im Publikum, so mancher Fan machte seinem Unmut mit nicht unbedingt netten Rufen Richtung Bühne Luft. Eine ältere Frau kippte bei schwülen Luft-Verhältnissen kurz nach Beginn des Konzertes sogar um – schnell halfen andere Fans mit Wasser; legten ihre Beine hoch. Wenige Minuten später verließ sie ihren guten Platz vor der Bühne. Nach Angaben der Lebenshilfe war es von Anfang an so vorgesehen, um 20 Uhr mit dem Konzert zu beginnen und vorher Musik vom Band laufen zu lassen. Nur hätten das die Fans gerne gewusst. So war es fast zum Wahnsinnig-werden.
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