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Hahnsinn! Schafbrücker zieht gegen Gockel vor Gericht

Schafbrücke. Bei minus fünf Grad und Schnee hält Hahn Uli am liebsten den Schnabel. Er guckt stumm, aber aufmerksam in den Tag oder nach seinen sechs Hennen und kräht fast gar nicht. An warmen Tagen allerdings können es schon einmal 53 oder gar 133 Verlautbarungen werden. Das jedenfalls hat ein Nachbar im September gezählt – und zwar als Beweismittel. Ihn stört das Gekrähe derart, dass er verlangt, man möge den Hahn zum Schweigen bringen. Das besondere an dem Fall: Uli ist der Hahn der Montessori-Schule am Geisberg in Saarbrücken-Schafbrücke.

Es gibt in Deutschland tausende Urteile diverser Gerichte und Obergerichte, wann, wo, in welcher Zahl und wie laut Hähne krähen dürfen und wann ihre Emissionen „Ruhestörung“ sind. Teilweise widersprechen sich die Entscheidungen auch, wobei zu berücksichtigen ist, dass die Gerichte in ländlichen Regionen zu anderen Schlüssen neigen als in Ballungszentren. Hobbyhalter werden mitunter anders eingeschätzt als gewerbliche Züchter.

Uli soll den Schnabel halten

Wie es aussieht, landet die Schafbrücker Angelegenheit vor dem Saarbrücker Amtsrichter, wenn nicht noch eine Einigung erzielt wird. Die Montessori-Schule will dem Beschwerdeführer einen Vergleich anbieten: Er zahlt eine Spende von einigen hundert Euro. Mit diesem Geld wird eine Behausung errichtet, die zumindest das als besonders störend empfundene morgendliche Krähen unterbindet. Uli würde quasi ausgetrickst, weil man ihm die Morgendämmerung verheimlichte und würde erst zu krähen anfangen, wenn der Nachbar auf der Arbeit ist.



Dass Uli ein Ärgernis darstellen könnte, ist für die Verantwortlichen und die Kinder der Schule schwer zu begreifen. Schulleiter und Hahn-Namenspate Uli Basselli versichert, dass der Hahn lediglich von einer einzigen Person nicht gelitten sei. Die ganze Nachbarschaft nehme die Hühner erfreut oder zumindest gleichgültig zur Kenntnis. Die 120 Schüler litten beim Lernen nicht unter dem Gekrähe. Es falle weit weniger auf als der Lärm der Autos oder der Flugzeuge aus Ensheim. Eine Lärmmessung habe ergeben: Die Montessori-Schule ist ohne Hahn 50 Dezibel laut, mit Hahn 55 Dezibel.

Angeleitet von Geflügelzucht-Experten, hatte die Schule vor zwei Jahren Hahn und Hennen angeschafft, alles seltene Rassetiere. Die Montessori-Pädagogik sei „im Leben angesiedelt“, die Kinder lernten einen pfleglichen und verantwortungsbewussten Umgang mit der Kreatur, erklärt Basselli. Eine eigene Hühner-Gruppe, betreut von Lehrerin Nina Utesch, trägt Sorge, dass es Uli und seinen Hennen an nichts mangelt, die Eier werden in der Küche verbacken. Ob das noch lange weitergeht? Ein Schulhahn ist deutschlandweit jedenfalls etwas Einmaliges, und so ist es womöglich an Uli, ein wegweisendes Urteil anzustoßen und damit Rechtsgeschichte zu schreiben.
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