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Heckenschütze entschuldigt sich

Vor dem Saarbrücker Schwurgericht hat gestern der Prozess gegen den Heckenschützen von Lebach begonnen. Der Angeklagte, hier neben seinem Anwalt Michael Rehberger, wird beschuldigt, aus einem Versteck auf 14 vorbeifahrende Fahrzeuge geschossen zu haben. Foto: Becker&Bredel

Vor dem Saarbrücker Schwurgericht hat gestern der Prozess gegen den Heckenschützen von Lebach begonnen. Der Angeklagte, hier neben seinem Anwalt Michael Rehberger, wird beschuldigt, aus einem Versteck auf 14 vorbeifahrende Fahrzeuge geschossen zu haben. Foto: Becker&Bredel

. Die Szenerie, mit der sich seit gestern die Richter des Saarbrücker Schwurgerichts befassen müssen, erinnert an einen düsteren Kriminalfilm. Aber sie stammt aus dem realen Leben, hat sich am frühen Morgen des 19. März 2015 etwa so ereignet: Gegen fünf Uhr ist es draußen dunkel und kalt in der Nähe des Waldes bei Lebach. Beim alten Steinbruch steht oder liegt ein junger Mann in Bundeswehrkleidung auf einer Böschung, teilweise verdeckt von einem Gebüsch. Er hat ein Kleinkalibergewehr im Anschlag, zielt mit der Waffe ins Dunkel an der Landstraße vor ihm.

Dort ist morgens um diese Zeit nicht viel los. Ab und zu kommt ein Auto vorbei, seine Scheinwerfer erhellen kurze Zeit die dunkle Straße. Es sind Berufspendler auf dem Weg zur Arbeit. 16 dieser Menschen werden jenen Morgen im März wohl nie in ihrem Leben vergessen. Sie saßen in 14 Autos, bei deren Vorbeifahrt ein Schuss aus dem Gewehr des jungen Mannes fiel. Dreizehn der Autos wurden offenbar direkt getroffen, meist in Höhe der Türen oder Scheiben. Zwei Männer wurden dabei leicht verletzt. Das Ganze dauert etwa eine halbe Stunde.

Für die Oberstaatsanwältin war es versuchter Mord in vierzehn Fällen. Der heute 27 Jahre alte Angeklagte habe in jener Nacht heimtückisch auf die wehrlosen Autofahrer auf der Landstraße geschossen. Er habe dabei deren Tod in Kauf genommen. Der drogen- und alkoholabhängige Angeklagte weist diesen Vorwurf zurück. Er will in jener Nacht nicht auf die Autos, sondern auf einen Pfosten der Straßenbegrenzung geschossen haben. Die fahrenden Autos habe er aus Versehen getroffen.

Dazu erklärte der Verteidiger des 27-Jährigen: Sein arbeitsloser Mandant habe am Tag vor der Tat die ganze Zeit über Alkohol getrunken, Drogen konsumiert, ferngesehen und Videospiele gespielt. Aus Langeweile sei er nachts mit seinem Geländemotorrad durch den Wald gefahren. Dann habe er die Idee gehabt, auf die Jagd zu gehen. Er habe Bundeswehrkleider angezogen, sein illegales Kleinkalibergewehr geholt und sei zum alten Steinbruch gefahren. Dort habe er versucht, einen Fuchs oder Vögel zu erlegen. Er habe mit einer Taschenlampe in den Wald geleuchtet und gehofft, Tieraugen leuchten zu sehen. Vergebens. Dann habe er gemerkt, dass die Reflektoren an Begrenzungspfosten der Landstraße aufleuchten. Also habe er sich an der Böschung in Position gebracht und auf einen Pfosten gezielt. Aber das Licht habe nicht gereicht. Also habe der Angeklagte gewartet, bis ein Auto kam und den Pfosten zum Leuchten brachte. Dann habe er geschossen. Dabei habe er nicht bedacht, dass er ein Auto treffen könnte, so der Anwalt.

Dementsprechend entschuldigt sich der 27-Jährige vor Gericht auch bei jedem der Autofahrer und -insassen. „Es tut mir Leid. Ich wollte Sie nicht treffen. Ich wollte Sie nicht töten“, sagt er. Die Betroffenen reagieren überwiegend mit Kopfschütteln. Und eine Stimme meinte kurz und knapp: „So etwas kann jeder sagen.“ Der Prozess wird fortgesetzt.
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