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Hart am Limit mit Alkohol

Dabei sein, mitmachen – junge Leute sind für Alkoholexzesse empfänglich. Foto: Steffen Füssel/dpa

Dabei sein, mitmachen – junge Leute sind für Alkoholexzesse empfänglich. Foto: Steffen Füssel/dpa

„Ich war mit ein paar Freunden unterwegs. Sie waren so zwischen 13 und 24. Wir hatte eine Flasche Wodka , einen Kasten Cola-Bier und eine Flasche Apfelkorn. Ich hatte eine Woche nichts gegessen und habe die halbe Flasche Wodka geext und noch von dem Rest getrunken. Dann, etwa eine Stunde später, lag ich ohnmächtig da, ungefähr 15 Minuten. Jemand hat den Krankenwagen angerufen und ich lag später im Krankenhaus. Es war alles 2014, da war ich noch 13.“ So schildert ein junges Mädchen in der Neunkircher Caritas-Beratungsstelle „Die Brigg“ einen heftigen Alkoholexzess.

 

Im Internet ist es auf der Seite der Landesregierung nachzulesen: Etwa 10,4 Millionen Deutsche trinken Alkohol in „gesundheitlich riskanter Form“, 1,7 Millionen gelten als abhängig. Jeder fünfte junge und jugendliche Mensch bis 25 Jahre hat regelmäßige Erfahrung. Die volkswirtschaftlichen Kosten werden auf jährlich über 20 Milliarden Euro geschätzt. Die Droge Alkohol ist gesellschaftlich akzeptiert, was jungen Leuten den Missbrauch wie beim Komasaufen leicht macht. „Das Komasaufen ist leicht rückläufig im Saarland, aber immer noch relativ stark verbreitet“, sagt Horst Arend, Fachdienstleiter des Beratungs- und Behandlungszentrums der Caritas in Neunkirchen . „Die Brigg“ kümmert sich um junge Leute und deren beginnendes Suchtverhalten mit einer ganzen Reihe von Ansätzen, von der Suchtprävention in der Schule bis zum Beratungsgespräch. Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es beim Thema Alkohol nicht mehr. „Das Verhältnis von Jungs und Mädchen ist annähernd gleich“, sagt Ute Müller-Biehl, auf ihre jungen Klienten angesprochen.

 

Die Sozialarbeiterin führt Gespräche mit jungen Leuten, die unter anderem von Schulen, Jugendhilfe oder Kliniken an sie verwiesen werden. Die meisten sind zwischen 13 und 16 Jahre alt, in Ausnahmefälle aber auch erst elf. 21 Jungs und Mädchen landeten 2015 beim „Halt“-Projekt, die höchste Zahl über die vergangenen vier Jahre hinweg.

 

Mit dem Bundesmodell-Projekt „Halt“, ein Kürzel für „Hart am Limit“, leistet die Brigg seit acht Jahren Aufklärungsarbeit im Kreis. Jüngster Hingucker ist ein Linienbus. Auf ihm finden sich kernige Sprüche wie „Große Probleme löst man nicht durch Kurze“ oder „Anerkennung gibt es nicht in Dosen“. Der „Halt“-Bus der NVG ist seit März unterwegs. Beide Bus-Seiten sind plakatiert. Auf der einen Seite werden die Jugendlichen angesprochen, auf der anderen die Erwachsenen, die sich ihrer Rolle als Vorbild bewusst werden sollen. Er fährt auf wechselnden Strecken, sagt Müller-Biehl, um möglichst vielen Menschen ins Auge zu fallen. Neben dem Bus gibt es weitere Projekte wie etwa die Jugendschutzteams. Dabei sind eigens geschulte Jugendliche im Team auf Festen unterwegs und sprechen ihre Gleichaltrigen auf ihr Alkohol-Verhalten an.

 

Die Brigg geht auch in Freibäder mit ihren Sensibilisierungskampagnen. Das soll eigentlich in den kommenden Tagen wieder starten – sofern das Wetter Menschen am Beckenrand erwarten lässt. Unabhängig von den äußeren Einflüssen soll nach dem Stadtfest Neunkirchen auch die Kirmes beackert und junge Leute und ihre nicht immer vorbildhaften Eltern erreicht werden. Bei 1,7 Millionen abhängigen Deutschen sicherlich eine lohnenswerte Aufgabe.  
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