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Häusliche Gewalt im Saarland: Über 900 Fälle im Jahr 2009

 Seit 2007 gibt es in Saarbrücken eine saarlandweite Interventionsstelle für Opfer häuslicher Gewalt - zu 94 Prozent sind es Frauen. Jetzt wurde der Jahresbericht für das Jahr 2009 vorgestellt.

Saarbrücken. „Du bist schuld!“ Das hören Frauen, die häusliche Gewalt erleben, oft. Viele glauben es und suchen die Schuld bei sich. Sie wurden geschlagen, bedroht, unter Druck gesetzt. Ziel der saarlandweiten Beratungs- und Interventionsstelle für Opfer häuslicher Gewalt in Saarbrücken ist es, die Frauen zu stärken, sie über Beratungsangebote zu informieren und ihre Rechte aufzuklären. „Für viele ist es ein Aha-Effekt zu erfahren: Es geht mir nicht alleine so. Denn häufig sind die Frauen isoliert, weil Täter in Gewaltbeziehungen eine starke Kontrolle ausüben“, sagt Christine Theisen, die die Interventionsstelle leitet. Auffallend oft sei bei der Gewalt Alkohol im Spiel.

Über 900 Fälle gab es im vergangenen Jahr im Saarland, so der aktuelle Bericht für das Jahr 2009. Tendenz steigend. Mit 88 Fällen sei dieser Juli der stärkste Monat seit Gründung der Interventionsstelle 2007 (siehe Auf einen Blick) gewesen. „Das könnte an den Ferien liegen, weil Familien im Urlaub auf engem Raum wohnen, oder daran, dass die Stelle immer bekannter wird“, mutmaßt Theisen.
 
Die Interventionsstelle arbeitet proaktiv, das heißt, sie nimmt Kontakt zu den Opfern auf. Sobald die Polizei einen Fall häuslicher Gewalt aufnimmt und das Opfer einverstanden ist, bekommt die Interventionsstelle ein Fax mit den Kontaktdaten. „So erreichen wir Menschen, die die Beratungsstelle sonst nicht aufsuchen würden, weil sie sich schämen oder anonym bleiben wollen. Das schließt eine Beratungslücke“, sagt Theisen. 80 Prozent der Beratung läuft telefonisch. „Zu den Opfern rauszufahren, können wir personell nicht leisten, auch wenn das wünschenswert wäre“, sagt Theisen.

152 Betroffene nahmen 2009 den Beratungstermin nicht wahr

Das Beratungsgespräch findet meist innerhalb von ein bis zwei Tage nach der Tat statt und dauert bis zu eineinhalb Stunden. Die Opfer zu schützen, stünde an oberster Stelle. „Wenn wir den Täter als gefährlich einschätzen, raten wir dazu, Frauenhäuser aufzusuchen oder den Täter von der Wohnung verweisen zu lassen.“ Das ist seit 2002 durch das Gewaltschutzgesetz möglich. Außerdem werden die Opfer weiter vermittelt – zu Beratungsstellen, Therapeuten, Anwälten oder Frauenhäusern. Welche Konsequenz die Frauen aus der erlebten Gewalt und aus der Beratung ziehen, bleibt unklar. „Wir wissen nicht, wie es danach weitergeht“, sagt Theisen.

Oft ist es für die Opfer schwierig, aus einer Gewaltbeziehung auszubrechen. 152 Betroffene nahmen 2009 den Beratungstermin nicht wahr. „Oft heißt es dann, dass sich das Problem wieder geregelt hat. Wenige schaffen es beim ersten Anlauf.“ Etwa ein Fünftel der Betroffenen haben Migrationshintergrund. An diese Gruppen heranzukommen, sei besonders schwierig. „Für Frauen aus Sri Lanka oder der Türkei gehört Gewalt zum Alltag und wird nicht als Straftat angesehen. Da gibt es eine hohe Dunkelziffer“, sagt Theisen.

Die Opfer häuslicher Gewalt sind mit 94 Prozent nach wie vor fast nur Frauen. Die männlichen Opfer würden eher von Ex-Partnern oder erwachsenen Söhnen geschlagen. „Dass nur die Frau den Mann schlägt, kommt sehr selten vor. Häufiger ist eher, dass Mann und Frau sich gegenseitig schlagen und wechselseitig Anzeige erstatten“, erklärt Theisen.

Auf einen Blick

Die saarlandweite Beratungs- und Interventionsstelle für Opfer häuslicher Gewalt wurde im Februar 2007 als Folge des Gewaltschutzgesetzes gegründet. Die Stelle wird zu 90 Prozent vom Land finanziert. Träger ist der Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) Ortsverein Saarbrücken in Kooperation mit dem Caritasverband Saarbrücken.

Laut polizeilicher Statistik gab es 2009 im Saarland 2615 Fälle häuslicher Gewalt, davon sechs Tötungsdelikte. Die Interventionsstelle betreute 916 Fälle – 44 Prozent davon wurden einmal oder öfter beraten. 96 Prozent der Opfer waren Frauen. Bei 61 Prozent der Betroffenen lebten Kinder. Diese Zahlen haben sich im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert, allerdings hat sich der Anteil der Frauen, die sich von sich aus melden, auf 13 Prozent verdoppelt. Der Großteil der Betroffenen stammt mit 45 Prozent aus dem Regionalverband Saarbrücken, darauf folgt Neunkirchen (18 Prozent) und Saarlouis (16 Prozent). Aus dem Landkreis St. Wendel stammten nur 2,3 Prozent der betreuten Opfer.  mwi
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