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Heute Abend beginnt das Max Ophüls-Filmfestival

Eröffnung: Das Festival startet heute um 19.30 Uhr im Saarbrücker Cinestar, in den Sälen 11, 6 und 7. Der Kameramann Michael Ballhaus erhält den Ehrenpreis des Festivals, im Anschluss läuft der Film „Robin Hood“ von Martin Schreier; durch den Abend führt Nina Azizi, nach dem Film sind alle Gäste zum Empfang der Ministerpräsidentin eingeladen. Es gibt noch Karten an der Abendkasse.

Treffpunkt Lolas Bistro: Wie immer heißt die Garage (Bleichstraße 11-15) während des Festivals „Lolas Bistro“ und harrt von Dienstag bis Freitag ab 22 Uhr der Kinogänger. Um 23 Uhr beginnen dort auch die SR-Mitternachts-Talks, in denen Shirin Sojitrawalla und Oliver Hottong Filmemacher, Produzenten und Schauspieler befragen. Der Eintritt ist frei, abgesehen von Freitag (fünf Euro inklusive ein Getränk).

Diskussion: Morgen gibt es im Saarbrücker Hotel Domicil Leidinger die Podiumsdiskussion „Die Deutsch-Französischen Beziehungen: Wie das Kino Geschichtsbilder baut“. Zu Gast sind Regisseur und Drehbuchautor Jo Baier („Henri 4“, „Stauffenberg“), Regisseur Peter Sehr („Ludwig II.“), die französische Filmemacherin Marie Noëlle („Die Frau des Anarchisten“) und Andreas Schreitmüller, Leiter der „Hauptabteilung Spiel- und Fernsehfilm“ beim Fernsehsender Arte. Dienstag, 19 Uhr, im Saal Centro des Saarbrücker Hotels Domicil Leidinger. Jürgen Albers moderiert, Eintritt frei.

Preisverleihung: Am kommenden Samstag um 19.30 Uhr im E-Werk (das Festival bietet Busse an). Jochen Schropp moderiert. Danach beginnt dort ab 22.30 Uhr die Filmparty. Karten (22 Euro für Preisverleihung und Party, 10 Euro für Party) an den bekannten Vorverkaufsstellen und an der Abendkasse.

Kinosonntag: Am Tag nach der Preisverleihung laufen viele Filme des Wettbewerbs noch einmal ab 11 Uhr in den Festivalkinos.

Kartenverkauf: Einzelkarten, Festivalpässe, Eintrittskarten für Eröffnung, Preisverleihung und Filmparty und auch tagesaktuelle Informationen bekommt man bis zu diesem Montag im Rathaus, Haberrisser Saal, und bis Sonntag, 22. Januar, im Cinestar, Filmhaus und in der Camera Zwo. red

www.max-ophuels-preis.de


„Die Banken sind an allem schuld? Das wäre zu einfach“

Regisseur Martin Schreier über seinen Film „Robin Hood“, der heute Abend das Festival eröffnet

Von SZ-Redakteur Thomas Reinhardt

Das Actiondrama „Robin Hood“, der erste Langfilm des deutschen Regisseurs Martin Schreier, eröffnet heute das Festival. Wir haben den Film vorab gesehen und mit dem Regisseur gesprochen.

Saarbrücken. Ein düsteres Zukunftsszenario: Die EU ist zusammengebrochen, in Deutschland herrscht Armut, Wohnungen werden zwangsgeräumt. Polizist Alex (Ken Duken) und seine Kollegin Sophie (Dagny Dewath) suchen Beweise für die kriminellen Machenschaften des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Nationalbank (DNB), der tausende von Kleinanlegern betrogen und ins Unglück gestürzt hat. Doch dessen Verbindungen in die Politik sind mächtig, eine Anklage wegen systematischen Betrugs kommt nicht zu Stande. Der Polizist fasst einen folgenreichen Entschluss: Um dem Vorstandsvorsitzenden das Handwerk zu legen, wird Alex selbst kriminell: Er raubt Filialen der DNB aus – und verteilt große Teile der Beute unter den Armen.

