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Hammerkopf-Förderturm Camphausen ausgezeichnet – In Zukunft Erlebniskultur?

Der Hammerkopfturm (erster Stahlbetonförderturm der Welt) der alten Grube Camphausen in Fischbach.

Der Hammerkopfturm (erster Stahlbetonförderturm der Welt) der alten Grube Camphausen in Fischbach.

An Tagen wie diesen will man nur zu gerne glauben, dass die saarländische Harmonie eine harte Zukunftswährung ist. Denn alle, die beim Umnutzungs-Pokerspiel um Fördergelder angeblich tricksen und die Dynamik bremsen, bezeugten gestern in ihren Festreden für den Hammerkopf-Förderturm Camp-hausen IV (1911/12), wie erfolgreich die Kooperation lief, die 2015 zum ersten Ideenwettbewerb für die Folgenutzung des Montandenkmals führte. Das Wirtschaftsministerium, die RAG Montan Immobilien GmbH, die RAG Stiftung und die Gemeinde Quierschied trugen ihn mit – geht doch. Es geht vor allem dann, wenn es, wie in Camphausen, einen persönlich Engagierten gibt, der nationale Mitstreiter zusammentrommelt. Frank Rogmann, Präsident der Ingenieurkammer des Saarlandes, bereitete die Auszeichnung zum „Historischen Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst“ vor (die SZ berichtete), und sorgte dafür, dass die Bundesingenieurkammer den Standort-Wettbewerb auslobte.

Menschen machen Monumente, das stand unsichtbar über der Veranstaltung. Ein Beispiel dafür ist auch Bundesjustizminister Heiko Maas ( SPD ). Vor Jahren, als Saar-Wirtschaftsminister, entdeckte er das damals von der CDU nicht mehr besetzte Industriekultur-Thema für sich. Heute sitzt Maas im Kuratorium der RAG Stiftung. Er und seine Nachfolgerin Anke Rehlinger ( SPD ) beeindruckten den Präsidenten der Bundesingenieurkammer, Hans-Ullrich Kammeyer, wie der sagte. Selten habe er eine „so herzliche Annahme“ der von der Kammer ausgezeichneten Bauwerke erlebt wie im Saarland. Tatsächlich hatten Maas und Rehlinger in ihren Grußworten die identitätsprägende Kraft des Bergbaus nicht nur klischeehaft geschildert, sondern mit Überzeugung. Rehlinger sagte, nachfolgende Generationen sollten das Saarland verstehen können: „Es muss Orte geben, die erklären, warum wir hier Glückauf sagen.“ Auch der Festvortrag von Delf Slotta (Wirtschaftsministerium) verrückte die Perspektive vom Monument zu den Menschen. Industriekultur sei keine „dröge Sache“, sagte er. Slotta verwies auf den Bergmannsverein Fischbach-Camp-hausen und auf Orte, an denen man „die saarländische Seele“ spüren könne wie in der „Knubbe Stubb“. Im Saarland kumulieren 261 Jahre Bergmannsgeschichte, so Slotta.

In Camphausen könnte die Zukunft Erlebniskultur heißen. Starke Bilder kamen durch die Präsentation des Siegerkonzeptes für Camphausen IV (Andreas Brandolini, Burkhard Detzler, Gerhard Ospelt) in die Schachthalle: Ein turmhoher verglaster Aufzug, der multimedial bespielt wird, eine akustisch und visuell inszenierte Treppenskulptur erschließen die Riesenmaschine von innen. Besonders beeindruckte und berührte die durch Videoprojektionen belebte Fassade. Unter anderem erschien dort der auf gigantische Größe gebrachte Kopf eines Bergmannes – eine Landmarke mit menschlichem Antlitz. Doch kommt es überhaupt so weit, wenn die RAG das Gelände wegen der Grubenwasseraufbereitung gar nicht freigeben will oder kann? Der Vorsitzende der Geschäftsführung der RAG Montan Immobilien , Hans-Peter Noll, bekannte sich zu einer Standort-Folgenutzung: „Wir blockieren hier nichts. Wir sind stolz auf diesen Standort und verstecken ihn nicht.“

 

Meinung:
 

Wer klug ist, baut vor

Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus

Zäh läuft die Standortentwicklung der Bergbau-Brachen nicht nur in Camphausen. Ist die RAG schuld? Oder das Land, das die Verhandlungen nicht mit Nachdruck führt? Dass das niemand so genau weiß, der Konflikt öffentlich gar nicht ausgetragen wird, zeigt bereits, wie wenig Relevanz Regierung wie Opposition dem Thema beimessen: Man lässt es schleifen. Das könnte sich rächen. Mit jedem Jahr, das nach dem Bergbau-Ende vergeht, wächst das kollektive Bedürfnis nach Ankerpunkten für die Erinnerung. Die Bürger werden ihr Recht auf Erbe einfordern. Es könnte also von Weitsicht zeugen, würde sich jetzt ein Regierungsmitglied richtig ins Zeug legen.
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