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Gut besuchte Bürgerversammlung zum geplanten Neubaugebiet auf dem Scheidterberg

Nachrichten aus der Region Saarbrücken.

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Der Andrang im Pfarrheim der katholischen Gemeinde St. Ursula in Scheidt war riesig, als die Interessengemeinschaft Wacholderfeld die Aussprache mit Stadtratsmitgliedern und der Verwaltungsspitze suchte. Die Mehrzahl der Menschen vom Scheidterberg will nämlich nicht, dass das Wacholderfeld als Wohngebiet erschlossen wird. Die Anwohner befürchten, dass sie hohe Erschließungskosten zahlen müssen, weil die Stadt die Straße durch ihr Wohngebiet ausbauen müsste.

Bei weit mehr als 200 Interessierten mussten einige sogar auf der Bühne des Pfarrsaals Platz nehmen, anderen blieb nur ein Stehplatz. Nur die Personen, welche die Interessengemeinschaft am sehnsüchtigsten erwartet hatten, waren nicht da: Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz und Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer.

Letztere hatte noch nicht einmal, wie bemängelt wurde, ihre Chef-Stadtplanerin Monika Kunz geschickt, sondern lediglich zwei bedauernswerte Mitarbeiter, die ihre Chefin entschuldigen durften und sonst kaum Auskünfte erteilen konnten. Im September, so hieß es, sei die offizielle Bürgerbeteiligung zum Bauvorhaben geplant, dann werde die Stadt einladen, und dann sei auch Wandel- Hoefer vor Ort.

So war der Vortrag des Biologen Ulrich Warnke interessantester und wichtigster Punkt während der gut zweistündigen Versammlung. Sein Gutachten hatte es tatsächlich in sich. Er berief sich auf allerhand Erlasse, Verordnungen und Gesetze vom Landesentwicklungsplan bis hin zu europäischen Gesetzen, die ihn zum Fazit brachten: „Die Sache kann nicht funktionieren.“

Zum Beispiel sei ein Großteil des Wacholderfeldes nach geltendem Umwelt-Entwicklungsplan „Sukzessionsfläche“, auf der seltene Tiere und Pflanzen gedeihen sollen. Unter anderem etliche Wesen, die auf der Roten Liste bedrohter Tierund Pflanzenarten stünden. Warnke nannte unter anderem Kreuz- und Wechselkröten sowie allerhand Fledermausarten. Zudem sei das Gebiet wichtig, unter anderem für die Kaltluftzirkulation und die Wasserqualität in der Stadt. Nicht zuletzt gebe es auch noch eine Richtlinie, die besagt, dass neue Flächen nur versiegelt werden sollen, wenn bereits versiegelte Flächen zum selben Zweck nicht geeignet seien. Im Klartext: Grüne Wiese soll nur zugepflastert werden, wenn es nicht anders möglich ist. Friedhelm Fiedler, Chef der FDP-Fraktion im Stadtrat, sieht das Warnke-Gutachten als einen guten Trumpf der Interessengemeinschaft. Außerdem griff er Wandel-Hoefer scharf an: „Wie sie wie ein Panzer über Bürgerinteressen hinwegfährt, geht mir auf den Keks.“ Außerdem warf er ihr bei aller Fachkompetenz „Unvermögen“ vor.

Er steigerte sich gar so in die Sache, dass ihn Stadtratskollege Guido Vogel-Latz von den Grünen ermahnte, die Lage nicht weiter zu verschärfen. Ein klares Nein zum Baugebiet sagte Fiedler aber ebenso wenig wie Sozialdemokrat Günter Karcher, Gabriele Ungers von der Linken oder Christdemokrat Uwe Conradt. Fiedler: „Man darf nicht vergessen, dass sich auch andere Menschen wünschen, im Grünen zu leben.“

Karcher kritisierte, das Baugebiet sei zu groß. Nur Guido Vogel-Latz und die Sozialdemokratin Sylvia Josette Schuhe sprachen sich gegen das Neubaugebiet aus. Übrigens waren nicht alle Bürger gegen die Erschließung des Wacholderfeldes. „Einige Grundstücksbesitzer würden ihr Grundstück auch gerne einmal nutzen können“, war da zu hören.

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