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Hinter den Kulissen des Musicals Hairspray

Im Merziger Zeltpalast wird das Musical

Im Merziger Zeltpalast wird das Musical "Hairspray" aufgeführt.

Blond war eben. Zwei, drei Handgriffe: Aus Prudy Pingleton ist eine gestrenge Gefängniswärterin von Baltimore geworden – mit schwarzer Perücke und dunkler Haut. Während Maskenbildnerin Sirle den Pinsel schwingt, verzieht Tanja Schumann gut gelaunt Grimassen, lacht unbekümmert ihrem Spiegelbild entgegen. Das Multitalent hat sichtlich Spaß an ihrer Verwandlung – und an ihren Rollen. In der Kabine nebenan toupiert sich Sebastian Smulders alias IQ die Haare, betrachtet sich im Spiegel, macht noch ein paar Schönheitskorrekturen – ein Ritus, der sich während der Aufführung im Zeltpalast Abend für Abend wiederholt.

Statt in der Pause Luft zu holen und einen Kaffee zu genießen, muss Uwe Kröger erneut in die Maske – sicher ist sicher. Mikro und Sender erscheinen den Technikern zu suspekt. Daher lässt der Musicalstar, der die pfundige Edna Turnblad gibt, die gleiche Prozedur über sich ergehen wie gut drei Stunden zuvor: Ein Sender wird ans Kostüm gezwackt, das Kabel mit Klebestreifen festgemacht, Maskenbildnerin Tiiu überschminkt sein Gesicht. Kröger, ein Vollprofi, nimmt's gelassen. Derweil packt Regieassistentin Corinna Jarosch mit stoischer Ruhe Haarspraydosen, Törtchen und jede Menge anderer Utensilien in eine Plastikkiste – für den zweiten Teil des Musicals überprüfen Produktionsleiter Gunny Mahling und die Techniker von Licht und Ton Kabel und andere Details. Noch ein kurzer Blick über die Kostüme hinter der Bühne, von den Kostümhelferinnen Kathrin Engel und Simone Schmitz peinlichst genau aufgereiht. Denn beim Garderobenwechsel während der Aufführung muss es flutschen – jede Viertelsekunde Verzögerung würde den Spielfluss behindern: runter von der Bühne, fliegender Kleiderwechsel – und zurück ins Spielgeschehen.

Für eine halbe Stunde herrscht Ruhe in den drei Quick-Change-Zonen, wo sich die Darsteller umziehen, umgeschminkt und neu frisiert werden – für die Maskenbildnerinnen und Kostümhelferinnen ein kurzer Augenblick der Ruhe, bevor es wieder in die Vollen geht.

„Es hat sich längst Routine eingestellt“, meint Joachim Arnold, Chef von Musik und Theater Saar – trotz aller Hektik, die hinter den Kulissen abgeht. Dass er mit dem Musical Hairspray aufs richtige Pferd gesetzt hat, macht ihn glücklich. „Weit über 700 Zuschauer an einem Mittwoch – das ist fast nicht zu toppen“, sagt er. Um weiteren Interessenten die Erfolgsgeschichte des pummeligen Teenies Tracy erzählen zu können, sind fünf Zusatzvorstellungen angesetzt. „Und alle sind schon sehr gut verkauft.“

Doch im Moment gilt seine Sorge Maickel Leijenhorst und seiner Verletzung. Trotz eines unglücklichen Zusammenpralls mit einer Kollegin wenige Minuten vor der Aufführung hält der sympathische Gilbert-Darsteller durch – mögen Kopf und Nacken noch so schmerzen. Das Allheilmittel für das Temperamentbündel: Cola. Von den Wehwehchen und all den Improvisationen hinter der Bühne kriegen die Zuschauer nichts mit. The Show must go on, die Show muss weitergehen. Und das tut sie auch, zumal einer für den anderen einsteht. Längst ist aus der Cast eine verschworene Gemeinschaft geworden, die auch gerne ihre Freizeit miteinander verbringt – etwa mit einem Volleyball-Spiel oder einem Trip nach Paris ins Euro-Disneyland an den freien Tagen. Ob die Loopings auf den diversen Bahnen oder die Musik: Von dem Ausflug zu Mickey, Cinderella, Indianerjones und Co. gerät die muntere Crew ins Schwärmen. Musikalisch erinnert Marc Seitz an die Party-Time in der französischen Metropole, spielt die Paraden am Klavier nach.

Ausgelassen schäkert Deborah Woodson mit ihren Kollegen – in der Pause wie auch vor der Aufführung. „Was ist ein schlauer Stromer“, will die stimmgewaltige Motormouth Maybelle wissen und weist auf den Schriftzug, der an der Spitze des Zeltpalastes prangt: „Ist das der Hinweis auf unseren Produzenten und den Besitzer des Terrains?“, lacht sie und amüsiert sich köstlich über die kecken Annäherungsversuche der beiden munteren Hunde Dobby und Mimi. „Wir hatten schon vier Hunde hier“, verraten Regieassistentin Caroline Braun und Mitarbeiterin Romina Reinig und blättern in aller Gemütsruhe in einer Illustrierten.

Schließlich werden Dobbys Spielereien Betty Vermeulen zu viel. Die Künstlerin, die neben Edda Petri den Part der zickigen Velma van Tussle übernommen hat, schnappt ihre Mimi und verschwindet. Sofort wendet sich der quirlige Mischling wieder Céline Vogt alias Louann zu. Den freien Tage habe sie in Köln verbracht – bei ihrer Familie. Ein Engagement nach Hairspray hat die junge Musicaldarstellerin auch schon in der Tasche. „Im Herbst geht's nach Aachen zu La cage aux folles“, erzählt sie. „Im Mai habe ich die Schule beendet“, sagt sie und lässt sich von Benjamin Eberling ins Gespräch verwickeln, der in einem Liegestuhl die letzten warmen Sonnenstrahlen genießt. „Aufgeregt ist man die ersten beiden Male.“ Danach stelle sich in den ersten beiden Minuten nur etwas Lampenfieber ein, gesteht der Gemütsmensch, der als Mister Pinky, Mister Spritzer und als Schuldirektor auf der Bühne steht. Der Zeiger rückt auf 19 Uhr – Zeit für das Warm-up, die Dehnübungen. Mehrmals muss Regieassistentin Corinna Jarosch das Gros der Crew dazu auffordern – zu viel hat sich die Truppe noch über Paris zu erzählen. Aber Dance Captain Conchita Zandbergen duldet keinen Aufschub.

Soundcheck war eine Stunde zuvor, Routineangelegenheit zur Überprüfung der Mikrofone. Die sind aufgereiht auf einem langen Tisch – auf den Konterfeis der Crew. Derweil hat die Verwandlung von Uwe Kröger in die füllige Figur der Edna schon begonnen. „45 Minuten braucht's, um ihn auf Edna zu trimmen“, plaudert Arnold aus der Schule. Und aus Tanja Schuhmann wird zunächst die blonde Prudy Pingleton.
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