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Hängepartie beim Hochhaus-Bau: Kein Einzugstermin für HTW in Sicht

Seit 2013 steht das fertige HTW-Hochhaus leer. Foto: R. Lorenz

Seit 2013 steht das fertige HTW-Hochhaus leer. Foto: R. Lorenz

Wer vom Westen über die Stadtautobahn nach Saarbrücken kommt, kann das neunstöckige Hochhaus kaum übersehen. Was als das größte Bauvorhaben in der Geschichte der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) startete, hat sich zu ihrem größten Problem ausgewachsen. Im schlimmsten Fall könnte das Land wegen der Bau-Pannen am Hochhaus auf Kosten in Millionenhöhe sitzen bleiben, mahnt der Grünen-Fraktionsvorsitzende Klaus Kessler .

Das Gebäude an der Malstatter Brücke scheint eigentlich fix und fertig, doch wegen Mängeln beim Brandschutz steht es seit über zwei Jahren leer. Jeder Tag dieses Leerstands verursacht Kosten, allein die Miete für diverse Ausweichquartiere der HTW beläuft sich Monat für Monat auf rund 45 000 Euro, wie aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervorgeht. Hinzu kommen laut Christian Seiwert, Sprecher der OBG Hochbau , die den Umbau im Auftrag des Investors durchgeführt hat, Betriebskosten für das leerstehende Gebäude in Höhe von monatlich rund 40 000 Euro.

„Doch das ist aller Voraussicht nach nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Klaus Kessler . Dass die Gesamtkosten des größten Problems im saarländischen Hochschulbau viel höher ausfallen, zeigt ein Blick auf die Liste der notwendigen Nachrüstungen beim Brandschutz . Sie müssen an dem Gebäude durchgeführt werden, bevor es von der Hochschule bezogen werden kann. Die Landesregierung listet in ihrer Anwort auf die Grünen-Anfrage, die lediglich „einen groben Überblick“ über die notwendigen Nachbesserungen liefern soll, insgesamt neun Maßnahmen auf. Da ist dann etwa die Rede vom „Anbau von zwei neuen Sicherheitstreppenhäusern, eines davon mit Keller“, vom „Einbau einer Druckbelüftungsanlage in einem der neuen Treppenhäuser“, vom „Anbau einer neuen Treppe aus dem Untergeschoss“, von der „Außerbetriebnahme eines vorhandenen innenliegenden Treppenhauses“ und der „Errichtung von notwendigen Fluren“. Die Antwort schließt mit der Bemerkung: „Die Aufstellung ist keineswegs vollständig, insbesondere die vielen Anpassungsmaßnahmen in den Geschossen lassen sich nur schwer fassen“.

Im Dezember hatte die Bauaufsicht grünes Licht gegeben und die Genehmigung für den Umbau des Gebäudes erteilt. Nun ist es am Investor, der Falko GmbH in München, die das Gebäude im Auftrag der Landesregierung umbaut, die Festlegungen zu prüfen und auszuwerten. „Das, was die Bauaufsicht fordert, ist an der Grenze dessen, was angemessen ist“, sagt Wolfgang Memminger, Geschäftsführer der Falko GmbH, gegenüber der SZ. Er will sich zum aktuellen Zeitpunkt weder zur Höhe der Kosten für die geforderten Maßnahmen noch zu einem möglichen Einzugstermin für die HTW äußern. Land und Investor müssen sich nun darüber einigen, wer für den Millionenschaden aufkommt. Die Frage sei „keineswegs unstrittig“, bisher gebe es jedoch keinen Rechtsstreit mit der Landesregierung, sagt Memminger.

An dem pannenreichen Bau-projekt sind zahlreiche Vertragspartner beteiligt. Laut der LHI Leasing, die die Finanzierung des Projekts strukturiert, handelt es sich bei dem Bauvorhaben um ein sogenanntes PPP-Inhabermodell. Dabei übernimmt ein Privatunternehmen Planung, Bau, Finanzierung und Betrieb für eine Immobilie, die von der öffentlichen Hand genutzt wird und ihr Eigentum ist. Zum Projektteam zählen neben der Falko GmbH als Vertragspartner des Saarlandes die Architekturbüros Wandel-Hoefer-Lorch und Starmans sowie die Bauunternehmen d&b Bau und die OBG Hochbau aus Ottweiler. Der Betriebszeitraum ist auf 25 Jahre ausgelegt.

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft platzt unterdessen mit über 6000 Studenten aus allen Nähten. Nach ursprünglichen Plänen sollten die ersten Studenten die neuen Räume im ehemaligen Gesundheitsamt im Oktober 2013 beziehen. Im Frühjahr 2013 legte ein externer Gutachter für die Obere Bauaufsichtsbehörde (OBA) ein Gutachten vor, laut dem alle Brandschutzbestimmungen in dem 13-geschössigen Neubau erfüllt seien. Doch im Oktober stellte die Untere Bauaufsichtsbehörde (UBA) dann ein gegenteiliges Gutachten aus: Statt der vorgeschriebenen Brandschutztüren seien Rauchschutztüren verbaut worden. Das Problem könne jedoch rasch behoben werden, erklärte das Finanzministerium, das dieses Bau-Projekt für die Landesregierung koordiniert. Drei Wochen später wurde bekannt, dass die Baumängel offenbar gravierender waren, als bisher gedacht. Seither wurde die Hochschule vertröstet, Einzugstermine wurden angekündigt und immer wieder verschoben. Allein die Mietkosten für Ausweichquartiere der HTW zwischen Oktober 2013 und Dezember 2015 belaufen sich auf über 1,4 Millionen Euro.

Die Fehler hätten der Landesregierung als Auftraggeber bereits viel früher auffallen müssen, moniert der Grünen-Fraktionsvorsitzende Klaus Kessler . Das Hochhaus sei mittlerweile zum „Symbol für das Missmanagement des Landes bei Bauvorhaben“ geworden.
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