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Heimspiel für einen Gedankenleser

Thorsten Havener.

Thorsten Havener.

Er schaut ganz genau, wie die Füße stehen, was die Hände machen, wo der Blick hingeht: Der gebürtige Saarländer Thorsten Havener befasst sich mit Körpersprache, ist Entertainer, Autor, hält Vorträge und erklärt Methoden, um die Verhaltensweisen von Menschen einzuschätzen. Im September erscheint sein viertes Buch. Er tourt mit seinem Programm „Der Körpersprache-Code“ durch Deutschland, Österreich und Italien. Auch im Fernsehen zeigt er sein Können: Erst gestern sendete RTL „Die Thorsten Havener Show“.

Aber wer ist dieser Mann, der andere derart durchleuchtet? Thorsten Havener ist in Heusweiler und Riegelsberg groß geworden. Mit 13 begann er mit der Zauberei, hatte bald erste öffentliche Auftritte. Seit 2001 beschäftigt er sich mit Gedankenlesen, Wahrnehmung, Suggestion und Hypnose. Er ist mit einer Münchnerin verheiratet, mit ihr und den drei Kindern lebt er im Freistaat. Ein Stück Saarland hat er sich aber mitgenommen. So zieren die Zwerge Hansi und Sigrid Urpils seinen Garten – wenn seine Frau Christiane sie nicht gerade wieder einmal hat verschwinden lassen. Einen dreibeinigen Schwenker gibt es im Münchner Garten natürlich auch. „Die Kinder lieben es, zu schwenken“, erzählt Havener. An circa 100 Tagen im Jahr ist er unterwegs. Ansonsten ist der Familienmensch zu Hause, verbringt Zeit mit seinen Kindern – und schreibt an Büchern, entwickelt eine neue Show oder erarbeitet einen Vortrag. Fleiß sieht er als wichtigstes Erfolgsmittel. Das Wissen, dass er genau das macht, was er machen möchte, ist für ihn ebenfalls ein entscheidender Faktor. Er sagt: „Alle Macht kommt von innen.“

In der Presse wurde Thorsten Havener einmal als „unheimlich“ bezeichnet. „Das ist ein Kompliment, dann habe ich mein Ziel erreicht“, sagt der 41-Jährige. Seine Shows bezeichnet er als sein Heilmittel, bei denen er immer gut drauf ist – egal, wie es ihm vorher geht. Betritt Havener die Bühne, hat er sie sofort, seine Zuschauer. Denn auch wenn er selbst sein smartes Auftreten bescheiden beiseite wischt, so ist es zunächst genau das, was sein Publikum in seinen Bann zieht. Und nicht nur sein Publikum.

Wer mit alten Freunden und Bekannten Haveners spricht, der hört, dass der Entertainer bereits als kleiner Junge alle mit seinem Charme verzauberte. Wer von Havener erzählt, der erinnert sich gerne an einen eher ruhigen, freundlichen Jungen. Als introvertiert beschreibt sich Havener auch selbst. Oft ist er als Kind zurückgezogen durch den Riegelsberger Wald geschlendert, hat die Seele baumeln lassen und über vieles nachgedacht. Fragt man ihn heute nach einem für ihn im Saarland bedeutenden Ort, ist es auch dieser Riegelsberger Wald, der ihm einfällt: „Dort kenne ich jeden Schleichweg.“ Aber es ist auch der allseits beliebte St. Johanner Markt, der ihm bis heute gefällt, wo er sich gern mit Freunden trifft und über alte Zeiten plaudert.

Vor einigen Wochen stand Havener erstmals im Saarland auf einer großen Bühne, auf der des Staatstheaters. Klar hat er auch schon vorher in der Heimat sein Können gezeigt. Allerdings in einem viel kleineren Rahmen zu Beginn seiner Laufbahn. Damals waren das Säle wie der Gemeindesaal in Heusweiler. Da ist das Staatstheater schon eine andere Hausnummer. Heute steht dort mit Thorsten Havener ein international anerkannter Künstler – der Gedankenleser. Alleine steht er auf der Bühne, ohne Sänger, ohne Orchester, ohne imposantes Bühnenbild. „Nur“ er ist es, der es schafft, so viele Menschen für sein Programm zu begeistern, dass fast das ganze Staatstheater anlässlich seines Heimspieles ausverkauft ist.

In dem Moment, in dem die Lichter angehen, er seine Gäste begrüßt, ist nichts, aber auch gar nichts mehr zu spüren von einem Mann, der in seiner Freizeit gerne Gitarre spielt, sich zurückzieht. Ein extrovertierter und selbstbewusster Entertainer steht da auf der Bühne. Im Zuschauerraum ist während der Vorstellung ständig zu hören „Wahnsinn, wie macht der das?“, in der Pause sind es Adjektive wie „cool“ und „toll“.

Toll war der Auftritt in der Heimat auch für den Entertainer selbst. „Es war ein lang ersehnter Wunsch, auf der Bühne des Staatstheaters zu stehen. Ich wusste ja, dass ich viele der Zuschauer kennen würde.“ So haben ihn Leute angesprochen, die er über 30 Jahre nicht gesehen hat – eine Zuschauerin schob ihm ein Foto zu, auf dem sie und Havener im zarten Alter von ungefähr elf Jahren zu sehen sind. „Dieser erste große Auftritt im Saarland war ein besonderes Gefühl, das man nicht mehr reproduzieren kann.“

Auch für die Saarländer, die Thorsten Haveners Auftritt im Staatstheater gesehen haben, war es, so zeigte es der tosende Applaus, ein besonderes Gefühl, „ihren“ Thorsten mal wieder zu sehen und sagen zu können: Dieser Mann, der ein Publikum in Tokio begeisterte, dessen Show im Fernsehen zur „Prime Time“ läuft, der stammt von hier, der ist in Saarbrücken geboren. Und Havener plant für kommendes Jahr den nächsten Auftritt in der alten Heimat, an der er mag, dass man schnell mit Leuten ins Gespräch kommt. Es sei hier entschleunigter als in München. „Und man kann hier besser essen“, sagt er. Von sich selbst etwas zu erzählen, damit hat er kein Problem. Denn er weiß: Wer viel über andere wissen möchte, muss auch selbst viel preisgeben.

Zur Person

Thorsten Havener wurde 1972 in Saarbrücken geboren. Er studierte an der Saar-Uni und machte einen Abschluss als Diplom-Übersetzer. 1986 hatte er seinen ersten öffentlichen Auftritt als Zauberer. 1995 gewann er die Französischen Meisterschaften der Zauberkunst. 2005 bekam er die TV-Sendung „Der Gedankenleser“ und startete die erste große Tournee „Gedanken sind zollfrei”. Er veröffentlichte drei Bücher: „Ich weiß, was Du denkst”, „Denken Sie nicht an einen blauen Elefanten” und „Denk doch, was Du willst”. ywi

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