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„Helau“, „Alaaf“ oder „Narri, Narro“

Frankfurt/Main. Sie rufen „Hä-Hopp“, „Föllsch Foll“ oder „Heildiegeil“ — oder einfach „Helau“. An diesem Wochenende erobern die Schlachtrufe der hessischen Narren die Straßen quer durchs Land. Die fünfte Jahreszeit steuert ihrem Höhepunkt am Rosenmontag entgegen, und da kann der echte Narr natürlich nicht an sich halten: Mit den Hochrufen gebe man „seiner Freude Ausdruck“, sagt der Gründer des Deutschen Fastnachtsmuseums im fränkischen Kitzingen, Hans-Joachim Schumacher.

Die Tradition ist alt: Aus dem Mittelalter stammt den Forschern zufolge der Brauch, den eigenen Ort hoch leben zu lassen. Das Kölsche „Alaaf“ ist dafür der beste Beleg — und der wohl älteste närrische Schlachtruf in Deutschland. Schon die Kölner Ratsherrn im 13. Jahrhundert kannten ihn. Die stärkste Konkurrenz kommt aus dem rheinischen Düsseldorf: Das „Helau“ soll entweder von „Hallo“ oder „He du da“ stammen und wird mit dem Ruf nach dem Fährmann in Verbindung gebracht, berichtet Schumacher. Andere Brauchtumsforscher sehen im närrischen „Helau“ eher eine Verballhornung des kirchlichen „Halleluja“, und verweisen auf das immer noch existierende närrische „Ajuja“.

Tatsächlich sei die moderne Fastnacht entstanden als eine Persiflage auf Obrigkeiten aller Art, sagt Schumacher. Der organisierte Karneval etablierte sich im 19. Jahrhundert, als sich die demokratischen Kräfte im Aufbruch befanden und sich in den Städten ein Bürgertum formierte. Das stellte zunehmend selbstbewusst und offen gegen die Obrigkeit — der Karneval wurde zur idealen Plattform, um Monarch, Militär und Kirche zu persiflieren. So entstanden die Garden und die Fastnachtsvereine mit Präsidium, Protokollant und Orden. Wer in die Bütt stieg, sollte geehrt werden – so entstanden die närrischen Rufe. Viele Rufe entwickelten sich vor Ort, um sich von der Nachbargemeinde abzugrenzen, berichtet Fastnachts-Experte Schumacher.

So heißt es in Fulda „Föllsch Foll“ und in Ober-Mörlen „Mörlau“. Manch ein Ruf ist historisch entstanden: So gingen offenbar in Flörsheim am Main einst die Gäule durch, seitdem rufen sie hier „Heildiegeil“. ddp  
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