„Robin Hood“ ist der Abschlussfilm von Martin Schreier, der an der Filmakademie Baden-Württemberg Regie studierte und 2010 bei Ophüls seinen mittellangen Film „The night Father Christmas died“ gezeigt hat. „Robin Hood“ behandelt ein brandaktuelles Thema. Warum greift er diesen Mythos auf? „Robin Hood ist ja im Grunde eine Abenteuergeschichte, aber es geht auch um gesellschaftspolitische Themen, die Unterdrückung des kleinen Mannes, und das passt einfach unglaublich gut in unsere Zeit.“ Es sei allerdings nicht einfach gewesen, „den Robin Hood ins hier und jetzt zu befördern“. Die klare Trennung von Gut und Böse, hier der König und der Sheriff, da die unterdrückten Menschen, das könne man heute nicht mehr so machen. „Zu sagen, der ist gut und der ist böse, und die Banken sind an allem Schuld, das wäre zu einfach. Die Welt ist komplexer und komplizierter, wir wollten da schon differenzierter vorgehen.“ Der Film sei vor allem „eine emotionale Heldenreise“, zeige die Zerrissenheit der Hauptfigur, aber mit politischen Fundament. Und behandle Themen wie Selbstjustiz, Gerechtigkeit und Verantwortung.

Dreieinhalb Jahre hat es von der Idee bis zum fertigen Film gedauert. Der wurde in Frankfurt, wo er auch spielt, Stuttgart und Ludwigsburg gedreht und hat deutlich unter einer Million Euro gekostet. Er sieht aber nach viel mehr aus: In kühlen, blauen, düsteren Bildern, die für die große Kinoleinwand gemacht sind („Wir sind Kinomacher, haben einen cineastischen Anspruch“), erzählt Schreier diese spannende und actionreiche Geschichte, die in einen blutigen Showdown mündet. Der ist wohl auch der Tatsache geschuldet, dass der Sender Pro7 einer der Hauptgeldgeber ist. Schreier setzt aber bewusst auf Unterhaltung, will möglichst viele Menschen ansprechen. Und so hofft er darauf, einen Kinoverleih zu finden – vielleicht sogar nach der Uraufführung hier in Saarbrücken.

Heute Abend, 19.30 Uhr, Cinestar. Die Darsteller Ken Duken, Vincenz Kiefer und Regisseur Martin Schreier sind dabei.


Der Bilderkünstler

Heute Abend erhält Michael Ballhaus bei der Ophüls-Eröffnung im Cinestar den Ehrenpreis für Verdienste um den jungen deutschsprachigen Film. Der 77-Jährige hat bis heute immer wieder als Dozent den Filmemacher-Nachwuchs unterstützt. SZ-Redakteur Tobias Kessler hat mit ihm gesprochen.

1969 haben Sie Jimi Hendrix in Saarbrücken gefilmt. Wie kam es denn dazu?

Ballhaus: Das war eine ziemliche Überraschung. Ein Freund aus Frankfurt rief mich an, ob ich denn Zeit und Lust hätte, etwas mit Jimi Hendrix zu machen. Ein anderer Kameramann hatte ihn bei seiner Tournee begleiten sollen, aber Hendrix mochte ihn anscheinend nicht. Ich wollte natürlich und musste sofort mit Kamera und Assistent nach Saarbrücken, wo die Tournee begann. Wir haben uns sofort gemocht, hatten zwar nur drei Tage zusammen, aber die waren so intensiv wie 14 Tage mit anderen.

Was wurde aus den Aufnahmen?

Ballhaus: Die Firma, die sie produziert hatte, ging bankrott, das Material wurde verkauft. Jahre später hieß es plötzlich aus Amerika, der Film sei wieder da und werde bald veröffentlicht – danach habe ich nie wieder etwas davon gehört.

Ende der 60er Jahre haben Sie erstmals als Dozent für Filmstudenten gearbeitet, danach immer wieder bis heute – was haben Sie selbst dabei gelernt?

Ballhaus: Gerade 1968 in meiner Anfangszeit an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin habe ich mehr gelernt als meine Studenten. Die waren weniger am Lernen als am Politischen interessiert und haben bei mir ständig nachgefragt, warum ich dieses und jenes so mache – da ich sehr intuitiv arbeite, musste ich viel über meine Arbeit nachdenken. Sie sagten mir etwa „Warum nehmen Sie ein 50er-Objektiv für einen Kapitalisten – Sie müssen ein Weitwinkelobjektiv nehmen, dann wirkt der viel hässlicher!“.

Holger Meins, späteres Mitglied der RAF, der im Hungerstreik gegen seine Haftbedingungen starb, war einer Ihrer Studenten. Wie ist der Ihnen damals aufgefallen?

Ballhaus: Er war still, sehr sympathisch, sehr zurückgezogen. Er war einer, der bei den anderen, die sehr aktiv, eloquent und überzeugend waren, mitgelaufen ist. Dass er da reingerutscht ist in eine Gruppe, die plötzlich Verbrechen beging, war sehr traurig.

