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Heute ist Welt-AIDS-Tag: Der Saarlouiser Mike Mathes berichtet über seine HIV-Erkrankung

Herr Mathes, wann haben Sie sich mit HIV infiziert?
Ich habe 1984 das Ergebnis erhalten. Ich war damals Kunststudent in Frankfurt und habe in der Zeit sexuell viel ausprobiert. Bei wem ich mich infiziert habe, kann ich nicht genau sagen. Es hat mich auch nicht interessiert.
 

Infos zum Leben mit HIV, Safer Sex und anderen Geschlechtskrankheiten


Derjenige wusste es wahrscheinlich selbst nicht, da das Thema noch sehr neu war. Es wurde sehr reißerisch berichtet, man hat den Virus zum Beispiel als „Schwulenseuche“ bezeichnet. 

Wie haben Ihre Familie und Ihre Freunde darauf reagiert?
Man wurde als Schwuler wie ein Aussätziger behandelt, der die Seuche verbreitet. Es sind unschöne Dinge passiert. Zum Beispiel wurde ich von Veranstaltungen ausgeladen, Leute haben sich rigoros von mir abgewandt.

 

Es gab eine große Angst, auch vor Ansteckung. Die Leute waren damals noch sehr wenig aufgeklärt. Das hat sich über die Jahre geändert, als ich immer offensiver und offener mit der Krankheit umgegangen bin. Das hat mich auch selbst entlastet.

Wie sieht mittlerweile Ihr Alltag aus?
Anfangs hatte ich mit starken Nebenwirkungen wegen der Medikamente zu kämpfen. Mitte der 1990er kamen dann Mittel auf den Markt, die mich gerettet haben. Wenige Wochen danach ging’s mir schon viel besser.
 

Die Website der AIDS-Hilfe Saar e.V.


Seitdem nehme ich jeden Tag eine Tablette. Das Virus wird durch die Medikamente so stark zurückgedrängt, dass es im Blut nicht mehr nachweisbar ist und es nicht zu AIDS kommt. Ich muss jedes Vierteljahr zur Untersuchung.

 

Als Aktionskünstler versuche ich, offen mit der Sache umzugehen. Mit dieser Offenheit will ich etwas bewegen. Ich thematisiere meine Krankheit mit Absicht. Aber ständig im Hinterkopf habe ich sie nicht.

Was sind Vorurteile, mit denen Sie zu kämpfen haben?
Trotz Aufklärung werden Vorurteile weiter bedient. Teilweise hört man immer noch das Wort „Schwuchtel“. Das ist für die Betroffenen nicht einfach. Weltweit schreitet die Toleranz für Schwule zwar auf der einen Seite voran, geht auf der anderen Seite aber wieder krass zurück. Das Klima für Homosexuelle wird in vielen Ländern immer schlimmer, zum Beispiel bei Putin oder Erdogan.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Toll wäre es natürlich, wenn ein Impfstoff entwickelt werden würde. Die Forschung muss weiter daran arbeiten.

Außerdem muss man für Akzeptanz und Toleranz kämpfen. Aufklärung in der Schule reicht nicht: Sich beim Geschlechtsverkehr zu schützen, diese Denkweise muss in den Alltag rein.



Wir müssen von Anfang an offen mit den Themen HIV und AIDS umgehen und dürfen niemanden ausgrenzen. Die Menschen müssen sich mit dem Thema auseinandersetzen, es muss ein sensibler Zugang gefunden werden. Niemand darf denken „Es geht mich nichts an.“
 

Links:

• Mike Mathes bei Facebook 
• Kunstaktion "Tausend Augen"
• Lovoo-Studie: Jugendliche haben Nachholbedarf beim Thema Verhütung 
• Header-Foto: THON.media
 

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