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Hausärzte stehen vor Veränderungen - Sorge vor Digitalisierung und Überalterung

Symbolbild

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Eine Erkältungswelle, die auch Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer ( CDU ) nicht verschonte, sorgte am Wochenende beim 31. Saarländischen Hausärztetag für eine Umstellung auf der Liste prominenter Redner. Nicht nur der Hausarzt der Regierungschefin, sondern auch seine Kollegen hatten angesichts der gegenwärtigen Krankheitswelle alle Hände voll zu tun, berichtete der Vorsitzende des Saarländischen Hausärzteverbandes, der Allgemeinmediziner Dr. Michael Kulas aus Wallerfangen. Für die Landesregierung überbrachte der Chef der Staatskanzlei, Jürgen Lennartz ( CDU ), den Hausärzten den Dank für ihr Engagement und appellierte an sie, künftig auch auf mehr Digitalisierung zu setzen, was allerdings auf Widerspruch stieß.

„Die Vorbehalte der Ärzteschaft gegen die Digitalisierung sind gigantisch, wenn auch unterschiedlich“, betonte Kulas. Sein Rezept: „Wir müssen uns mehr der ganzheitlichen Familienmedizin und der Geriatrie widmen, sonst werden wir ein Problem bekommen.“

Am meisten Applaus bekam von seinen Kollegen der nordrhein-westfälische Hausarzt und Gastredner Dr. Rolf Thelen, als er verkündete: „Zur Familienmedizin gehören auch Hausbesuche. Einen besseren Blick ins Familienleben können Sie nicht haben.“ Davon profitierten „wohnortnah, hausärztlich und lebensbegleitend“ auch die Patienten, ob in Familie, als Single oder Senior. „Niemand ist allein krank!“

Staatskanzlei-Chef Lennartz berichtete den Ärzten, zwischen Saar-Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer und Kanzleramtsminister Peter Altmaier (alle CDU ) gebe es einen Meinungsstreit über den in Zukunft möglichen Einsatz von Pflegerobotern: „Die Ministerpräsidentin ist dagegen, Minister Altmaier dafür“, sagte er. Übereinstimmend begrüßt werde dagegen die Unterstützung der Allgemeinmediziner durch mehr Versorgungsassistentinnen in den Hausarztpraxen, sogenannte VERAHS, die Tablettenkontrollen, Demenztests und andere Aufgaben bei den Patienten übernehmen können. 190 solcher VERAHS, die eine Grundausbildung als medizinische Fachangestellte haben und sich zwölf bis 15 Monate lang weiterbilden, sind bislang schon im Saarland tätig.

Den Ärzten selbst macht die Überalterung in den eigenen Reihen zu schaffen. Viele nähern sich der Pensionsgrenze. Dauernd unterversorgt ist jetzt schon der Kreis Merzig-Wadern. Laut Hausärzte-Verbandschef Kulas droht sich die Zahl der gegenwärtig noch 674 tätigen Hausärzte im Saarland in den nächsten zehn Jahren auf 320 zu halbieren, wenn keine Nachfolger für ihre Praxen gefunden werden.

Von der saarländischen Landesregierung angekündigte Bestrebungen, die Zahl der Medizinstudenten um zehn Prozent zu erhöhen, bringen nach Meinung von Kulas kaum eine Lösung, da der arbeitsintensive Hausarztberuf gerade auf dem Land weiter als unattraktiv gelte. Zudem gingen überhaupt nur noch ein Drittel der Jungmediziner in die ärztliche Versorgung.

 
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