Wolfgang Petersen war auch einer Ihrer Studenten. Jahrzehnte später waren Sie in Hollywood bei „Air Force One“ und „Outbreak“ sein Kameramann. Wie war das für Sie?

Ballhaus: Eine ganz natürliche Sache. Wir hatten uns in Amerika ja schon angefreundet, und es wurde eine wunderbare Arbeit. Er ist ein äußerst entspannter Regisseur, der immer freudig an den Drehort kommt.

Mit Martin Scorsese haben Sie besonders gerne und oft gearbeitet. Wie war das für Sie, als Sie seinen Film „Hugo Cabret“ gesehen haben, den er nach Ihrem Abschied aus Hollywood mit einem anderen Kameramann gedreht hat? Empfindet man da Wehmut?

Ballhaus: Nein, ich hatte mich ja längst entschlossen, nicht mehr als Kameramann zu arbeiten. Ich fand den Film wunderschön anzuschauen, weiß aber, dass die Dreharbeiten sehr lang und schwierig waren.

In dem Film gleitet die Kamera über die Stadtlandschaft von Paris, das allerdings im Computer entstanden ist. Wie viel hat ein Kameramann mit solch einer Szene noch zu tun. Wenig?

Ballhaus: Gar nichts. Deshalb interessieren mich solche computergenerierten Bilder und Filme weniger. Ich hatte gerne die kreative Kontrolle über alle Bilder. Einen Film mit vielen Computereffekten habe ich gemacht – „Wild Wild West“ – und das hat mir überhaupt nicht gefallen.

War diese Entwicklung hin zum allzu bearbeiteten Bild der Grund, aufzuhören?

Ballhaus: Nein. Der Beruf des DP, des „director of photography“ ist sehr anstrengend. Mit 72 Jahren habe ich mich entschlossen, den Beruf nicht mehr auszuüben. Wenn man 18 Stunden am Set steht, fragt man sich manchmal „Muss ich das machen?“ Und irgendwann wusste ich: Ich muss nicht. Ich habe genug Filme gemacht, ich habe genug Geld verdient. Ich kann jetzt beruhigt sagen, dass ich mit einem wunderschönen Film aufgehört habe – „The departed“ mit Scorsese.

Aber in Deutschland haben Sie doch noch einen Film gedreht, „3096 Tage“ nach den Erinnerungen der entführten Natascha Kampusch. Werden Sie nun doch weiter arbeiten?

Ballhaus: Nein, das war ein Sonderfall, weil das Thema sehr schwierig, aber interessant ist – und weil meine Frau die Regisseurin ist. Wir haben lange diskutiert, ob das gut gehen kann. Es ging dann sehr gut.

Beim Fernsehen werden die Budgets knapper. Was bedeutet das für die Kameraleute?

Ballhaus: Das Geld wird weniger, die Drehzeiten kürzer, und ich habe das Gefühl, dass beim Fernsehen nur noch aus der Hand gefilmt wird. Es wackelt furchtbar, es gibt eine halbnahe Einstellung und dann nur noch Nahaufnahme nach Nahaufnahme, weil das eben das Einfachste ist. Das meiste finde ich nicht akzeptabel.

Und im deutschen Kino?

Ballhaus: Da ist es etwas anders, da entstehen durchaus schöne Sachen.

Welche Kollegen schätzen Sie denn besonders?

Ballhaus: Frank Griebe schätze ich sehr, der vor allem die Filme von Tom Tykwer gestaltet.

Ihre beiden Söhne Florian und Jan Sebastian haben lange mit Ihnen zusammen gearbeitet – das muss für einen Vater ein Geschenk sein.

Ballhaus: Das ist etwas Wunderbares – wenn man sich gut verträgt. Mit Florian habe ich zehn Jahre lang zusammengearbeitet, das war ein große Freude.

Hatten Sie Angst, dass sie in diesem Geschäft untergehen könnten – oder einfach weniger Talent haben als ihr Vater?

Ballhaus: Die Angst hat man anfangs schon, aber ich habe die Arbeit der beiden ja sehr gut kennen gelernt. Florian hat ein fantastisches Bildgefühl. Da wusste ich, dass er es als Kameramann schaffen würde. Mein Sohn Jan Sebastian ist ein sehr erfolgreicher Regie-Assistent.

Wenn Sie gewusst hätten, dass Kollegen ihre berühmte Kamera-Kreisfahrt so oft kopieren würden – hätten Sie sie patentieren lassen?

Ballhaus: Leider kann man das nicht, auch wenn es eine lustige Idee ist. Es stimmt schon, sie wurde sehr oft kopiert – so oft, dass ich selber keine Lust mehr darauf hatte.
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