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Hilfe für Jugendliche in der Schuldenhölle

Saarbrücken. Ferien-Impressionen aus Saarbrücken. Bahnhofstraße: Jugendliche zücken wie bei einem Wettbewerb die neusten Handymodelle. Ortswechsel. Haltestelle Hansahaus: Bis der Bus kommt, ist Zeit für Fachsimpeleien über die besten MP3-Player. Wer sie hat, ist in. Wer nicht, hat das Nachsehen. Den Soziologen Elmar Lange überrascht das nicht: „In unserer Gesellschaft können wir uns dem Konsum nicht entziehen. Konsum ist ein Schlüssel zur Anerkennung in der Gesellschaft.“ Das geht, wenn überhaupt, so lange gut, wie Geld genug da ist für Barkäufe oder Kredite.

Aber vielen jungen Saarbrückern geht jetzt, in der Wirtschaftskrise, das Geld aus. Die seit Monaten steigenden Arbeitslosenzahlen sprechen eine deutliche Sprache. Schuldnerberater erwarten, dass die Zahl der überschuldeten Haushalte steigt. Nach dem Schuldenreport 2008 des Instituts für Finanzdienstleistungen (IFF) aus Hamburg verschulden sich junge Menschen schon für die erste Wohnung, fürs Auto oder wenn sie den Hausstand anschaffen.

Deshalb sind Schuldnerberater überzeugt, dass Jugendliche so früh wie möglich den Umgang mit Geld und Konsum erlernen sollten. Ausgeben können sie einiges: 2005 brachten die Sechs- bis Zwölfjährigen knapp 1,5 Milliarden Euro in die Wirtschaft. Mit Nebenjobs kamen die Jugendlichen gar auf 5,1 Milliarden Euro, so eine Studie der Europäischen Union. Aber genug Geld hatten viele trotzdem nicht. Zwischen sechs und zwölf Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben sich bereits Geld geliehen, das sie nicht sofort zurückzahlen können. Die Schutzgemeinschaft für Kreditsicherung (Schufa) verzeichnet für die bei ihr gemeldeten 18- und 19-Jährigen bereits Schulden von im Schnitt 3500 Euro.

Der Bundesverband Deutscher Banken bestätigt, dass es unter Jugendlichen einen enormen Nachholbedarf beim Wissen rund um die Finanzen gibt: Fast die Hälfte aller 14- bis 24-Jährigen gibt zu, sich in Geldfragen gar nicht auszukennen. Mehr als zwei Drittel beschäftigen sich nur, wenn unbedingt nötig, mit dem Thema. Dagegen arbeitet das Diakonische Werk an der Saar (DW Saar) mit einem Sonderprojekt an. 2006 hat das DW Saar im Auftrag des saarländischen Bildungsministeriums eine Materialsammlung zur Arbeit gegen Überschuldung zusammengestellt. Die 150 Exemplare sowie der Sachstandsbericht waren schnell vergriffen.

Weitere Initiativen der Landesregierung, um jugendliche vor Schulden zu schützen, folgten. So gab es eine Fortbildung für alle Mitarbeiter der Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen. Und die Landesregierung förderte den Aufbau eines Internetportals über die Schuldnerberatungsstellen im Saarland. 2008 beauftragte die Landesregierung das DW Saar, das Material zu aktualisieren und zu ergänzen. Die Bildungsmaterialien helfen, Allgemeinbildung über Finanzen zu vermitteln, zeigen die Gefahren, die Kredite mit sich bringen können, erklären, wie Versicherungen funktionieren. Dazu kommen Informationen über die Ausgaben für Handy, Führerschein und Auto sowie für die Einrichtung der ersten Wohnung. Das Thema „Sicherheit“ hat sich in der Neuauflage zu einem bedeutenden Aspekt entwickelt, da Sicherheitslücken mit Kosten verbunden sein können. Diesbezüglich wurden die Materialien mit Tipps zum eigenen Verhalten ergänzt.

Giusy Grillo, Stefanie Valcic-Manstein und Beate Heinz haben großen Anteil an diesem DW-Projekt. Es basiert auf dem Projekt ,,Überschuldungsprävention für junge Menschen“, das vom Diakonischen Zentrum in Völklingen einst auf den Weg gebracht wurde. Um die bisherigen Initiativen im Saarland fortzusetzen und zu verstärken, schlägt das Diakonische Werk die Einrichtung einer landesweiten Koordinations- und Präventionsstelle vor, deren Aufgaben folgende sein könnten: Koordinierung eines landesweiten Netzwerkes zur Prävention; Entwicklung und Förderung von Projekten für Zielgruppen verschiedenen Alters; Pflege und Aktualisierung von Materialien; Unterstützung von lokalen Präventionsangeboten verschiedener Träger und Beratungsstellen; Unterstützung von Lehrkräften und Schulen bei entsprechenden Finanzbildungsangeboten; Unterstützung außerschulischer Kinder- und Jugendarbeit zu Finanz- und Konsumkompetenz. jkn/ole  
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