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Heute ist Welt-Nichts-Tag

Auf diesem Bild ist absolut nichts zu sehen. Am 16.01.2013 ist Welt-Nichts-Tag.

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Was ist Nichts? Was bringt es uns, und wo kommt es vor? SZ-Mitarbeiterin Jenny Kallenbrunnen
hat mit einem Physiker, einem Theologen und einem Psychologen über Nichts gesprochen – und
festgestellt: Nichts ist relativ.


Der Physiker

Marc Bienert ist Quantenphysiker an der Saar-Uni. Herr Bienert, was ist Nichts?
Bienert: Das ist für die Physik sehr schwer zu sagen. Die Physik beschäftigt sich ja mit der beobachtbaren Welt und dort gibt es eben immer irgendwelche messbaren Effekte. Selbst wenn man aus einem Raumvolumen alles herausnimmt, was man nur herausnehmen kann – Materie, Energie, Strahlungen –, entstehen in diesem scheinbar absolut leeren Raum trotzdem immer wieder neue messbare Teilchen und damit beobachtbare Effekte.

Dann gibt es gar kein Nichts?
Bienert: Nein, eigentlich nicht. Nicht innerhalb des Universums; das Universum ist sozusagen gegen Nichts. Selbst für die vom Menschen noch niemals erforschten Bereiche des Universums gibt es keine Theorie, nach der irgendwo rein gar nichts existiert. In diesen Bereichen ist die Physik ja noch spekulativ. Aber egal, was man alles aus einem
Raumvolumen entfernen würde: Am Ende wären wenigstens Raum und Zeit noch immer übrig. Nach der String-Theorie sind Raum und Zeit eventuell selbst auch Teilchen; theoretisch könnte man die dann auch noch entfernen.
Aber es entstehen ja auch immer wieder neue Teilchen, sodass es nie nichts gibt.

Was ist mit Vakuum?
Bienert: Selbst ein Vakuum ist für einen Physiker nicht wirklich leer. Im Vakuum gibt es noch immer messbare Effekte. Stellt man im Vakuum zwei Metallplatten parallel gegenüber, dann ziehen sie sich an – auch das ist mit einem Kraftmesser, einer Feder etwa, messbar, obwohl zuvor alle Teilchen aus dem Raum entfernt worden sind. Und auch ein
Schwarzes Loch ist keineswegs Nichts, sondern Masse! Was schwarz erscheint, ist die Oberfläche wie die einer Kugelschale. Das Loch selbst ist eine einseitige Membran, durch die man theoretisch auch hindurch fallen kann.
Aber selbst auf der anderen Seite würde man ein Universum vorfinden – und nicht nichts.

Der Theologe

Benedikt Welter ist Saarbrücker Dechant. Herr Welter, was ist Nichts?
Welter: Für den Theologen ist das Nichts die Ausgangssituation der Creatio ex nihilo, also das, woraus Gott alles geschaffen hat. Das Nichts impliziert den positiven Gedanken der Schöpfung und es ist unser Glaube daran, dass es keine ewige Materie gibt, dass also nichts außer Gott schon immer da gewesen ist.

Dann ist Nichts negativ besetzt?
Welter: Ja, das stimmt, so könnte man das ausdrücken. Nichts ist für uns ein Kontrabegriff, in dem sich alles sammelt, was wir nicht wollen, sozusagen. Nichts ist die Negation von Sein, also von Leben. Und wir streben ja schließlich
nach Leben! Der Teufel etwa als der Vernichter – in diesem Begriff steckt das „Nichts“ ja auch mit drin – verkörpert das Nichts, das nicht Sein, also den Tod. Und die Gläubigen sagen: Selbst nach meinem Tod kann dieses Nichts
nicht auf mich zugreifen.

Gibt es also gar kein Nichts mehr?
Welter: Nein, aus dem Nichts ist durch den Akt der Schöpfung eine Fülle geworden. Das Nichts besteht für uns heute nur noch als relativer Begriff und als Unterlassen: Das Unterlassen von Gutes tun ist nichts tun.

Der Psychologe

Ralf Rousseau ist Psychologe und lehrt das Nichtstun. Herr Rousseau, was ist Nichts?
Rousseau: Nichts ist für den Menschen in erster Linie nichts tun. Und das besteht darin, unseren alltäglichen, unseren immer andauernden Gedanken- und Verhaltensstrom zu unterbrechen. Im Alltag tun wir immer etwas – und sind bei der einen Sache in Gedanken sogar schon dabei, die nächste zu planen! Ob wir arbeiten, Auto fahren oder fernsehen –
ständig ist da Input, Input, Input für unser Gehirn. Dabei ist Nichtstun für uns lebenswichtig.

Ist Fernsehen gar nicht nichts tun?
Rousseau: Nein! Auch beim Fernsehen sind wir ständig unseren Gedankenströmen ausgesetzt und unser Gehirn muss immer wieder neue Informationen verarbeiten, durch die Bilder, die wir sehen, und die gesprochenen Wörter und  Geräusche, die wir hören. Es bedarf aber nicht nur dem äußerlichen, körperlichen Nichtstun, sondern wir müssen innerlich ruhig werden.

Wie kann man nichts tun?
Rousseau: Einen Teil Nichtstun bekommen wir ja geschenkt in der Nacht: den Schlaf. Ansonsten ist Nichtstun eine Kunst, die man erst erlernen muss. Meditieren etwa ist Nichtstun auf hohem Niveau. Für Ungeübte ist gerade
Stille sehr wichtig fürs Nichtstun, weil sie sonst schnell abgelenkt werden. Ein Waldspaziergang etwa kann Nichtstun sein. Im Alltag nehmen wir uns selbst hauptsächlich durch unsere Gedanken wahr; beim Nichtstun stellen wir
die ab und lenken unsere Wahrnehmung nach innen, spüren uns selbst, unseren Atem, unseren Körper. Die Natur kann dabei helfen. Die Dauer ist schwer festzulegen. Eine Viertelstunde am Tag sollte es schon sein. Wenn das nicht klappt: Eine Minute lang mal Augen schließen und durchatmen ist immer noch besser als gar nicht Nichtstun.
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