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Heute wird geküsst

Völklingen. Wahrscheinlich wird an keinem Arbeitsplatz in Völklingen so viel geküsst wie im Standesamt. „Alle Paare, die hier heiraten, küssen sich nach der Formalität“, erzählt Gisela Schneider, die seit drei Jahren als Standesbeamtin arbeitet. Auf 42 Eheschließungen hat sie es bisher gebracht. Nicht viel im Vergleich zu ihrem Chef, wie sie findet. Amtsleiter Reinhard Schäffner hatte gerade gewissermaßen Traujubiläum. Er brachte 1111 Paare unter die Haube. Und auch Kollegin Julia Lauer, früher Motz und gerade frisch verheiratet, habe bereits über 200 Paare in den Hafen der Ehe begleitet. Besonders schön findet Gisela Schneider, dass nach der Trauung bei dem Kuss „immer alle klatschen“. Ausgerechnet am 6. Juli, dem internationalen Tag des Kusses, wird im Standesamt aber nicht einmal geküsst. „Wir trauen nie am Mittwoch“, ist Gisela Schneiders Erklärung.

Kuss-Marathonis scheinen die Völklinger nicht zu sein. Dafür haben sie das rechte Maß für Nähe bei vertrauten Menschen und wahren Distanz bei Fremden. Das ergibt  unsere Umfrage in der Völklinger City. „Meine Freundinnen küsse ich auf die Wangen – links-rechts-links, wie die Franzosen“, sagt Margit Stroh, Verkäuferin. Aber sie würde „niemandem um den Hals fallen, nur weil es diesen Tag gibt“. Paul Wagner, Elektriker, geht sparsam mit Küssen um. Freunde werden mit Handschlag begrüßt, „Küsse bekommt das andere Geschlecht“.

„Körperlichkeit ist bei der Erziehung wahnsinnig wichtig“, sagt Kinderarzt Dr. Andreas Niethammer. Gemeinsames Schmusen sei fundamental. Momentan profitieren seine zwei kleinen Enkelkinder von Küssen und Umarmungen. Die schon großen Töchter „küsse ich zwei Mal zur Begrüßung am Morgen auf die Wange“, sagt er, „und meine Frau auf den Mund“. Seine Söhne küsse er nicht. Das übernimmt die Mama, Ruth Niethammer. Sie berichtet noch über Kuss-Bräuche aus ihrer Heimat Peru: Mädchen küssten sich häufig untereinander, auf die rechte Wange. Jungen nicht, außer im Kindergartenalter. Ältere Jungen dürften aber auch Mädchen küssen.

Günther Schüssler, 79-jähriger Rentner, gesteht: „Ich küsse meine Frau jeden Abend vor dem Schlafengehen.“ Seit 51 Jahren ist das Paar verheiratet. Zur Zeit gebe es aber nur ein Fernküsschen, „weil sie eine Virusinfektion hat“. Das bedeutet, mit gespitzten Lippen wird in die Luft gebusselt. Auch Melanie Wolstein küsst ihren Mann täglich, „morgens, wenn wir aufstehen, und zwischendurch“. „Darum brauchen wir solche vorgegebenen Tage wie den 6. Juli auch nicht.“ Seit 2002 ist das Paar verheiratet, arbeitet gemeinsam in der eigenen Zoohandlung in der Poststraße. Sie berichtet, dass auch Tiere wirklich küssen, „Katzen tun es im Gegensatz zu Häschen, die schnuppern am Po“. Oder Wellensittiche, die schnäbeln. Dann erzählt Melanie Wolstein vom küssenden Gurami, einem Fisch, der „zur Revierbildung mit seinem Rivalen knutscht“. Die hingen Lippe an Lippe, sagt die Fachfrau. Dann deutet sie auf einen Käfig mit zwei Nagern, Degus, dem Meerschweinchen verwandt:. „Die schnuppern, geben bei Sympathie Küsschen und boxen mit den Hinterfüßen, wenn sie ihren Artgenossen nicht mögen.“

Auch Hans Agostini, Vorsitzender des Völklinger Wirtschaftskreises, kennt den Tag des Kusses nicht. Er könnte sich aber vorstellen, dass er für die Völklinger Kaufmannschaft interessant wäre, ähnlich wie der Valentinstag. „Ich sehe schon große rote Kussmünder auf der Vitrine und den Slogan ,Wir küssen Ihnen die Preise runter’?“, sagt er lachend und verspricht: „Beim nächsten Treffen des Wirtschaftskreises werden wir das thematisieren.“

 
Auf einen Blick
Der längste Kuss der Welt fand laut Guinness-Buch der Rekorde am 13. und 14. Februar 2010 in Hamburg zwischen Nikola Matovic und Kristina Reinhart statt; er dauerte 32 Stunden, sieben Minuten und 14 Sekunden. Noch nicht von den Guinness-Verantwortlichen bestätigt ist ein neuer Rekord aus Thailand: Im Februar 2011 haben sich Akekachai Tiranarat und seine Frau Raksana Taranarat nach Angaben des US-Senders CNN über 46 Stunden lang geküsst.
Beim Küssen drehen zwei Drittel aller Menschen ihren Kopf nach rechts. Ein Mensch verbringt 110?000 Minuten – 76 Tage – seines Lebens mit Küssen. Im Sommer wird fünf Mal mehr geküsst als im Winter. Beim Küssen kann ein Druck bis zu 15 Kilogramm entstehen. 92 Prozent der Frauen küssen mit geschlossenen Augen; 46 Prozent der Männer beobachten ihre Partnerin dabei. red

 
Hintergrund
Der Kuss gilt in vielen Kulturen als Ausdruck von Liebe, Freundschaft und Ehrerbietung. Die Bedeutung des Kusses, insbesondere des in der Öffentlichkeit entbotenen Kusses, ist jedoch kulturell unterschiedlich. In der westlichen Welt ist der Kuss meistens Ausdruck für Liebe oder Zuneigung.
An den Lippen befinden sich außerordentlich viele Nervenenden; dadurch ist beim Küssen besonders der Gefühlssinn beteiligt. red
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